Stra­fe für Kar­tell­be­tei­li­gung nich­tig

Eine Geld­bu­ße von 9,9 Mio. Euro ist vom Gericht der Euro­päi­schen Uni­on für nich­tig erklärt wor­den. Sie wur­de gegen Ara­go­ne­sas und Ura­li­ta wegen einer Betei­li­gung an einem Kar­tell auf dem Natri­um­chlorat­markt ver­hängt. Nach Auf­fas­sung des Gerichts hat die Kom­mis­si­on die Betei­li­gung von Ara­go­ne­sas an der Zuwi­der­hand­lung nur für ein Jahr statt für drei Jah­re hin­rei­chend nach­ge­wie­sen.

Stra­fe für Kar­tell­be­tei­li­gung nich­tig

Mit Ent­schei­dung vom 11. Juni 2008 1 ver­häng­te die Kom­mis­si­on gegen meh­re­re Unter­neh­men, dar­un­ter die spa­ni­schen Gesell­schaf­ten Ara­go­ne­sas und Ura­li­ta, Mut­ter­ge­sell­schaft von Ara­go­ne­sas im maß­geb­li­chen Zeit­raum, Sank­tio­nen wegen wett­be­werbs­wid­ri­gen Ver­hal­tens auf dem Markt für Natri­um­chlorat, das als Bleich­mit­tel für Papier ver­wen­det wird. Das Kar­tell habe u. a. Lie­fer­men­gen auf­ge­teilt, Prei­se fest­ge­setzt und sen­si­ble Geschäfts­in­for­ma­tio­nen aus­ge­tauscht. Ara­go­ne­sas habe vom 16. Dezem­ber 1996 bis 9. Febru­ar 2000 an dem Kar­tell mit­ge­wirkt. Gegen die bei­den Unter­neh­men wur­de gesamt­schuld­ne­risch eine Geld­bu­ße von 9,9 Mio. Euro ver­hängt.

Ara­go­ne­sas hat vor dem Gericht Kla­ge auf Nich­tig­erklä­rung der Ent­schei­dung erho­ben, soweit die­se sie betrifft, und wirft der Kom­mis­si­on u. a. vor, ihre Betei­li­gung an dem Kar­tell nicht recht­lich hin­rei­chend nach­ge­wie­sen zu haben. Auch die Mut­ter­ge­sell­schaft Ura­li­ta hat vor dem Gericht Kla­ge erho­ben. Sie wen­det sich dage­gen, dass ihr das Ver­hal­ten ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft Ara­go­ne­sas zuge­rech­net wur­de, hat aber die gegen die­se erho­be­nen Anschul­di­gun­gen nicht bestrit­ten.

Zu Ara­go­ne­sas stellt das Gericht fest, dass die von der Kom­mis­si­on in der Ent­schei­dung bei­gebrach­ten Beweis­mit­tel nicht ver­läss­lich und über­aus ver­ein­zelt und lücken­haft sind. Der geführ­te Nach­weis ist bei sei­ner Gesamt­wür­di­gung nicht hin­rei­chend genau und über­ein­stim­mend und lässt ins­be­son­de­re weder Koin­zi­den­zen noch Indi­zi­en erken­nen, um die fes­te Über­zeu­gung zu begrün­den, dass die Klä­ge­rin an der Zuwi­der­hand­lung wäh­rend des gesam­ten zugrun­de geleg­ten Zeit­raums, d. h. vom 16. Dezem­ber 1996 bis zum 9. Febru­ar 2000, betei­ligt war. Nur das Ein­ge­ständ­nis von Ara­go­ne­sas betref­fend ihre Teil­nah­me an der rechts­wid­ri­gen Zusam­men­kunft vom 28. Janu­ar 1998 sowie die Noti­zen und Erklä­run­gen der ande­ren Teil­neh­mer an die­ser Zusam­men­kunft stel­len hin­rei­chend ver­läss­li­che Bewei­se dar, die der Klä­ge­rin ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Das Gericht gelangt zu dem Ergeb­nis, dass die Kom­mis­si­on den Beweis für die Betei­li­gung von Ara­go­ne­sas an dem Kar­tell nur für das Kalen­der­jahr 1998 erbracht hat. Es erklärt daher die Ent­schei­dung teil­wei­se für nich­tig, soweit dar­in die Betei­li­gung von Ara­go­ne­sas an der Zuwi­der­hand­lung zum einen vom 16. Dezem­ber 1996 bis 27. Janu­ar 1998 und zum ande­ren vom 1. Janu­ar 1999 bis 9. Febru­ar 2000 fest­ge­stellt wur­de. Folg­lich hat die Kom­mis­si­on auch die Dau­er der frag­li­chen Zuwi­der­hand­lung feh­ler­haft berech­net. Das Gericht erklärt daher die Ent­schei­dung für nich­tig, soweit dar­in der von Ara­go­ne­sas und Ura­li­ta gesamt­schuld­ne­risch zu zah­len­de Betrag der Geld­Geld­bu­ße auf 9,9 Mio. Euro fest­ge­setzt wird.

Zu dem Vor­brin­gen von Ura­li­ta stellt das Gericht zunächst fest, dass das an der Zuwi­der­hand­lung betei­lig­te Unter­neh­men in einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit bestand, die von Ara­go­ne­sas und EIA, der 100 % der Antei­le von Ara­go­ne­sas gehör­ten, gebil­det wur­de. Ura­li­ta konn­te näm­lich nicht nach­wei­sen, dass Ara­go­ne­sas ihr Ver­hal­ten auf dem Natri­um­chlorat­markt gegen­über EIA eigen­stän­dig bestimm­te. Das Gericht gelangt daher zu dem Ergeb­nis, dass die Kom­mis­si­on die­se bei­den juris­ti­schen Per­so­nen zu Recht für das rechts­wid­ri­ge Ver­hal­ten von Ara­go­ne­sas in Haf­tung nahm. Sodann weist das Gericht dar­auf hin, dass Ura­li­ta nach dem gegen­über Ara­go­ne­sas zugrun­de geleg­ten Zeit­raum der Zuwi­der­hand­lung das gesam­te Ver­mö­gen von EIA über­nahm und die­se infol­ge­des­sen nicht mehr exis­tier­te. Das Gericht zieht dar­aus den Schluss, dass Ura­li­ta als Rechts­nach­fol­ge­rin von EIA für die Kon­ti­nui­tät von deren Rech­ten und Pflich­ten ein­steht und die Ver­ant­wor­tung für deren rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten bei der Bege­hung der frag­li­chen Zuwi­der­hand­lung trägt.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urtei­le vom 25. Okto­ber 2011 – T‑348/​08, Ara­go­ne­sas Indus­tri­as y Ener­gía, SAU /​Kom­mis­si­on; T‑349/​08, Ura­li­ta SA /​Kom­mis­si­on

  1. Ent­schei­dung C (2008) 2626 final der Kom­mis­si­on vom 11.06.2008 in einem Ver­fah­ren nach Art. 81, EG und Art. 53 des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum, Sache COMP/38.695 – Natri­um­chlorat []