Patent­nich­tig­keits­ver­fah­ren – und der Streit­wert

Der Streit­wert im Patent­nich­tig­keits­ver­fah­ren ist nach § 51 Abs. 1 GKG nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist dafür der gemei­ne Wert des Patents bei Erhe­bung der Kla­ge bzw. der Ein­le­gung der Beru­fung zuzüg­lich des Betrags der bis dahin ent­stan­de­nen Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen maß­geb­lich 1.

Patent­nich­tig­keits­ver­fah­ren – und der Streit­wert

Ist zu die­sem Zeit­punkt über die strei­ti­ge Höhe des wegen Ver­let­zung des Streit­pa­tents bereits ent­stan­de­nen Scha­dens noch kei­ne abschlie­ßen­de gericht­li­che Ent­schei­dung ergan­gen, ent­spricht es regel­mä­ßig bil­li­gem Ermes­sen, den bezif­fer­ten Betrag der Scha­dens­er­satz­for­de­rung in vol­ler Höhe in die Wert­be­stim­mung ein­zu­stel­len 2.

Man­gels sol­cher oder wei­te­rer Anhalts­punk­te legt der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung die (vor­läu­fi­ge) Streit­wert­fest­set­zung im Ver­let­zungs­ver­fah­ren zugrun­de. Die­se bezif­fert regel­mä­ßig das Inter­es­se des Nich­tig­keits­klä­gers an der erstreb­ten Ver­nich­tung des Streit­pa­tents, mit der der Patent­ver­let­zungs­kla­ge die Grund­la­ge ent­zo­gen wer­den soll.

Eine Streit­wert­fest­set­zung im Nich­tig­keits­ver­fah­ren unter­halb die­ses Betra­ges, der sich in der Regel unter dem Gesichts­punkt der Eigen­nut­zung des Streit­pa­tents durch den Patent­in­ha­ber um 25 erhöht, kommt daher grund­sätz­lich nicht in Betracht 3.

Der gemei­ne Wert des Streit­pa­tents rich­tet sich nach dem objek­ti­ven Inter­es­se an der Ver­nich­tung des Streit­pa­tents, mit dem zum Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung bzw. der Beru­fungs­ein­le­gung anhän­gi­gen Ver­let­zungs­ver­fah­ren die Grund­la­ge ent­zo­gen wer­den soll, und ist damit auch unab­hän­gig von dem end­gül­ti­gen Aus­gang die­ser Ver­fah­ren.

Der Streit­wert steht auch nicht zur Dis­po­si­ti­on des Nich­tig­keits­be­klag­ten (= Patent­in­ha­bers), wenn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die von den Ver­let­zungs­ge­rich­ten im Ver­let­zungs­ver­fah­ren (vor­läu­fig) fest­ge­setz­ten Streit­wer­te bei der Streit­wert­be­stim­mung im Nich­tig­keits­ver­fah­ren zugrun­de gelegt wer­den. Im Übri­gen steht es den Par­tei­en des Nich­tig­keits­ver­fah­rens frei, Umstän­de vor­zu­tra­gen, die es im Ein­zel­fall recht­fer­ti­gen, den Streit­wert im Nich­tig­keits­ver­fah­ren höher oder nied­ri­ger fest­zu­set­zen, als es die in den Ver­let­zungs­ver­fah­ren bestimm­ten Streit­wer­te zuzüg­lich eines regel­mä­ßi­gen Zuschlags von 25 % für die Eigen­nut­zung des Streit­pa­tents indi­zie­ren. Von einem Ver­stoß gegen Art. 3 und 19 Abs. 4 GG durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Streit­wert­be­stim­mung im Patent­nich­tig­keits­ver­fah­ren kann danach kei­ne Rede sein.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Febru­ar 2016 – X ZR 110/​13

  1. BGH, Beschluss vom 11.10.1956 – I ZR 28/​55, GRUR 1957, 79; Beschluss vom 07.11.2006 – X ZR 138/​04, GRUR 2007, 175 Sach­ver­stän­di­gen­ent­schä­di­gung IV; Beschluss vom 28.07.2009 – X ZR 153/​04, GRUR 2009, 1100 Druck­ma­schi­nen-Tem­pe­rie­rungs­sys­tem III[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.07.2009, aaO[]
  3. grund­le­gend: BGH, Beschluss vom 12.04.2011 – X ZR 28/​09, GRUR 2011, 757, Rn. 2 f. Nich­tig­keits­streit­wert[]