Son­der­de­gres­si­on für Wind­ener­gie­an­la­gen

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blieb die Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­de eines Ener­gie­un­ter­neh­mens bezüg­lich der Son­der­de­gres­si­on für Wind­ener­gie­an­la­gen ohne Erfolg, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung an.

Son­der­de­gres­si­on für Wind­ener­gie­an­la­gen

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de rich­te­te sich gegen § 46a des Geset­zes für den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en, ein­ge­fügt durch Art. 1 Nr. 6 des Geset­zes zur Ein­füh­rung von Aus­schrei­bun­gen für Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und zu wei­te­ren Ände­run­gen des Rechts der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en vom 13.10.2016 1 in der durch das Gesetz zur Ände­rung der Bestim­mun­gen zur Strom­erzeu­gung aus Kraft-Wär­me-Kopp­lung und zur Eigen­ver­sor­gung vom 22.12 2016 2 (Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz, EEG 2017) geän­der­ten Fas­sung. Danach kann sich der bei der Berech­nung des Zah­lungs­an­spruchs für Strom aus Wind­ener­gie­an­la­gen an Land anzu­le­gen­de Wert ver­rin­gern, wenn der Strom in Anla­gen erzeugt ist, die erst nach Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung zum 1.01.2017 in Betrieb genom­men wor­den sind.

Die gesetz­li­che Rege­lung[↑]

Das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz sieht für die Ein­spei­sung von Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en einen beson­de­ren Zah­lungs­an­spruch des Anla­gen­be­trei­bers gegen­über dem Netz­be­trei­ber vor. Die­ser Anspruch war bis­lang in Form einer gesetz­lich fest­ge­leg­ten Min­dest­ver­gü­tung gere­gelt, die für eine Dau­er von 20 Kalen­der­jah­ren ab Inbe­trieb­nah­me der Anla­ge zuzüg­lich des Inbe­trieb­nah­me­jah­res garan­tiert war (§ 16, § 21 Abs. 2 EEG 2009; § 16, § 21 Abs. 2 EEG 2012; §§ 19, 22 EEG 2014). Alter­na­tiv hier­zu bestand im Fal­le der seit 2014 grund­sätz­lich vor­ran­gi­gen Direkt­ver­mark­tung des Stroms (vgl. § 2 Abs. 2 EEG 2014, § 2 Abs. 2 EEG 2017) ein Anspruch auf Zah­lung einer Markt­prä­mie (vgl. § 33g EEG 2012, § 34 EEG 2014; s. jetzt §§ 19, 20 EEG 2017). Die Ein­zel­hei­ten des Ver­gü­tungs­an­spruchs, ins­be­son­de­re des­sen Höhe, wur­den regel­mä­ßig geän­dert. So wur­den etwa bestimm­te Degres­si­ons­stu­fen fest­ge­legt, nach denen sich die Ver­gü­tun­gen und Boni für nach bestimm­ten Stich­ta­gen in Betrieb genom­me­ne Anla­gen ver­rin­ger­ten (vgl. § 20 Abs. 1, 2 Nr. 7b EEG 2009; § 20 Abs. 1, 2 Nr. 7b, § 66 Abs. 1 EEG 2012; § 26 Abs. 1, § 29 Abs. 2 bis 5, § 100 Abs. 1 EEG 2014).

Zum 1.01.2017 trat das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz 2017 in Kraft. Die För­de­rung wur­de auf ein Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren umge­stellt, womit ein bereits im Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz 2014 ange­kün­dig­ter (§ 2 Abs. 5 Satz 1 EEG 2014) und begon­ne­ner Sys­tem­wech­sel voll­zo­gen wur­de (vgl. § 2 Abs. 3 Satz 1, § 3 Nr. 3, § 22 EEG 2017). Ein Zah­lungs­an­spruch besteht nun für nach dem 31.12 2016 in Betrieb genom­me­ne Anla­gen (§ 100 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EEG 2017) grund­sätz­lich nur noch, wenn in einem Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren, in dem auch die Höhe des Anspruchs ermit­telt wird, ein Zuschlag für die Anla­ge erteilt wur­de (vgl. § 22 EEG 2017). Eine Aus­nah­me von der Aus­schrei­bungs­pflicht gilt aber unter ande­rem für Wind­ener­gie­an­la­gen an Land, die vor dem 1.01.2019 in Betrieb genom­men wor­den sind, wenn sie vor dem 1.01.2017 nach dem Bun­des-Immis­si­ons­schutz­ge­setz geneh­migt wur­den, die­se Geneh­mi­gung vor dem 1.02.2017 an ein spe­zi­el­les Regis­ter gemel­det wur­de und der Geneh­mi­gungs­in­ha­ber nicht vor dem 1.03.2017 auf den gesetz­lich bestimm­ten Anspruch auf Zah­lung ver­zich­tet hat (vgl. § 22 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 EEG 2017). Für die­se Anla­gen wird die Höhe des für die Berech­nung der Zah­lungs­an­sprü­che anzu­le­gen­den Wer­tes auch wei­ter­hin gesetz­lich bestimmt (vgl. § 22 Abs. 6 Satz 2 EEG 2017, § 46 EEG 2017).

