Spit­zen­stel­lungs­wer­bung – und die Beweis­last

Auch bei einer Spit­zen­stel­lungs­wer­bung besteht für eine Beweis­erleich­te­rung zuguns­ten des Klä­gers kein Anlass, wenn er die für die Beur­tei­lung der Spit­zen­stel­lung maß­geb­li­chen Tat­sa­chen ohne erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten dar­le­gen und bewei­sen kann.

Spit­zen­stel­lungs­wer­bung – und die Beweis­last

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der behaup­te­ten Irre­füh­rung lie­gen bei der Unter­las­sungs­klä­ge­rin. Auch im Bereich der Allein­stel­lungs- und Spit­zen­grup­pen­wer­bung ist kei­ne all­ge­mei­ne Umkehr der Dar­le­gungs- und Beweis­last anzu­neh­men. Aller­dings muss der Beklag­te, der eine Spit­zen­stel­lung in Anspruch nimmt, die sie begrün­den­den Tat­sa­chen dar­le­gen und bewei­sen, wenn sei­ne Wer­bung als unrich­tig bean­stan­det wird und der Klä­ger die­se Tat­sa­chen ent­we­der über­haupt nicht oder nur mit erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten auf­klä­ren kann. Für eine Umkehr der Dar­le­gungs- und Beweis­last zuguns­ten des Klä­gers besteht dage­gen kein Anlass, wenn er die für die Beur­tei­lung der Spit­zen­stel­lung maß­geb­li­chen Tat­sa­chen ohne erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten dar­le­gen und bewei­sen kann 1.

So liegt es auch im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall.: Bei dem von der Beklag­ten ange­bo­te­nen Ankaufs­preis für Schmuck han­delt es sich um kei­ne Tat­sa­che, die die Klä­ge­rin nicht oder nur mit erheb­li­chen Schwie­rig­kei­ten auf­klä­ren konn­te. Die Klä­ge­rin hät­te den von der Beklag­ten an einem bestimm­ten Tag gezahl­ten oder jeden­falls ange­bo­te­nen Tages­preis ohne wei­te­res durch eini­ge weni­ge Test­ver­käu­fe oder anfra­gen erfah­ren kön­nen.

Der Klä­ge­rin ist als Wett­be­wer­be­rin im Bereich des Alte­del­me­tall­an­kaufs die Preis­ge­stal­tung auf die­sem Markt bekannt. Infol­ge­des­sen ver­fü­gen die Par­tei­en hin­sicht­lich der Ermitt­lung der von Mit­be­wer­bern ver­lang­ten Prei­se über die­sel­ben Mög­lich­kei­ten. Dem­entspre­chend hat­te die Klä­ge­rin auch Vor­trag zu den von Mit­be­wer­bern gebo­te­nen Ankaufs­prei­sen gehal­ten. Auch unter die­sem Aspekt bedarf es daher kei­ner Beweis­erleich­te­rung zuguns­ten der Klä­ge­rin.

Die Klä­ge­rin hat in zwei­ter Instanz eine Irre­füh­rung auch damit begrün­det, dass die Beklag­te vor der Wer­bung mit "Höchst­prei­sen" kei­ne vom Ver­kehr erwar­te­te Markt­be­ob­ach­tung durch­ge­führt habe. Die­ses von der Klä­ge­rin behaup­te­te Ver­hal­ten der Beklag­ten ist jedoch vom Kla­ge­an­trag nicht umfasst, der den Streit­ge­gen­stand auf ein Ver­bot der Wer­bung mit "Höchst­prei­sen für Ihren Schmuck" begrenzt, wenn tat­säch­lich kei­ne sol­chen Höchst­prei­se bezahlt wer­den.

Aus Grün­den pro­zes­sua­ler Fair­ness ist es nicht gebo­ten, der Klä­ge­rin durch Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Beru­fungs­ge­richt Gele­gen­heit zu geben, einen auch inso­weit sach­dien­li­chen Kla­ge­an­trag zu stel­len 2. Denn das Beru­fungs­ge­richt hat den zur Fra­ge der Markt­be­ob­ach­tung gehal­te­nen tat­säch­li­chen Vor­trag zu Recht nach § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO als ver­spä­tet zurück­ge­wie­sen. Die Aus­füh­run­gen der Klä­ge­rin zur Ver­kehrs­er­war­tung, dass eine Höchst­preis­be­rüh­mung nicht leicht­fer­tig, son­dern allein auf­grund einer Markt­be­ob­ach­tung auf­ge­stellt wer­de, sowie zum Feh­len einer sol­chen Markt­be­ob­ach­tung durch die Beklag­te im Streit­fall sind neu­er Tat­sa­chen­vor­trag. Die­ser wäre vom Beru­fungs­ge­richt vor­lie­gend nur dann zuzu­las­sen gewe­sen, wenn sei­ne feh­len­de Gel­tend­ma­chung im ers­ten Rechts­zug nicht auf einer Nach­läs­sig­keit der Klä­ge­rin beruht hät­te. Zwar gilt der Aus­schluss neu­er Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel im Beru­fungs­rechts­zug nicht für unstrei­ti­ge Tat­sa­chen, auch wenn sie im ers­ten Rechts­zug aus Nach­läs­sig­keit nicht gel­tend gemacht wor­den sind 3. Von der Beklag­ten nicht bestrit­ten wur­de aber allein das von der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­ne Ver­kehrs­ver­ständ­nis, dass eine Höchst­preis­be­haup­tung erst nach einer Markt­be­ob­ach­tung auf­ge­stellt wer­de. Die Behaup­tung der Klä­ge­rin, die Beklag­te habe tat­säch­lich kei­ne Markt­re­cher­che durch­ge­führt, hat die­se aber bestrit­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Juli 2014 – I ZR 84/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.12 1977 – I ZR 1/​76, GRUR 1978, 249, 250 = WRP 1978, 210 Kre­dit­ver­mitt­lung; Urteil vom 07.07.1983 – I ZR 119/​81, GRUR 1983, 779, 781 = WRP 1983, 675 Schuh­markt; Urteil vom 22.10.2009 – I ZR 73/​07, GRUR 2010, 352 Rn. 22 = WRP 2010, 636 Hier spie­gelt sich Erfah­rung[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.10.2011 – I ZR 54/​10, GRUR 2012, 405 Rn. 16 = WRP 2012, 461 Kre­dit­kon­trol­le; Urteil vom 08.03.2012 – I ZR 85/​10, GRUR 2012, 1153 Rn. 15 f. = WRP 2012, 1390 Unfal­l­ersatz­ge­schäft[]
  3. BGH, Urteil vom 20.05.2009 – VIII ZR 247/​06, NJW 2009, 2532 Rn. 15[]