Sky-Mar­shals flie­gen kos­ten­los…

…und das Luft­fahrt­un­ter­neh­men muss auch die auf die­se Flug­si­cher­heits­be­glei­ter ent­fal­len­den pas­sa­gier­be­zo­ge­nen Zah­lun­gen über­neh­men. Ins­be­son­de­re haben die Luft­fahrt­un­ter­neh­men kei­nen Anspruch gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf Erstat­tung die­ser pas­sa­gier­be­zo­ge­nen Zah­lun­gen, die sie für die Beför­de­rung von Bun­des­po­li­zei­be­am­ten als Flug­si­cher­heits­be­glei­ter ("Sky-Mar­shals") an Drit­te ent­rich­ten müs­sen.

Sky-Mar­shals flie­gen kos­ten­los…

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof auf die Kla­ge eines Luft­fahrt­un­ter­neh­mens, das natio­na­le und inter­na­tio­na­le Lini­en­flü­ge durch­führt und gemäß §§ 4a, 62 Abs. 2 Nr. 2 BPolG ver­pflich­tet ist, auf bestimm­ten, von der Bun­des­po­li­zei auf­grund einer umfas­sen­den Lage­aus­wer­tung aus­ge­wähl­ten und ihr im Vor­aus mit­ge­teil­ten Flü­gen Beam­te der Bun­des­po­li­zei als soge­nann­te Flug­si­cher­heits­be­glei­ter ("Sky Mar­shals") unent­gelt­lich zu beför­dern. Die Flug­ge­sell­schaft ver­lang­te dar­auf­hin von der beklag­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Erstat­tung pas­sa­gier­be­zo­ge­ner Zah­lun­gen – Beför­de­rungs­steu­ern, Ein­rei­se­ge­büh­ren und Benut­zungs­ent­gel­te wie z.B. Zoll­ge­büh­ren, Start- und Lan­de­ent­gel­te -, die sie für die Beför­de­rung von Bun­des­po­li­zei­be­am­ten als Flug­si­cher­heits­be­glei­ter an Drit­te, ins­be­son­de­re an in- und aus­län­di­sche Flug­hä­fen und Behör­den, ent­rich­ten muss. Die­se bezif­fert sie für den Zeit­raum vom 1. Janu­ar 2008 bis zum 17. Sep­tem­ber 2015 auf ins­ge­samt gut 2,3 Mio. €, wovon rund 1,3 Mio. € im Inland und knapp 1 Mio. € im Aus­land ange­fal­len sind. Wei­ter­hin begehrt sie die Fest­stel­lung, dass die Bun­des­re­pu­blik ver­pflich­tet ist, ihr die ab dem 18. Sep­tem­ber 2015 ent­ste­hen­den ent­spre­chen­den Auf­wen­dun­gen zu erstat­ten. Die Flug­ge­sell­schaft ist der Auf­fas­sung, dass die gesetz­li­che Pflicht zur unent­gelt­li­chen Beför­de­rung nach § 62 Abs. 2 Nr. 2 BPolG nicht die Ver­pflich­tung ein­schlie­ße, pas­sier­be­zo­ge­ne Zah­lun­gen an Drit­te zu tra­gen. Dar­über hin­aus meint sie, die Pflicht zur unent­gelt­li­chen Beför­de­rung gel­te jeden­falls nur für das Inland, weil den Flug­si­cher­heits­be­glei­tern außer­halb des deut­schen Hoheits­ge­biets kei­ne Befug­nis­se nach § 4a BPolG zustün­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Pots­dam hat die Kla­ge der Flug­ge­sell­schaft abge­wie­sen 1. Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt hat die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung der Flug­ge­sell­schaft zurück­ge­wie­sen 2. Mit ihrer vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Flug­ge­sell­schaft ihre Kla­ge wei­ter, schei­ter­te damit nun aber auch vor dem Bun­des­ge­richts­hof, der die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen bestä­tig­te und auch die Revi­si­on der Flug­ge­sell­schaft zurück­wies:

Ein Aus­gleichs­an­spruch schei­tert dar­an, dass die Unent­gelt­lich­keit im Sin­ne des § 62 Abs. 2 Nr. 2 BPolG auch die hier gel­tend gemach­ten pas­sa­gier­be­zo­ge­nen Auf­wen­dun­gen erfasst. Die Beför­de­rungs­pflicht nach §§ 4a, 62 Abs. 2 Nr. 2 BPolG gilt für natio­na­le und inter­na­tio­na­le Flü­ge. Eine Unter­schei­dung trifft das Gesetz inso­fern nicht.

Unab­hän­gig davon, ob die Poli­zei­be­am­ten nur im deut­schen Luft­raum hoheit­li­che Befug­nis­se haben, bezieht sich die Pflicht zur unent­gelt­li­chen Beför­de­rung der Flug­si­cher­heits­be­glei­ter auch auf inter­na­tio­na­le Flü­ge. Erfasst sind in die­sen Fäl­len – bei einer auf deut­schem Hoheits­ge­biet begon­ne­nen Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben – die gesam­te Beför­de­rung bis zum (aus­län­di­schen) Ziel­flug­ha­fen und der anschlie­ßen­de Rück­flug nach Deutsch­land. Die Wei­ter­be­för­de­rung über die Staats­gren­ze hin­aus ist näm­lich eben­so wie der Rück­flug nach Deutsch­land not­wen­di­ge tat­säch­li­che Fol­ge der vor­he­ri­gen Auf­ga­ben­wahr­neh­mung im Inland. Im Übri­gen dürf­te nichts dage­gen spre­chen, dass der Flug­si­cher­heits­be­glei­ter jeden­falls als Beauf­trag­ter des ver­ant­wort­li­chen Luft­fahr­zeug­füh­rers auch außer­halb des deut­schen Hoheits­ge­biets zur Aus­übung der "Bord­ge­walt" befugt ist, wenn und soweit dies nicht zu einer Kol­li­si­on mit frem­der Hoheits­ge­walt führt.