Durch die ange­grif­fe­ne Vor­schrift des § 46a EEG 2017 wer­den die in § 46 EEG 2017 fest­ge­leg­ten Wer­te für die­se Berech­nung der Zah­lungs­an­sprü­che für Strom aus Wind­ener­gie­an­la­gen an Land für nach bestimm­ten Stich­ta­gen in Betrieb genom­me­ne Anla­gen redu­ziert. So erfolg­te die Absen­kung in den Mona­ten März bis August 2017 monat­lich für die danach in Betrieb genom­me­nen Anla­gen um 1, 05 Pro­zent gegen­über den Wer­ten, die bei im jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­mo­nat in Betrieb genom­me­nen Anla­gen anzu­le­gen waren. Vier­tel­jähr­lich ab Okto­ber 2017 ver­rin­ger­te sich der anzu­le­gen­de Wert nach § 46a Abs. 1 Satz 2 EEG 2017 für die nach den Stich­ta­gen in Betrieb genom­me­nen Anla­gen um 0, 4 Pro­zent. Anders als für die Son­der­de­gres­si­on nach § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 gilt dabei nach § 46a Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 bis 4 EEG 2017 ein soge­nann­ter "atmen­der Deckel". Danach rich­tet sich die kon­kre­te Höhe der Degres­si­ons­stu­fen nach dem Ver­hält­nis des im Bezugs­zeit­raum erfolg­ten Brut­to-Zubaus von Wind­ener­gie an Land zu der Ziel­grö­ße von 2.500 Mega­watt pro Jahr. Wird die­ser Wert über­schrit­ten, erhöht sich abhän­gig von der Höhe der Über­schrei­tung die Absen­kung des anzu­le­gen­den Wer­tes. Wird er unter­schrit­ten, ver­rin­gert sich die Absen­kung. Die ange­grif­fe­ne Vor­schrift lau­tet:

§ 46a EEG 2017 Absen­kung der anzu­le­gen­den Wer­te für Strom aus Wind­ener­gie an Land bis 2018

(1) Die anzu­le­gen­den Wer­te nach § 46 Absatz 1 und 2 ver­rin­gern sich zum 1. März, 1. April, 1. Mai, 1. Juni, 1.07.und 1.08.2017 für die nach die­sem Zeit­punkt in Betrieb genom­me­nen Anla­gen um 1, 05 Pro­zent gegen­über den in dem jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­mo­nat gel­ten­den anzu­le­gen­den Wer­ten. Danach ver­rin­gern sie sich zum 1.10.2017, 1.01.2018, 1.04.2018, 1.07.2018 und 1.10.2018 für die nach die­sem Zeit­punkt in Betrieb genom­me­nen Anla­gen um 0, 4 Pro­zent gegen­über den in dem jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­mo­nat gel­ten­den anzu­le­gen­den Wer­ten.

(2) Die Absen­kung der anzu­le­gen­den Wer­te nach Absatz 1 Satz 2 erhöht sich jeweils, wenn der Brut­to-Zubau im Bezugs­zeit­raum den Wert von 2 500 Mega­watt

  1. um bis zu 200 Mega­watt über­schrei­tet, auf 0,5 Pro­zent,
  2. um mehr als 200 Mega­watt über­schrei­tet, auf 0,6 Pro­zent,
  3. um mehr als 400 Mega­watt über­schrei­tet, auf 0,8 Pro­zent,
  4. um mehr als 600 Mega­watt über­schrei­tet, auf 1,0 Pro­zent,
  5. um mehr als 800 Mega­watt über­schrei­tet, auf 1,2 Pro­zent oder
  6. um mehr als 1 000 Mega­watt über­schrei­tet, auf 2,4 Pro­zent.

(3) Die Absen­kung der anzu­le­gen­den Wer­te nach Absatz 1 Satz 2 ver­rin­gert sich jeweils, wenn der Brut­to-Zubau im Bezugs­zeit­raum den Wert von 2 400 Mega­watt

  1. um bis zu 200 Mega­watt unter­schrei­tet, auf 0,3 Pro­zent,
  2. um mehr als 200 Mega­watt unter­schrei­tet, auf 0,2 Pro­zent oder
  3. um mehr als 400 Mega­watt unter­schrei­tet, auf null.

(4) Die nach Absatz 1 Satz 2 erfol­gen­de Absen­kung der anzu­le­gen­den Wer­te ver­rin­gert sich auf null und es erhö­hen sich die anzu­le­gen­den Wer­te nach § 46 gegen­über den im jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen Quar­tal gel­ten­den anzu­le­gen­den Wer­ten, wenn der Brut­to-Zubau im Bezugs­zeit­raum den Wert von 2 400 Mega­watt

  1. um mehr als 600 Mega­watt unter­schrei­tet, um 0,2 Pro­zent oder
  2. um mehr als 800 Mega­watt unter­schrei­tet, um 0,4 Pro­zent.

