Tabak­wer­be­ver­bot auch für Image­wer­bung

Das Ver­bot, für Tabak­erzeug­nis­se in der Pres­se zu wer­ben, gilt nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs auch für Anzei­gen, in denen sich ein Ziga­ret­ten­her­stel­ler unter Bezug­nah­me auf sei­ne Pro­duk­te als ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Unter­neh­men dar­stellt, ohne direkt für den Absatz sei­ner Pro­duk­te zu wer­ben.

Tabak­wer­be­ver­bot auch für Image­wer­bung

Die Beklag­te des jetzt vom Bun­des­ge­richts­hofs ent­schie­de­nen Ver­fah­rens ist ein Unter­neh­men, das ver­schie­de­ne Tabak­erzeug­nis­se in Deutsch­land ver­treibt. Sie ver­öf­fent­lich­te im „Vor­wärts“ eine Anzei­ge mit der groß her­aus­ge­stell­ten Über­schrift „Unser wich­tigs­tes Ciga­ret­ten­pa­pier“ und dem fol­gen­den Text:

„Bestel­len Sie unse­ren Social Report. Immer noch gibt es Unter­neh­men, die unre­flek­tiert Augen­wi­sche­rei betrei­ben und die Din­ge nicht so sehen wol­len, wie sie sind. BAT stellt sich nicht nur den kri­ti­schen Fra­gen, son­dern beweist Enga­ge­ment mit viel­fäl­ti­gen Taten. Wie wir uns kon­kret mit der Pro­ble­ma­tik des Ciga­ret­ten­kon­sums aus­ein­an­der set­zen, kön­nen Sie jetzt im aktu­el­len Social Report nach­le­sen. Sie fin­den ihn auf unse­rer Home­page www. … oder Sie for­dern eine kos­ten­lo­se Print­aus­ga­be an unter Fax …“

Unter die­sem Text waren klein­ge­druckt die von der Beklag­ten in Deutsch­land ver­trie­be­nen Ziga­ret­ten­mar­ken auf­ge­führt.

Der kla­gen­de Ver­brau­cher­ver­band bean­stan­de­te die­se Anzei­ge als Ver­stoß gegen das gesetz­li­che Ver­bot, für Tabak­erzeug­nis­se in der Pres­se zu wer­ben. Das erst­in­stanz­lich mit der Unter­las­sungs­kla­ge befass­te Land­ge­richt Ham­burg hat die Kla­ge abge­wie­sen [1], auf die Beru­fung des Klä­gers hat ihr sodann das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg statt­ge­ge­ben [2]

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg bestä­tigt. Mit der Anzei­ge wird­nicht nur für das Unter­neh­men, son­dern auch für sei­ne Tabak­erzeug­nis­se gewor­ben, ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof. Die Beklag­te stellt sich in der Anzei­ge als ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Unter­neh­men dar, das sich enga­giert durch viel­fäl­ti­ge Taten mit der Pro­ble­ma­tik des Ziga­ret­ten­kon­sums aus­ein­an­der­setzt. Die Leser der Anzei­ge wer­den eher die Pro­duk­te eines sol­chen Unter­neh­mens kau­fen als die eines Wett­be­wer­bers, der sich über die Gefah­ren des Rau­chens kei­ne Gedan­ken macht. Jeden­falls durch die Nen­nung der Ziga­ret­ten­mar­ken am Ende der Anzei­ge kann der Leser die ange­prie­se­nen Vor­zü­ge auch kon­kret mit Pro­duk­ten in Ver­bin­dung brin­gen, die er kau­fen kann. Damit ist zumin­dest eine indi­rek­te Wer­be­wir­kung gege­ben, die für die Anwend­bar­keit des Tabak­wer­be­ver­bots aus­reicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Novem­ber 2010 – I ZR 137/​09 [„Unser wich­tigs­tes Ciga­ret­ten­pa­pier“]

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 14.12.2007 – 406 O 175/​07[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 19.08.2009 – 5 U 11/​08, GRUR-RR 2010, 253[]