Strom­ver­brauch des Mie­ters – Kon­klu­den­ter Ver­trags­schluss mit dem Ver­mie­ter ?

Mit wem kommt ein Ver­trag durch die Ent­nah­me von Strom zustan­de kommt, wenn ein schrift­li­cher Lie­fer­ver­trag nicht abge­schlos­sen wor­den ist und das mit Ener­gie ver­sorg­te Grund­stück ver­mie­tet oder ver­pach­tet ist? Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun der Annah­me eines Ver­trags­schlus­ses mit dem Ver­mie­ter eine Absa­ge erteilt:

Strom­ver­brauch des Mie­ters – Kon­klu­den­ter Ver­trags­schluss mit dem Ver­mie­ter ?

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­lang­te die Klä­ge­rin, ein Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, von dem Beklag­ten als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer eine Ver­gü­tung für Strom­lie­fe­run­gen in Höhe von 32.539, 09 €. Der Beklag­te hat­te das ver­sorg­te Grund­stück im Janu­ar 2007 erwor­ben und drei Tage spä­ter an sei­nen Sohn ver­pach­tet. Nach dem Pacht­ver­trag war der Päch­ter ver­pflich­tet, die Strom­kos­ten auf­grund eines eige­nen Ver­trags mit dem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zu tra­gen.

Der Päch­ter ver­brauch­te erheb­li­che Men­gen an Strom, schloss jedoch kei­nen Strom­ver­sor­gungs­ver­trag ab und teil­te der Klä­ge­rin auch nicht mit, dass er Strom ver­brau­che. Das Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ließ mehr­fach auf dem Grund­stück den Strom­ver­brauch able­sen und schick­te die ent­spre­chen­den Rech­nun­gen zunächst an die frü­he­re Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin, die dem Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sodann jeweils mit­teil­te, dass sie mit dem Grund­be­sitz nichts mehr zu tun habe. Im Dezem­ber 2012 erstell­te die Klä­ge­rin gegen­über dem Beklag­ten als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer eine Rech­nung für den Zeit­raum vom 01.02.2008 bis zum 30.11.2010 in Höhe von 32.539, 09 €.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Kiel hat die auf Zah­lung die­ses Betra­ges gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen 1, das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­lan­des­ge­richt die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens zurück­ge­wie­sen 2. Und auch die – vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne – Revi­si­on der Klä­ge­rin bliebt ohne Erfolg.

Zwi­schen der Klä­ge­rin und dem Beklag­ten sei kein Ener­gie­ver­sor­gungs­ver­trag zustan­de gekom­men, befand der Bun­des­ge­richts­hof. Denn die Real­of­fer­te des Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens rich­tet sich typi­scher­wei­se an den­je­ni­gen, der die tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über den Ver­sor­gungs­an­schluss am Über­ga­be­punkt aus­übt. Da es nicht maß­geb­lich auf die Eigen­tü­merstel­lung selbst, son­dern auf die hier­durch ver­mit­tel­te Ver­fü­gungs­ge­walt über den Ver­sor­gungs­an­schluss am Über­ga­be­punkt ankommt, ist im Streit­fall der Päch­ter des Grund­stücks als Adres­sat des Ver­trags­an­ge­bots anzu­se­hen, nicht der beklag­te Eigen­tü­mer. Indem der Päch­ter Strom ver­brauch­te, nahm er aus objek­ti­ver Sicht des Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens die an ihn gerich­te­te Real­of­fer­te kon­klu­dent an.

Die von der Klä­ge­rin behaup­te­te, ganz gering­fü­gi­ge Ener­gie­ent­nah­me durch den Beklag­ten in dem kur­zen Zeit­raum von weni­gen Tagen zwi­schen Eigen­tums­er­werb des Beklag­ten und Über­ga­be des Grund­stücks an den Päch­ter führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung. Unter Berück­sich­ti­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen an sta­bi­len Ver­trags­be­zie­hun­gen, deren Par­tei­en mit ange­mes­se­nem Auf­wand zu ermit­teln sind, sind der­ar­ti­ge kurz­fris­ti­ge und gering­fü­gi­ge Ener­gie­ent­nah­men bei der Fest­stel­lung der Ver­trags­par­tei­en zu ver­nach­läs­si­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Juli 2014 – – VIII ZR 316/​13

  1. G Kiel, Urteil vom 13.02.2013 – 2 O 185/​12[]
  2. OLG Schles­wig, Urteil vom 04.10.2013 – 7 U 46/​13[]