Das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ist, soweit hier von Bedeu­tung, fol­gen­der­ma­ßen ver­lau­fen: Am 8.06.2016 beschloss die Bun­des­re­gie­rung den Ent­wurf eines Geset­zes zur Ein­füh­rung von Aus­schrei­bun­gen für Strom aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und zu wei­te­ren Ände­run­gen des Rechts der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Die Ent­wurfs­fas­sung wich von der spä­ter Gesetz gewor­de­nen Fas­sung etwas ab. Danach soll­te eine Ver­kür­zung des Ver­gü­tungs­an­spruchs für nach dem 1.04.2017 in Betrieb genom­me­ne Wind­ener­gie­an­la­gen an Land um 1, 2 Pro­zent, für nach dem 1.06.2017 in Betrieb genom­me­ne Anla­gen um 5 Pro­zent sowie eine in der Höhe vom Zubau der Wind­ener­gie an Land abhän­gi­ge Absen­kung zum 1.10.2017, 1.01.2018, 1.04.2018, 1.07.2018 und 1.10.2018 für die nach die­sem Zeit­punkt in Betrieb genom­me­nen Anla­gen gere­gelt wer­den 3. Der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung wur­de am 9.06.2016 dem Bun­des­rat zuge­lei­tet und am 20.06.2016 in den Bun­des­tag ein­ge­bracht 4. Am 21.06.2016 wur­de ein text­i­den­ti­scher Gesetz­ent­wurf der Regie­rungs­frak­tio­nen in den Bun­des­tag ein­ge­bracht 5. Die­ser wur­de mit Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie vom 06.07.2016 unter ande­rem in § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 abge­än­dert 6 und in die­ser Fas­sung am 8.07.2016 vom Bun­des­tag beschlos­sen. Das Gesetz wur­de in dem am 18.10.2016 aus­ge­ge­be­nen Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det 7. Noch vor sei­nem Inkraft­tre­ten wur­de das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz 2017 durch das – nach des­sen Art.19 eben­falls am 1.01.2017 in Kraft getre­te­ne – Gesetz zur Ände­rung der Bestim­mun­gen zur Strom­erzeu­gung aus Kraft-Wär­me-Kopp­lung und zur Eigen­ver­sor­gung vom 22.12 2016 geän­dert. Auf letz­te­res kommt es hier aber nicht an.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Die Beschwer­de­füh­re­rin ist eine Akti­en­ge­sell­schaft mit Tätig­keits­schwer­punkt in Deutsch­land. Ihre 100-pro­zen­ti­gen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten betrei­ben unter ande­rem zwei Wind­parks, die am 10.10.2016 und am 21.12 2016 (also vor Inkraft­tre­ten der Geset­zes­än­de­rung) geneh­migt und ab Juni 2017 (also nach Inkraft­tre­ten der Geset­zes­än­de­rung) in Betrieb genom­men wur­den.

Mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügt die Beschwer­de­füh­re­rin, die Ver­rin­ge­rung der Zah­lungs­an­sprü­che nach § 46a EEG 2017 ver­let­ze ihr Grund­recht aus Art. 12 Abs. 1 GG. Die­se Absen­kung sei nicht mit den Grund­sät­zen der Rechts-sicher­heit und des Ver­trau­ens- und Inves­ti­ti­ons­schut­zes ver­ein­bar. Es han­de­le sich um einen Fall "unech­ter" Rück­wir­kung. Mit den gesetz­lich garan­tier­ten Ver­gü­tungs­sät­zen sei ein beson­de­rer Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen wor­den. Dies gel­te auf­grund der Ziel­set­zung der gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­sät­ze bereits für Inves­ti­tio­nen im Vor­feld der Inbe­trieb­nah­me einer Anla­ge. Die Vor­be­rei­tun­gen für die 2016 geneh­mig­ten Wind­ener­gie­an­la­gen sei­en weit­aus frü­her ein­ge­lei­tet und die Inves­ti­tio­nen sei­en im Ver­trau­en auf den Erhalt der gesetz­li­chen Ver­gü­tung nach dem Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz 2014 getä­tigt wor­den. Die Ein­füh­rung einer Son­der­de­gres­si­on sei weder 2014 noch zum Inves­ti­ti­ons­zeit­punkt abseh­bar gewe­sen. Das Ver­trau­en in den Bestand der Ver­gü­tungs­hö­he sei inner­halb des Zeit­raums zwi­schen der Ver­kün­dung des Geset­zes und dem Ein­tritt der ers­ten Son­der­de­gres­si­ons­stu­fe am 1.03.2017 ange­sichts der sehr lan­gen Pla­nungs, Geneh­mi­gungs- und Her­stel­lungs­pha­sen nicht erschüt­tert wor­den. Zudem gehe die in § 46a EEG 2017 nor­mier­te Son­der­de­gres­si­on über das bis­her für sol­che Absen­kun­gen übli­che Maß hin­aus. Den hohen Ein­bu­ßen – hier eine vor­aus­sicht­li­che Umsatz­min­de­rung von 3,02 % – stün­den bei einem Ver­zicht auf die ange­grif­fe­ne Rege­lung kei­ne schwe­ren Nach­tei­le für Gemein­schafts­gü­ter ent­ge­gen.

Die Nicht­an­nah­me­ent­schei­dung des BVerfG[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Ihr kommt weder grund­sätz­li­che ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung zu (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be a BVerfGG), noch ist ihre Annah­me zur Durch­set­zung der als ver­letzt gerüg­ten Grund­rech­te der Beschwer­de­füh­re­rin ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG).

Soweit sich die Beschwer­de­füh­re­rin gegen die in § 46a Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 und 3 EEG 2017 gere­gel­te Absen­kung der für die Berech­nung ihres Zah­lungs­an­spruchs anzu­le­gen­den Wer­te wen­det ("atmen­der Deckel"), ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de unzu­läs­sig, weil die Mög­lich­keit einer Grund­rechts­ver­let­zung nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt wur­de (vgl. § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG).

