Straf­be­wehr­te Unter­las­sungs­er­klä­rung – und die Insol­venz­an­fech­tung

Unter­wirft sich der Ver­let­zer eines Mar­ken­rechts dem Anspruch des Ver­letz­ten durch die Abga­be einer straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­er­klä­rung, stellt weder die für den Fall einer Zuwi­der­hand­lung über­nom­me­ne Ver­pflich­tung zu einer Ver­trags­stra­fe noch deren Zah­lung eine unent­gelt­li­che Leis­tung des Ver­let­zers dar.

Straf­be­wehr­te Unter­las­sungs­er­klä­rung – und die Insol­venz­an­fech­tung

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint für einen sol­chen Fall die Vor­aus­set­zun­gen einer Schen­kungs­an­fech­tung nach § 134 Abs. 1 InsO:

Unter­wirft sich der Ver­let­zer eines Mar­ken­rechts dem Anspruch des Ver­letz­ten durch die Abga­be einer straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­er­klä­rung, stellt weder die für den Fall einer Zuwi­der­hand­lung über­nom­me­ne Ver­pflich­tung zu einer Ver­trags­stra­fe noch deren Zah­lung eine unent­gelt­li­che Leis­tung des Ver­let­zers dar. Der aus der Unter­wer­fungs­er­klä­rung Berech­tig­te erlangt zwar durch das Ver­trags­stra­fever­spre­chen einen Anspruch, der nicht bereits von Geset­zes wegen oder auf­grund einer gege­be­nen ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung des Schuld­ners bestand. Er ver­liert aber zugleich das Recht, sei­nen Anspruch auf Unter­las­sung (§ 14 Abs. 5 Mar­kenG) auf dem gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Weg durch­zu­set­zen, weil mit der Abga­be einer straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­er­klä­rung die aus einer Kenn­zei­chen­ver­let­zung fol­gen­de tat­säch­li­che Ver­mu­tung für das Vor­lie­gen einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr als einer mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­aus­set­zung eines Unter­las­sungs­an­spruchs ent­fällt 1. Dar­in liegt die aus­glei­chen­de Gegen­leis­tung des Berech­tig­ten, wel­che die Unent­gelt­lich­keit aus­schließt. Sein Rechts­ver­lust grün­det gera­de auf dem Ver­spre­chen einer Ver­trags­stra­fe. Denn die Ver­pflich­tung, im Fal­le einer Zuwi­der­hand­lung gegen die Unter­las­sungs­ver­pflich­tung eine Ver­trags­stra­fe zu zah­len, ist ein zwin­gen­der Bestand­teil der Unter­wer­fungs­er­klä­rung des Schuld­ners. Nur durch die Abga­be eines sol­chen Ver­trags­stra­fever­spre­chens kann er sei­nem ernst­li­chen Wil­len, die betref­fen­de Ver­let­zung nicht mehr zu bege­hen, Nach­druck ver­lei­hen und die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aus­räu­men. Die damit gege­be­ne Mög­lich­keit, einen auf­grund einer Ver­let­zungs­hand­lung bestehen­den Unter­las­sungs­an­spruch durch die Abga­be einer straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­er­klä­rung zu besei­ti­gen, ist ein im Wett­be­werbs­recht vom Gesetz­ge­ber aus­drück­lich zur Ver­fü­gung gestell­tes (§ 12 Abs. 1 UWG) und im Kenn­zei­chen­recht von der Recht­spre­chung seit lan­gem aner­kann­tes Instru­ment der Streit­bei­le­gung. Es beschränkt mit der vom Schuld­ner über­nom­me­nen Ver­pflich­tung auch die Rech­te des Gläu­bi­gers und stellt des­halb ein ent­gelt­li­ches Rechts­ge­schäft dar.

Eine ande­re Beur­tei­lung ist für den Bun­des­ge­richts­hof auch nicht des­halb gebo­ten, weil die Emp­fän­ge­rin des Ver­trags­stra­fever­spre­chens nicht selbst Inha­be­rin des Mar­ken­rechts, son­dern Lizenz­neh­me­rin ist. Zwar ste­hen die Ansprü­che aus der Ver­let­zung einer Mar­ke dem Inha­ber der Mar­ke zu (§ 14 Abs. 5 und 6 Mar­kenG) 2. Der Lizenz­neh­mer kann jedoch mit Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers des­sen Rech­te selbst ver­fol­gen (§ 30 Abs. 3 Mar­kenG) und jeden­falls dann, wenn der Mar­ken­in­ha­ber eine sol­che Zustim­mung nicht erteilt hat, von die­sem ver­lan­gen, gegen Mar­ken­ver­let­zun­gen ein­zu­schrei­ten 3. Mit­hin wird auch die Rechts­stel­lung des Lizenz­neh­mers durch eine ihm gegen­über abge­ge­be­ne straf­be­wehr­te Unter­las­sungs­er­klä­rung beschränkt.

Han­del­te es sich sonach bereits bei der straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­ver­pflich­tung des Schuld­ners um eine ent­gelt­li­che Leis­tung, gilt dies in glei­cher Wei­se für die auf die­ser Ver­pflich­tung beru­hen­de Zah­lung. Der zuvor zustan­de gekom­me­ne gericht­li­che Ver­gleich über die vom Schuld­ner zu leis­ten­de Zah­lung änder­te dar­an nichts 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. April 2015 – IX ZR 180/​13

  1. etwa BGH, Urteil vom 30.04.2009 – I ZR 42/​07, BGHZ 181, 77 Rn. 64; Ströbele/​Hacker, Mar­ken­ge­setz, 11. Aufl., § 14 Rn. 435; Ingerl/​Rohnke, Mar­kenG, 3. Aufl., vor §§ 1419d Rn. 86; Beck­OK-Mar­ken­recht/​Eckartt, 2014, § 14 Rn. 544 ff; jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.07.2007 – I ZR 93/​04, BGHZ 173, 269 Rn. 32; vom 15.03.2012 – I ZR 137/​10, GRUR 2012, 630 Rn. 49; Ingerl/​Rohnke, aaO, § 30 Rn. 95[]
  3. Ingerl/​Rohnke, aaO Rn. 58; Beck­OK-Mar­ken­rech­t/­Tax­het, 2014, § 30 Mar­kenG Rn. 105[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 09.11.2006 – IX ZR 285/​03, WM 2007, 708 Rn. 15 ff; vom 08.03.2012 – IX ZR 51/​11, WM 2012, 857 Rn. 35[]