Sicher­heits­leis­tung für die Gerä­te­ab­ga­be – und die gericht­li­che Kon­trol­le

Die neu geschaf­fe­nen gesetz­li­chen Rege­lun­gen in §§ 107, 129 Abs. 4 des Geset­zes über die Wahr­neh­mung von Urhe­ber­rech­ten und ver­wand­ten Schutz­rech­ten durch Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten (Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten­ge­setz ‑VGG) ermög­li­chen es der urhe­ber­recht­li­chen Schieds­stel­le beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt, in Ver­fah­ren über die Gerä­te­ver­gü­tung gemäß § 54 UrhG auf Antrag einer Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft anzu­ord­nen, dass der in Anspruch genom­me­ne Schuld­ner der Gerä­te­ver­gü­tung eine Sicher­heit leis­ten muss. Die Zulas­sung der Voll­zie­hung der Anord­nung erfolgt durch das Ober­lan­des­ge­richt (§ 107 Abs. 4 und Abs. 5 VGG).

Sicher­heits­leis­tung für die Gerä­te­ab­ga­be – und die gericht­li­che Kon­trol­le

Dabei hat das Ober­lan­des­ge­richt eine voll­um­fäng­li­che Über­prü­fung vor­zu­neh­men.

Das Ober­lan­des­ge­richt prüft – wie sich schon aus der Begrün­dung im Gesetz­ent­wurf ergibt 1 – nicht nur sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung der Sicher­heits­leis­tung, son­dern auch deren Höhe. Etwas ande­res ergibt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­rer auch nicht aus der Bezug­nah­me in der Geset­zes­be­grün­dung auf § 1041 Abs. 2 ZPO, der die Zulas­sung der Voll­zie­hung von sichern­den Maß­nah­men in schieds­rich­ter­li­chen Ver­fah­ren zum Gegen­stand hat.

Der Umstand, dass das Ober­lan­des­ge­richt im Rah­men einer Ent­schei­dung nach § 1041 Abs. 2 ZPO die Anord­nung sichern­der Maß­nah­men durch das Schieds­ge­richt nur ein­ge­schränkt über­prü­fen kann 2, hat sei­nen Grund in dem gemäß § 1059 Abs. 2 Nr. 2b ZPO für Schieds­sprü­che gel­ten­den Ver­bot der "révi­si­on au fond". Die­ses gilt jedoch nicht im Ver­hält­nis zwi­schen dem Ver­fah­ren vor der urhe­ber­recht­li­chen Schieds­stel­le und einem anschlie­ßen­den Rechts­streit vor dem Ober­lan­des­ge­richt über die Ver­gü­tungs­ver­pflich­tung gemäß § 54 UrhG. Das Schieds­stel­len­ver­fah­ren ist kein an die Stel­le einer Ent­schei­dung durch staat­li­che Gerich­te tre­ten­des schieds­rich­ter­li­ches Ver­fah­ren; sei­ne Durch­füh­rung ist ledig­lich Pro­zess­vor­aus­set­zung für das gericht­li­che Ver­fah­ren 3. Das Ober­lan­des­ge­richt ent­schei­det in den Fäl­len des § 92 Abs. 1 Nr. 2 VGG als erst­in­stanz­li­ches Gericht nach den Regeln der Zivil­pro­zess­ord­nung (§ 129 Abs. 2 Satz 1 VGG) und damit in der Sache unab­hän­gig von dem Eini­gungs­vor­schlag der Schieds­stel­le (§ 105 VGG), der das Gericht in kei­ner Wei­se inhalt­lich bin­det. Dies gilt auch für die Zulas­sung der Voll­zie­hung von Sicher­heits­an­ord­nun­gen.

Eine sol­che Aus­le­gung der ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten ist auch ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten. Da die Anord­nung einer Sicher­heits­leis­tung durch die beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt res­sor­tie­ren­de Schieds­stel­le einen Akt der voll­zie­hen­den Gewalt dar­stellt, ver­mit­telt Art.19 Abs. 4 GG den betrof­fe­nen Gerä­te­her­stel­lern einen Anspruch auf eine tat­säch­lich wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le die­ser Ent­schei­dung 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 28. Juli 2016 – 1 BvR 1567/​1

  1. BT-Drs. 18/​7223, S. 102[]
  2. vgl. Gei­mer, in: Zöl­ler, Zivil­pro­zess­ord­nung, 31. Aufl.2016, § 1041 ZPO Rn. 3[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 15.06.2000 – I ZR 231/​97, GRUR 2000, S. 872, 873[]
  4. vgl. BVerfGE 101, 397, 407[]