Soweit sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Son­der­de­gres­si­on nach § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 wen­det, ist sie unbe­grün­det. Unter Berück­sich­ti­gung der in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hin­rei­chend geklär­ten Maß­stä­be zum ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­trau­ens­schutz 8 ver­letzt die Absen­kung der anzu­le­gen­den Wer­te nach § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 nicht die Grund­rech­te der Beschwer­de­füh­re­rin. Die ange­grif­fe­ne Rege­lung ent­fal­tet kei­ne ech­te Rück­wir­kung; ob hier eine unech­te Rück­wir­kung besteht, kann offen­blei­ben. § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 genügt den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an den Ver­trau­ens­schutz.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter­schei­det bei rück­wir­ken­den Geset­zen in stän­di­ger Recht­spre­chung zwi­schen

  • Geset­zen mit ech­ter Rück­wir­kung, die grund­sätz­lich nicht mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar sind 9, und
  • sol­chen mit unech­ter Rück­wir­kung, die grund­sätz­lich zuläs­sig sind 10.

Eine Rechts­norm ent­fal­tet ech­te Rück­wir­kung, wenn sie nach­träg­lich in einen abge­schlos­se­nen Sach­ver­halt ändernd ein­greift 11. Dies ist der Fall, wenn ihre Rechts­fol­ge mit belas­ten­der Wir­kung schon vor dem Zeit­punkt ihrer Ver­kün­dung für bereits abge­schlos­se­ne Tat­be­stän­de gel­ten soll ("Rück­be­wir­kung von Rechts­fol­gen" 12). Eine Rechts­norm ent­fal­tet hin­ge­gen unech­te Rück­wir­kung, wenn sie auf gegen­wär­ti­ge, noch nicht abge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te und Rechts­be­zie­hun­gen für die Zukunft ein­wirkt und damit zugleich die betrof­fe­ne Rechts­po­si­ti­on nach­träg­lich ent­wer­tet 13.

Dar­an gemes­sen liegt hier kei­ne ech­te Rück­wir­kung vor. § 46a EEG 2017 gilt gemäß § 100 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EEG 2017 nur für Anla­gen, die nach dem 31.12 2016 und damit erst nach Ver­kün­dung des Geset­zes in Betrieb genom­men wor­den sind. In einen abge­schlos­se­nen Sach­ver­halt wird dadurch nicht ein­ge­grif­fen. Zu die­sem Zeit­punkt war weder der – auch bis­lang die Ein­spei­sung und Abnah­me des Stroms vor­aus­set­zen­de (vgl. § 19 Abs. 1, § 34 Abs. 1, § 39 Abs. 1 EEG 2014) – Zah­lungs­an­spruch für Strom aus den betrof­fe­nen Anla­gen ent­stan­den, noch hat­te der – an die Inbe­trieb­nah­me der Anla­gen anknüp­fen­de (vgl. § 22 Satz 2 EEG 2014; jetzt: § 25 Satz 3 EEG 2017) – gesetz­lich garan­tier­te Ver­gü­tungs­zeit­raum zu lau­fen begon­nen oder war bereits abge­lau­fen.

Ob § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 gegen­über der Beschwer­de­füh­re­rin unech­te Rück­wir­kung ent­fal­tet, kann hier offen blei­ben 14. Frü­her durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als Geset­ze mit unech­ter Rück­wir­kung über­prüf­te Rege­lun­gen betra­fen soge­nann­te Bestands­an­la­gen, die also im Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der bean­stan­de­ten Rege­lung bereits in Betrieb genom­men wor­den waren 15. Hier sind hin­ge­gen Anla­gen betrof­fen, die zwar vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes am 1.01.2017 geneh­migt wur­den, aber erst danach in Betrieb genom­men wur­den.

Unab­hän­gig davon, ob § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 gegen­über der Beschwer­de­füh­re­rin unech­te Rück­wir­kung ent­fal­tet, genügt die Rege­lung jeden­falls den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­trau­ens­schutz­an­for­de­run­gen.

Geset­ze mit unech­ter Rück­wir­kung sind grund­sätz­lich zuläs­sig 10. Ande­res kann gel­ten, wenn der Gesetz­ge­ber selbst eine beson­de­re Ver­trau­ens­grund­la­ge geschaf­fen hat. Die Anfor­de­run­gen an eine unecht rück­wir­ken­de Ver­rin­ge­rung der Ver­gü­tung nach dem Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für Bestands­an­la­gen kürz­lich wie folgt kon­kre­ti­siert 16:

"Aus dem Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes und dem Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip erge­ben sich Gren­zen der Zuläs­sig­keit von unecht rück­wir­ken­den Geset­zen. Die­se Gren­zen sind erst über­schrit­ten, wenn die vom Gesetz­ge­ber ange­ord­ne­te unech­te Rück­wir­kung zur Errei­chung des Geset­zes­zwecks nicht geeig­net oder erfor­der­lich ist oder wenn die Bestands­in­ter­es­sen der Betrof­fe­nen die Ver­än­de­rungs­grün­de des Gesetz­ge­bers über­wie­gen 17.

Geset­ze, auf die ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en des Ein­zel­nen grün­det, dür­fen nicht ohne beson­de­re und über­wie­gen­de Grün­de des öffent­li­chen Inter­es­ses rück­wir­kend geän­dert wer­den; der Ein­zel­ne kann sich jedoch dann nicht auf Ver­trau­ens­schutz beru­fen, wenn das Ver­trau­en auf den Fort­be­stand einer ihm güns­ti­gen Rege­lung eine Rück­sicht­nah­me durch den Gesetz­ge­ber bil­li­ger­wei­se nicht bean­spru­chen darf 18. Ins­be­son­de­re genießt die all­ge­mei­ne Erwar­tung, das gel­ten­de Recht wer­de auch in Zukunft unver­än­dert blei­ben, kei­nen beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz 19.

