Sekun­där­haf­tung für Bau­in­ge­nieu­re

Die zur Sekun­där­haf­tung des Archi­tek­ten ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze sind grund­sätz­lich nicht auf Son­der­fach­leu­te anwend­bar.

Sekun­där­haf­tung für Bau­in­ge­nieu­re

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs obliegt dem umfas­send beauf­trag­ten Archi­tek­ten im Rah­men sei­ner Betreu­ungs­auf­ga­be nicht nur die Wah­rung der Auf­trag­ge­ber­rech­te gegen­über den Bau­un­ter­neh­mern, son­dern auch und zunächst die objek­ti­ve Klä­rung der Män­gel­ur­sa­chen, selbst wenn zu die­sen eige­ne Pla­nungs- oder Auf­sichts­feh­ler gehö­ren. Eine Ver­trags­ver­let­zung durch pflicht­wid­ri­ge Unter­las­sung jeg­li­cher Unter­su­chung und Bera­tung, mit der der Archi­tekt mög­li­cher­wei­se die Ver­jäh­rung der gegen ihn selbst bestehen­den Ansprü­che her­bei­führt, begrün­det – nicht anders als eine fal­sche Bera­tung – einen wei­te­ren Scha­dens­er­satz­an­spruch dahin, dass die Ver­jäh­rung der gegen ihn gerich­te­ten Gewähr­leis­tungs- und Scha­dens­er­satz­an­sprü­che als nicht ein­ge­tre­ten gilt. Anknüp­fungs­punkt für die Sekun­där­haf­tung des Archi­tek­ten ist der über­nom­me­ne Auf­ga­ben­kreis. Eine Pflicht zur Auf­klä­rung über eige­ne Feh­ler muss sich aus den über­nom­me­nen Betreu­ungs­auf­ga­ben erge­ben. Der­ar­ti­ge Betreu­ungs­pflich­ten fol­gen für den umfas­send beauf­trag­ten Archi­tek­ten dar­aus, dass er die Objekt­über­wa­chung und die Objekt­be­treu­ung über­nom­men hat. Er ist ver­pflich­tet, für die Män­gel­frei­heit des Bau­werks zu sor­gen und dem Bestel­ler auch nach Fer­tig­stel­lung des Bau­werks bei der Unter­su­chung und Behe­bung des Bau­man­gels zur Sei­te zu ste­hen. Mit der umfas­sen­den Beauf­tra­gung eines Archi­tek­ten räumt der Bestel­ler die­sem eine zen­tra­le Stel­lung bei der Pla­nung und Durch­füh­rung des Bau­werks ein. Er ist der pri­mä­re Ansprech­part­ner des Bestel­lers, wenn es zu Pro­ble­men bei der Bau­ab­wick­lung kommt. Dies setzt sich auch nach der Fer­tig­stel­lung des Bau­vor­ha­bens fort. Des­halb ist der Archi­tekt auch nach der Fer­tig­stel­lung des Bau­vor­ha­bens Sach­wal­ter des Bestel­lers, der ihm bei der Durch­set­zung der Ansprü­che gegen die ande­ren Bau- und Pla­nungs­be­tei­lig­ten behilf­lich sein muss 1.

Die Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze, die das Beru­fungs­ge­richt an sich nicht ver­kennt, ist nicht auf den Archi­tek­ten beschränkt. Sie gel­ten auch für den umfas­send beauf­trag­ten Inge­nieur, der mit der Errich­tung eines Inge­nieur­bau­werks, § 51 Abs. 1 HOAI a.F., § 40 HOAI n.F., betraut wur­de. Sie gel­ten dage­gen grund­sätz­lich nicht für den Trag­werks­pla­ner 2. Sie sind grund­sätz­lich auch nicht auf ande­re Son­der­fach­leu­te anzu­wen­den 3.

Die­se Son­der­fach­leu­te haben regel­mä­ßig kei­ne dem umfas­send beauf­trag­ten Archi­tek­ten ver­gleich­ba­re Stel­lung. Sie wer­den zusätz­lich zu dem Archi­tek­ten für die Bear­bei­tung von Teil­be­rei­chen des Bau­vor­ha­bens hin­zu­ge­zo­gen. Ihnen kommt kei­ne zen­tra­le Stel­lung als pri­mä­rer Ansprech­part­ner des Bau­herrn für das Bau­vor­ha­ben als Gan­zes zu.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Juli 2011 – VII ZR 4/​10

  1. BGH, Urteil vom 23.07.2009 – VII ZR 134/​08, BauR 2009, 1607 = NZBau 2009, 789 = ZfBR 2009, 781[]
  2. BGH, Urteil vom 27.09.2001 – VII ZR 320/​00, BauR 2002, 108 = NZBau 2002, 42 = ZfBR 2002, 61; vgl. nun­mehr auch § 3 Abs. 5 HOAI[]
  3. Koeb­le in Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um des Bau­rechts, 3. Aufl., 12. Teil Rn. 511; von Rin­te­len, NZBau 2008, 209, 213; Schul­ze­Ha­gen in Kniffka/​Schmitz, ibron­line­Kom­men­tar Bau­ver­trags­recht, Stand 16.07.2010, § 634a BGB Rn. 81; Löf­fel­mann, IBR 2002, 28; a.A. Locher in Locher/​Koeble/​Frik, HOAI, 10. Aufl., Ein­lei­tung Rn. 331[]