Die "Unent­gelt­lich­keit" der Beför­de­rung im Sin­ne des § 62 Abs. 2 Nr. 2 BPolG ist nach Wort­laut, Zweck, Ent­ste­hungs­ge­schich­te und Sys­te­ma­tik die­ser Rege­lung dahin zu ver­ste­hen, dass eine Erstat­tung der von der Flug­ge­sell­schaft gel­tend gemach­ten pas­sa­gier­be­zo­ge­nen Zah­lun­gen an Drit­te aus­ge­schlos­sen wird.

Eine ande­re – ein­schrän­ken­de – Aus­le­gung die­ser Norm ist auch von Ver­fas­sungs wegen (Berufs­frei­heit und Eigen­tums­ga­ran­tie, Art. 12 GG und Art. 14 GG) nicht ver­an­lasst.

Die Her­an­zie­hung der im grenz­über­schrei­ten­den Rei­se­ver­kehr täti­gen Ver­kehrs­un­ter­neh­men zur unent­gelt­li­chen Beför­de­rung von Bun­des­po­li­zei­be­am­ten ist durch hin­rei­chen­de Grün­de des Gemein­wohls gerecht­fer­tigt. Die Beför­de­rungs­plicht dient in ers­ter Linie der Ver­hin­de­rung von Ent­füh­run­gen von Luft­fahr­zeu­gen, ter­ro­ris­ti­schen Anschlä­gen und Gei­sel­nah­men und damit der Vor­beu­gung und Abwehr von Gefah­ren für die Gesund­heit und das Leben der Flug­zeug­pas­sa­gie­re und Besat­zungs­mit­glie­der. Sie bezweckt die Gewähr­leis­tung von Rechts- und Gemein­schafts­gü­tern von hohem Rang, deren Schutz selbst mit Mit­teln ange­strebt wer­den darf, die emp­find­lich in das Grund­recht der Berufs­frei­heit ein­grei­fen. Die Pflicht zur kos­ten­lo­sen Beför­de­rung ist auch ver­hält­nis­mä­ßig, weil die Flug­ge­sell­schaft durch die pas­sa­gier­be­zo­ge­nen Kos­ten nicht unzu­mut­bar belas­tet wird. Auf der einen Sei­te ergibt sich aus der Beför­de­rungs­tä­tig­keit eine Sach- und Ver­ant­wor­tungs­nä­he der Luft­fahrt­un­ter­neh­men zur Gefah­ren­ab­wehr und ‑vor­sor­ge an Bord ihrer Luft­fahr­zeu­ge. Auf der ande­ren Sei­te kommt der Ein­satz von Flug­si­cher­heits­be­glei­tern den Luft­fahrt­un­ter­neh­men selbst zugu­te, weil er zu einem Sicher­heits­ge­winn und einer Risi­ko­min­de­rung führt und die Unter­neh­men von gleich­ar­ti­gen eige­nen Siche­rungs­maß­nah­men ent­las­tet. Sie sind des­halb unmit­tel­ba­rer Nutz­nie­ßer der kos­ten­aus­lö­sen­den poli­zei­li­chen Tätig­keit. Hin­zu kommt, dass die für die Beför­de­rung der Bun­des­po­li­zei­be­am­ten an Drit­te zu zah­len­den pas­sa­gier­be­zo­ge­nen Kos­ten für die Flug­ge­sell­schaft – in Anbe­tracht ihres Umsat­zes, ihrer Gesamt­kos­ten und ihres Gewinns – von deut­lich unter­ge­ord­ne­ter wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung sind und ohne wei­te­res in den Flug­preis ein­kal­ku­liert und auf die­se Wei­se an die Pas­sa­gie­re wei­ter­ge­ge­ben wer­den kön­nen.

Etwai­ge Wett­be­werbs­nach­tei­le gegen­über ande­ren – von der Pflicht zur unent­gelt­li­chen Beför­de­rung nicht erfass­ten – Luft­fahrt­un­ter­neh­men wer­den durch den mit dem Ein­satz der Flug­si­cher­heits­be­glei­ter ver­bun­de­nen Sicher­heits­ge­winn und die hier­aus resul­tie­ren­den Wett­be­werbs­vor­tei­le mehr als aus­ge­gli­chen. Eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung ergibt sich auch nicht im Ver­gleich zu Schie­nen­ver­kehrs­un­ter­neh­men. Die von ter­ro­ris­ti­schen Anschlä­gen auf Luft­fahr­zeu­ge oder deren Ent­füh­rung aus­ge­hen­den Gefah­ren rei­chen hin­sicht­lich ihrer Art und ihres mög­li­chen Aus­ma­ßes (Gefähr­dung einer gro­ßen Zahl von Men­schen und kri­ti­scher Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen) typi­scher­wei­se deut­lich wei­ter als beim Bahn­ver­kehr, so dass für den Luft­ver­kehr von einem höhe­ren Sicher­heits­be­dürf­nis aus­zu­ge­hen ist, das sich wie­der­um in einer höhe­ren Kos­ten­be­las­tung der Luft­fahrt­un­ter­neh­men für die Gefah­ren­vor­sor­ge und ‑abwehr nie­der­schla­gen darf.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Juli 2018 – III ZR 391/​17

  1. LG Pots­dam, Urteil vom 17.02.2016 – 11 O 245/​[]
  2. Bran­den­bur­gi­sches OLG, Urteil vom 14.03.2017 – 2 U 12/​16[]