Ver­spricht der Gesetz­ge­ber aller­dings – wie hier in den ver­schie­de­nen Fas­sun­gen des Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Geset­zes – für einen kon­kret fest­ge­leg­ten län­ge­ren Zeit­raum Ver­gü­tun­gen einer bestimm­ten Höhe für nach den Bedin­gun­gen des Geset­zes pro­du­zier­ten Strom, schafft er eine beson­de­re Ver­trau­ens­grund­la­ge für dar­auf auf­bau­en­de Inves­ti­tio­nen. Auf die Initi­ie­rung der­ar­ti­ger Inves­ti­tio­nen ist eine sol­che Gesetz­ge­bung ange­legt. Die Erwar­tung, die­se Rechts­la­ge wer­de für den garan­tier­ten Zeit­raum inso­weit unver­än­dert blei­ben, genießt daher beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz. Den dar­auf auf­bau­en­den Inves­ti­tio­nen kann der Gesetz­ge­ber mit Wir­kung für den geschütz­ten Zeit­raum nicht ohne wei­te­res im Nach­hin­ein die Grund­la­ge ent­zie­hen. Die­ser beson­de­re Ver­trau­ens­schutz für Inves­ti­tio­nen, die auf der Grund­la­ge einer der­ar­ti­gen, eine bestimm­te Ver­gü­tung garan­tie­ren­den Geset­zes­la­ge getä­tigt wur­den, schließt aller­dings – gera­de wenn sich die Zusa­ge, wie hier, über einen so lan­gen Zeit­raum erstreckt – nicht jeg­li­che Rand­kor­rek­tur der Gewäh­rungs­be­din­gun­gen aus, sofern sie sich auf ein berech­tig­tes öffent­li­ches Inter­es­se stüt­zen kann, die Garan­tie im Kern unbe­rührt lässt und das berech­tig­te Ver­trau­en der Betrof­fe­nen nicht unan­ge­mes­sen zurück­setzt."

Unge­ach­tet der Fra­ge, wel­ches Grund­recht hier zur Anwen­dung kommt 20, ver­stößt die ange­grif­fe­ne Rege­lung danach nicht gegen den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes. Das Ver­trau­en in den Fort­be­stand der bis zum 31.12 2016 gel­ten­den Ver­gü­tungs­hö­he war hier nicht beson­ders schutz­wür­dig und wäre, selbst wenn man eine gewis­se Schutz­wür­dig­keit unter­stell­te, durch die ange­grif­fe­ne Rege­lung nicht unver­hält­nis­mä­ßig ent­täuscht.

Es fehlt auf­grund der zuvor bestehen­den Geset­zes­la­ge für Strom, der in nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes in Betrieb genom­me­nen Anla­gen erzeugt wird, bereits an der beson­de­ren Schutz­wür­dig­keit des Ver­trau­ens in den unver­än­der­ten Fort­be­stand der vor­mals gel­ten­den Ver­gü­tungs­hö­he. Die Schutz­wür­dig­keit des Ver­trau­ens in den Fort­be­stand wäre aber Vor­aus­set­zung dafür, dass die grund­sätz­lich zuläs­si­ge unech­te Rück­wir­kung aus­nahms­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig sein könn­te. Ein beson­de­rer Grund für ein berech­tig­tes Ver­trau­en in den unver­än­der­ten Fort­be­stand der Ver­gü­tungs­hö­he für Strom aus Anla­gen, die zwar geneh­migt, aber noch nicht in Betrieb genom­men waren, besteht nicht. Ein sol­cher Grund ergibt sich hier vor Inbe­trieb­nah­me einer Anla­ge weder aus der Über­gangs­vor­schrift des § 102 Nr. 3 EEG 2014 noch aus der gesetz­li­chen Garan­tie des Zah­lungs­an­spruchs über einen Zeit­raum von 20 Jah­ren.

Die Über­gangs­vor­schrift des § 102 Nr. 3 EEG 2014 konn­te kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in den Fort­be­stand der Ver­gü­tungs­hö­he begrün­den.

Zwar kön­nen Über­gangs­vor­schrif­ten grund­sätz­lich berech­tig­tes Ver­trau­en begrün­den. Ent­täuscht der Gesetz­ge­ber das Ver­trau­en in den Fort­be­stand einer Über­gangs­vor­schrift, die er aus Ver­trau­ens­schutz­grün­den erlas­sen hat, indem er sie vor Aus­schöp­fung ihres ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Gel­tungs­um­fangs zu Las­ten der Berech­tig­ten besei­tigt, so ist dies nur unter beson­de­ren Anfor­de­run­gen zu recht­fer­ti­gen. Es geht dann nicht all­ge­mein um den Schutz des Ver­trau­ens der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in den Fort­be­stand gel­ten­den Rechts. Viel­mehr ver­traut der Bür­ger auf die Kon­ti­nui­tät einer Rege­lung, die altes Recht oder eine bestimm­te Über­gangs­re­ge­lung noch für eine bestimm­te Zeit in Bezug auf einen ein­ge­grenz­ten Per­so­nen­kreis nach Prü­fung der Ver­ein­bar­keit der Fort­gel­tung mit dem öffent­li­chen Inter­es­se auf­recht­erhält. Mit einer sol­chen Rege­lung schafft der Gesetz­ge­ber einen beson­de­ren Ver­trau­ens­tat­be­stand 21.

