Sport­wet­ten-Ban­den­wer­bung im Fuß­sta­di­on

Wegen Ban­den­wer­bung für die Fa. TIPICO kann der­zeit gegen den FC Frei­burg kein Zwangs­geld ver­hängt wer­den. Weil der SC Frei­burg beim ers­ten Heim­spiel der Hin­run­de der Bun­des­li­ga­sai­son 2011/​2012 auf einer Ban­de für „TIPICO Sport­wet­ten“ gewor­ben hat­te, setz­te das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he gegen den FC Frei­burg ein Zwangs­geld in Höhe von 15.000,– € fest und droh­te ein wei­te­res Zwangs­geld an. Hier­ge­gen rich­tet sich der Eil­an­trag des FC Frei­burg, dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg nun statt­gab.

Sport­wet­ten-Ban­den­wer­bung im Fuß­sta­di­on

Bereits mit Ver­fü­gung vom 10. August 2006 hat­te das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he dem SC Frei­burg jeg­li­che Wer­bung für die Fir­ma betand­win (bwin) oder für ande­re in Baden-Würt­tem­berg nicht zuge­las­se­ne Sport­wet­ten unter­sagt. Für den Fall der Zuwi­der­hand­lung wur­de ein Zwangs­geld i.H. von 15.000,– € ange­droht. Die dage­gen beim Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg erho­be­ne Kla­ge nahm der SC Frei­burg im Jahr 2007 zurück, nach­dem er die Wer­bung für bwin ein­ge­stellt hat­te. Im Janu­ar 2011 bean­trag­te er die Auf­he­bung der Unter­sa­gungs­ver­fü­gung vom 10. August 2006. Seit dem ers­ten Heim­spiel der Bun­des­li­garück­run­de 2010/​11 befin­den sich im Sta­di­on des SC Frei­burg an der Ban­de am Ran­de des Spiel­fel­des Schil­der mit der Auf­schrift „TIPICO Sport­wet­ten“. Nur zwei Tage nach dem ers­ten Heim­spiel der Bun­des­li­ga­hin­run­de 2011/​2012 lehn­te das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he den Antrag auf Auf­he­bung der Unter­sa­gungs­ver­fü­gung vom 10.08.2006 ab, setz­te das in die­ser Ver­fü­gung ange­droh­te Zwangs­geld i.H. von 15.000,– € fest und droh­te gleich­zei­tig ein wei­te­res Zwangs­geld i.H. von 40.000,– € an.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg ent­schied nun jedoch, das Zwangs­geld sei nicht inner­halb ange­mes­se­ner Frist nach sei­ner Andro­hung fest­ge­setzt wor­den und des­halb rechts­wid­rig. Der SC Frei­burg sei zuletzt Ende April 2011 durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he ange­hört wor­den. Er habe sich an den Minis­ter­prä­si­den­ten des Lan­des Baden-Würt­tem­berg mit der Bit­te gewandt, wei­ter für TIPICO Sport­wet­ten wer­ben zu dür­fen. Erst am 16. August 2011 und damit nach dem ers­ten Heim­spiel habe er ein ableh­nen­des Schrei­ben des Minis­ter­prä­si­den­ten erhal­ten. Er habe unter die­sen Umstän­den anneh­men kön­nen, das Zuwar­ten des Regie­rungs­prä­si­di­ums sei nicht nur auf die spiel­freie Zeit der Bun­des­li­ga in den Som­mer­mo­na­ten zurück­zu­füh­ren, es sol­le viel­mehr zunächst die Ent­schei­dung des Minis­ter­prä­si­den­ten abge­war­tet wer­den. Nach­dem der SC Frei­burg im Juli 2011seine Absicht bekräf­tigt habe, wei­ter für Sport­wet­ten wer­ben zu wol­len, hät­te das Regie­rungs­prä­si­di­um Anlass gehabt, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Wie­der­auf­nah­me der Sport­wet­ten­wer­bung für die Fir­ma TIPICO mit Beginn der neu­en Bun­des­li­ga­sai­son zur Fest­set­zung eines Zwangs­gel­des füh­ren wer­de. Das sei indes­sen nicht gesche­hen.

Die Zwangs­geld­fest­set­zung sei auch wegen Ver­sto­ßes gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG ermes­sens­feh­ler­haft. Das Regie­rungs­prä­si­di­um Kars­ru­he habe nach Ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom Sep­tem­ber 2010 die Tätig­keit der Sport­wet­ten­ver­mitt­ler vor­über­ge­hend gedul­det. Zwar sei es ca. ab Juni 2011 vor­über­ge­hend wie­der mit Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen gegen die Ver­mitt­ler von Sport­wet­ten vor­ge­gan­gen. Zur Voll­stre­ckung sei es aber nicht gekom­men, weil der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg den Eil­an­trä­gen der Sport­wet­ten­ver­mitt­ler wegen der Zwei­fel an der Wirk­sam­keit des staat­li­chen Sport­wet­ten­mo­no­pols aus­nahms­los statt­ge­ge­ben habe. Beim Gericht gin­gen kei­ne Eil­an­trä­ge von Sport­wet­ten­ver­mitt­lern mehr ein. Dar­aus sei zu schlie­ßen, dass das Regie­rungs­prä­si­di­um gegen deren Tätig­keit nicht mehr mit Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen ein­schrei­te. Unter dem Gesichts­punkt der Spiel- und Wett­sucht dürf­te die Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten aber deut­lich pro­ble­ma­ti­scher sein als die vom SC Frei­burg dafür betrie­be­ne Wer­bung. Denn wäh­rend die­se nur zu Sport­wet­ten moti­vie­ren soll, kom­me es bei den Sport­wet­ten­ver­mitt­lern zum Abschluss des Wett­ver­tra­ges und damit zur prak­ti­schen Betä­ti­gung der Spiel- und Wett­sucht. Kön­ne gegen­wär­tig aber die „gefähr­li­che­re“ Sport­wet­ten­ver­mitt­lung tat­säch­lich betrie­ben wer­den, so stel­le es eine gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen­de Ungleich­be­hand­lung dar, wenn das Land Baden-Würt­tem­berg nun­mehr das gegen den SC Frei­burg ver­häng­te Wer­be­ver­bot im Voll­stre­ckungs­we­ge durch­set­zen wol­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 1. Dezem­ber 2011 – 3 K 1643/​11