Eine sol­che, zu beson­de­rem Ver­trau­en berech­ti­gen­de Über­gangs­re­ge­lung wird durch den ange­grif­fe­nen § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 jedoch nicht berührt. Zwar ist § 102 Nr. 3 EEG 2014 eine aus Ver­trau­ens­schutz­grün­den erlas­se­ne Über­gangs­vor­schrift zuguns­ten der hier betrof­fe­nen Betrei­ber geplan­ter Wind­ener­gie­an­la­gen. Die Rege­lung hat fol­gen­den Wort­laut:

§ 102 EEG 2014 Über­gangs­be­stim­mung zur Umstel­lung auf Aus­schrei­bun­gen

Nach­dem die finan­zi­el­le För­de­rung im Sin­ne des § 2 Absatz 5 auf Aus­schrei­bun­gen umge­stellt wor­den ist, besteht auch ohne eine im Rah­men einer Aus­schrei­bung erhal­te­ne För­der­be­rech­ti­gung ein Anspruch nach § 19 Absatz 1 für Anla­gen­be­trei­ber von

3. allen ande­ren Anla­gen, die nach dem Bun­des-Immis­si­ons­schutz­ge­setz geneh­mi­gungs­be­dürf­tig sind oder für ihren Betrieb einer Zulas­sung nach einer ande­ren Bestim­mung des Bun­des­rechts bedür­fen und vor dem 1.01.2017 geneh­migt oder zuge­las­sen und vor dem 1.01.2019 in Betrieb genom­men wor­den sind; dies gilt nicht für die Betrei­ber von Frei­flä­chen­an­la­gen.

Die­se Rege­lung erlaub­te aber ledig­lich ein Ver­trau­en dar­auf, dass trotz des ange­kün­dig­ten Umstiegs auf ein Aus­schrei­bungs­sys­tem wei­ter­hin ein För­der­an­spruch nach § 19 Abs. 1 EEG 2014 besteht, nicht hin­ge­gen auf eine unver­än­der­te Ver­gü­tungs­hö­he. Die Rege­lung soll­te der mit dem geplan­ten Sys­tem­wech­sel ver­bun­de­nen Unsi­cher­heit der Inves­to­ren dar­über ent­ge­gen­wir­ken, "ob Pro­jek­te mit lan­gen Pla­nungs­zeit­räu­men noch eine För­de­rung erhal­ten kön­nen" 22. Da die Rege­lung zur Aus­schrei­bung der För­der­hö­he erst in einem neu­en Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren fest­ge­legt wer­de, sei für die Inves­to­ren ab 2014 nicht kal­ku­lier­bar, ob sie einen Zuschlag im Rah­men der Aus­schrei­bung und damit eine För­de­rung bekom­men könn­ten. Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes wer­de dar­um gere­gelt, dass Anla­gen auch ohne Zuschlags­er­tei­lung im Rah­men der Aus­schrei­bung noch bis Ende 2018 in Betrieb genom­men wer­den kön­nen und eine För­de­rung erhal­ten. Die Schaf­fung eines beson­de­ren Ver­trau­ens­tat­be­stands hin­sicht­lich des unver­än­der­ten Fort­be­stands der För­de­rungs­hö­he war damit jedoch nicht ver­bun­den.

Beson­de­res Ver­trau­en in den Fort­be­stand der För­de­rungs­hö­he wur­de vor Inbe­trieb­nah­me einer Anla­ge auch nicht durch die in § 22 EEG 2014 und sei­nen Vor­gän­ger­fas­sun­gen garan­tier­te finan­zi­el­le För­de­rung von Strom aus Anla­gen erneu­er­ba­rer Ener­gi­en für die Dau­er von 20 Jah­ren begrün­det. § 22 EEG 2014 lau­tet:

§ 22 EEG 2014 För­der­be­ginn und För­der­dau­er

Die finan­zi­el­le För­de­rung ist jeweils für die Dau­er von 20 Kalen­der­jah­ren zuzüg­lich des Inbe­trieb­nah­me­jah­res der Anla­ge zu zah­len. Beginn der Frist nach Satz 1 ist der Zeit­punkt der Inbe­trieb­nah­me der Anla­ge, soweit sich aus den nach­fol­gen­den Bestim­mun­gen nichts ande­res ergibt.

Einen beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­trau­ens­schutz für Inves­ti­tio­nen, die auf der Grund­la­ge einer eine bestimm­te Ver­gü­tung garan­tie­ren­den Geset­zes­la­ge getä­tigt wur­den, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwar in Betracht gezo­gen 23. Aller­dings beginnt der inso­weit garan­tier­te und ver­fas­sungs­recht­lich beson­ders geschütz­te Zeit­raum nach der aus­drück­li­chen gesetz­ge­be­ri­schen Fest­le­gung gera­de erst mit Inbe­trieb­nah­me der jewei­li­gen Anla­ge (vgl. § 21 Abs. 2 Satz 3 EEG 2009; § 21 Abs. 2 Satz 2 EEG 2012) und nicht schon mit deren Pla­nung, Geneh­mi­gung oder Errich­tung. Gegen die Annah­me, dass § 22 Satz 2 EEG 2014 gleich­wohl bereits vor Inbe­trieb­nah­me einer Anla­ge einen beson­de­ren Ver­trau­ens­tat­be­stand für die Ver­gü­tungs­hö­he begrün­det hat, spricht, dass der Gesetz­ge­ber auch in frü­he­ren Fas­sun­gen des Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Geset­zes hin­sicht­lich der Anwen­dung von zum Nach­teil der Betrei­ber abge­än­der­ten Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen auf Inbe­trieb­nah­me­zeit­punk­te nach Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung abge­stellt hat (vgl. etwa § 20 Abs. 1, § 66 Abs. 1 EEG 2009; § 20 Abs. 1, § 66 Abs. 1 EEG 2012; § 26, § 100 Abs. 1 EEG 2014). So betraf auch die genann­te Kam­mer­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 20.09.2016 anders als das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren Bestands­an­la­gen, die also zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der Neu­re­ge­lung bereits in Betrieb genom­men waren 23.

Im Übri­gen wäre das Ver­trau­en in den Fort­be­stand der bis zum 31.12 2016 gel­ten­den Ver­gü­tungs­hö­he – eine gewis­se Schutz­wür­dig­keit unter­stellt – durch die ange­grif­fe­ne Rege­lung auch nicht unver­hält­nis­mä­ßig ent­täuscht.

Die Rege­lung dient einem legi­ti­men Zweck und ist geeig­net und erfor­der­lich, die­sen Zweck zu errei­chen. § 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017 dient aus­weis­lich der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs dem Ziel der Men­gen­steue­rung des Aus­baus der Wind­ener­gie an Land 24, die wie­der­um in engem Zusam­men­hang mit den Zie­len der Wirt­schaft­lich­keit und Kos­ten­ef­fi­zi­enz (vgl. § 1 Abs. 1, § 2 Abs. 4 Satz 1 EEG 2017 25, vgl. auch § 3 Nr. 1, § 29 Abs. 1 EEG 2014), der Begren­zung der durch den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en für den End­ab­neh­mer ver­ur­sach­ten Strom­kos­ten 26 und der Siche­rung der Akzep­tanz der För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en und der Ener­gie­wen­de steht 27. Die mit der Vor­schrift bewirk­te Redu­zie­rung der Zah­lungs­an­sprü­che und damit der auf den Strom­preis abge­wälz­ten EEG-Umla­ge ist geeig­net, das legi­ti­me Ziel der Begren­zung der durch den Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en ver­ur­sach­ten Strom­kos­ten zu för­dern. Ein mil­de­res, gleich wirk­sa­mes Mit­tel steht nicht zur Ver­fü­gung.

Die ange­grif­fe­ne Rege­lung ist nicht unver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne. Dem Ver­trau­en der Beschwer­de­füh­re­rin in den Fort­be­stand der frü­he­ren Ver­gü­tungs­hö­he steht das Inter­es­se des Gesetz­ge­bers gegen­über, dass die Zie­le der Umstel­lung des För­der­sys­tems auf Aus­schrei­bun­gen und der bereits 2014 fest­ge­leg­ten Aus­bau­kor­ri­do­re – ins­be­son­de­re die Begren­zung der Strom­kos­ten für den End­ab­neh­mer – nicht kon­ter­ka­riert wer­den. Die Bestands­in­ter­es­sen der Beschwer­de­füh­re­rin über­wie­gen im Ergeb­nis nicht gegen­über die­sem Ver­än­de­rungs­in­ter­es­se des Gesetz­ge­bers.

Die gesetz­li­che Garan­tie des Zah­lungs­an­spruchs an sich sowie des­sen Lauf­zeit von 20 Jah­ren sind nicht betrof­fen (vgl. § 25 Satz 2 EEG 2017). Ledig­lich die Höhe des Anspruchs wird redu­ziert. Die­se Absen­kung ist zwar nicht uner­heb­lich. Dass dadurch aber das Geschäfts­mo­dell der Beschwer­de­füh­re­rin an sich oder auch nur der Betrieb der kon­kret betrof­fe­nen Anla­gen in Fra­ge gestellt oder die getä­tig­ten Inves­ti­tio­nen ent­wer­tet wür­den, hat die Beschwer­de­füh­re­rin weder dar­ge­legt noch ist dies ersicht­lich. Die Beschwer­de­füh­re­rin trägt inso­weit ledig­lich vor, die Ren­ta­bi­li­tät habe sich "im Gegen­satz zur ursprüng­li­chen Geset­zes­la­ge signi­fi­kant ver­schlech­tert". Dem­nach dürf­te der Betrieb immer noch unter Erzie­lung von Gewin­nen wirt­schaft­lich mög­lich sein.

Hin­zu kommt, dass ein gewis­ser Über­gangs­zeit­raum bestand, in dem sich Anla­gen­be­trei­ber auf die neue Rechts­la­ge ein­stel­len konn­ten. Sie muss­ten hier seit Zulei­tung des Gesetz­ent­wurfs durch die Bun­des­re­gie­rung an den Bun­des­rat am 9.06.2016 28 mit einer deut­li­chen Reduk­ti­on der Zah­lungs­an­sprü­che rech­nen. Spä­tes­tens aber seit Anfang Juli 2016 muss­ten sie mit der heu­te gel­ten­den Fas­sung rech­nen. Die Beschluss­emp­feh­lung und der Bericht des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie mit der spä­ter beschlos­se­nen Fas­sung des § 46a EEG 2017 datiert auf den 6.07.2016 29, der Geset­zes­be­schluss auf den 8.07.2016 30. So blie­ben bis zum 1.03.2017, dem Stich­tag der ers­ten Son­der­de­gres­si­on (§ 46a Abs. 1 Satz 1 EEG 2017), jeden­falls noch unge­fähr acht Mona­te Zeit, um die Anla­ge in Betrieb zu neh­men und in den Genuss unver­min­der­ter För­de­rung zu kom­men.

Zwar konn­te die Beschwer­de­füh­re­rin erst nach Ertei­lung der Geneh­mi­gun­gen am 10.10.2016 und am 21.12 2016 mit der Errich­tung der Anla­gen begin­nen. Vor der Ertei­lung der Geneh­mi­gung war ihr Ver­trau­en in den Fort­be­stand der ursprüng­li­chen Ver­gü­tungs­hö­he hier jedoch erst recht nicht schutz­wür­dig. Gera­de hin­sicht­lich der Höhe der För­de­rung ist das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz bereits in der Ver­gan­gen­heit häu­fig und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den geän­dert wor­den (vgl. etwa §§ 20, 29 EEG 2009; §§ 20, 29 EEG 2012; §§ 29, 49 EEG 2014). Auf einem Rechts­ge­biet mit der­art beweg­ter Ent­wick­lung kann der Ein­zel­ne nur ein­ge­schränkt auf das unver­än­der­te Fort­be­stehen einer ihm güns­ti­gen Rechts­la­ge rech­nen 31, solan­ge nicht beson­de­re Umstän­de Anlass geben, gleich­wohl anzu­neh­men, dass sich die Rechts­la­ge vor Geneh­mi­gungs­er­tei­lung nicht ändern wird. Das ist hier aber nicht der Fall. Viel­mehr waren bereits seit 2014 der nun voll­zo­ge­ne Sys­tem­wech­sel (vgl. § 2 Abs. 5 Satz 1 EEG 2014) und die auch damit ver­folg­ten Zie­le der Kos­ten­re­duk­ti­on und der Men­gen­steue­rung (vgl. auch § 3 Nr. 1 EEG 2014) bekannt, sodass für noch nicht geneh­mig­te Anla­gen eine Absen­kung der För­der­hö­he im Bereich des Denk­ba­ren lag.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Febru­ar 2019 – 1 BvR 2914/​17

  1. BGBl I S. 2258[]
  2. BGBl I S. 3106[]
  3. vgl. BR-Drs. 310/​16, S. 51[]
  4. BT-Drs. 18/​8832[]
  5. BT-Drs. 18/​8860, S. 50 f.[]
  6. BT-Drs. 18/​9096, S. 97[]
  7. BGBl I S. 2258[]
  8. vgl. ins­be­son­de­re BVerfGE 122, 374; 131, 47; 132, 302; 135, 1; 143, 246; 145, 20; BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 1 BvR 1299/​15[]
  9. vgl. BVerfGE 45, 142, 167 f.; 101, 239, 262; 132, 302, 318 Rn. 42 f.; 135, 1, 13 Rn. 37[]
  10. vgl. BVerfGE 132, 302, 318 Rn. 42 f.; 135, 1, 13 Rn. 37[][]
  11. vgl. BVerfGE 11, 139, 145 f.; 30, 367, 386; 101, 239, 263; 123, 186, 257; 132, 302, 318 Rn. 42; 135, 1, 13 Rn. 38[]
  12. vgl. BVerfGE 127, 1, 16 f.[]
  13. vgl. BVerfGE 101, 239, 263; 123, 186, 257; 132, 302, 318 Rn. 43; BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 1 BvR 1299/​15, Rn.20[]
  14. vgl. für geplan­te Anla­gen auch BVerfG, Beschluss vom 23.09.2010 – 1 BvQ 28/​10, Rn. 31[]
  15. vgl. ins­be­son­de­re BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 1 BvR 1299/​15, Rn. 21; BVerfGE 122, 374, 393 ff.[]
  16. BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 1 BvR 1299/​15, Rn. 23 ff.; vgl. auch ent­spre­chend zum unmit­tel­bar aus Art. 14 Abs. 1 GG abge­lei­te­ten Ver­trau­ens­schutz BVerfGE 143, 246, 383 f. Rn. 372[]
  17. vgl. BVerfGE 95, 64, 86; 101, 239, 263; 122, 374, 394 f.; 132, 302, 318 Rn. 43; stRspr[]
  18. vgl. BVerfGE 63, 152, 175; 68, 287, 307; 105, 17, 44[]
  19. vgl. BVerfGE 132, 302, 319 f. Rn. 45 m.w.N.[]
  20. vgl. BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 1 BvR 1299/​15, Rn. 41[]
  21. vgl. BVerfGE 143, 246, 369 Rn. 336 m.w.N.[]
  22. BT-Drs. 18/​1304, S. 182[]
  23. vgl. BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 1 BvR 1299/​15, Rn. 25[][]
  24. vgl. BT-Drs. 18/​8860, S. 229[]
  25. BT-Drs. 18/​8860, S. 146, 154[]
  26. vgl. dazu BVerfGE 122, 374, 392[]
  27. vgl. auch BT-Drs. 18/​1304, S. 1, 88 f., 92, 94, 105, 133; BT-Drs. 18/​1891, S. 177[]
  28. vgl. BR-Drs. 310/​16[]
  29. vgl. BT-Drs. 18/​9096[]
  30. vgl. zur Zer­stö­rung von Ver­trau­en durch Ein­brin­gung eines Gesetz­ent­wurfs in den Bun­des­tag bzw. durch Zulei­tung an den Bun­des­rat BVerfGE 127, 31, 50; 143, 246, 385 Rn. 377; 145, 20, 98 f. Rn.199, 201; BVerfG, Urteil vom 10.04.2018 – 1 BvR 1236/​11, Rn. 151 f.[]
  31. BVerfGE 95, 64, 92[]