"Take That" und der gewerb­li­che Zweit­markt für Online-Tickets

Das Land­ge­richt Ham­burg hat es einem Online-Ticket­por­tal ver­bo­ten, den gewerb­li­chen Wei­ter­ver­kauf per­so­na­li­sier­ter Online-Tickets für die „Take That“-Tournee 2011 in Deutsch­land zu ermög­li­chen.

<span class="dquo">"</span>Take That" und der gewerb­li­che Zweit­markt für Online-Tickets

[adro­ta­te banner="156"]Die Antrag­stel­le­rin ist eine Kon­zert­agen­tur und ver­an­stal­tet die im Rah­men der „Take That“ "Reunion"-Tour 2011 in Deutsch­land statt­fin­den­den drei Kon­zer­te der Band in Ham­burg, Düs­sel­dorf und Mün­chen. Für die Kon­zer­te in Ham­burg und Düs­sel­dorf wer­den aus­schließ­lich soge­nann­te Online-Tickets zu Prei­sen von bis zu 100,– € ver­kauft. Bei die­sen Tickets han­delt es sich um per­so­na­li­sier­te Tickets, das heißt, der Name des Käu­fers ist auf der Ein­tritts­kar­te ver­merkt und nur die auf dem Ticket genann­te Per­son ist auch ein­tritts­be­rech­tigt. Beim Online-Erwerb des Tickets muss der Käu­fer akzep­tie­ren, dass ein gewerb­li­cher Wei­ter­ver­kauf der Kar­te ohne Zustim­mung der Ver­an­stal­te­rin unzu­läs­sig ist.

Die Antrags­geg­ne­rin betreibt ein Online-Ticket­por­tal. Regis­trier­te Nut­zer kön­nen in die­sem Por­tal Ein­tritts­kar­ten für Musik- und Sport­ver­an­stal­tun­gen an- und ver­kau­fen. Die Antrags­geg­ne­rin kauft und ver­kauft nicht selbst, son­dern ver­mit­telt gegen eine Gebühr ledig­lich die Geschäf­te ihrer Nut­zer.

Nach Beginn des Vor­ver­kaufs wur­den auf der Platt­form der Antrags­geg­ne­rin zahl­rei­che per­so­na­li­sier­te „Take That“-Online-Tickets von gewerb­li­chen Ticket­groß­händ­lern ange­bo­ten, die damit gegen das ver­trag­li­che Ver­bot des Wei­ter­ver­kaufs ver­stie­ßen. Kun­den, die die­se Tickets zu deut­lich höhe­ren als den von der Antrag­stel­le­rin gefor­der­ten Ori­gi­nal­prei­sen erwar­ben, waren anschlie­ßend wegen der auf den Kar­ten ver­merk­ten Namen ver­un­si­chert. Ihnen teil­te die Antrags­geg­ne­rin mit, die Per­so­na­li­sie­rung füh­re nach ihrer Erfah­rung nicht zu Pro­ble­men, da die Namen bei der­ar­ti­gen Events nicht über­prüft wür­den. Die Gül­tig­keit der Tickets wer­de zu 100% garan­tiert.

Das Ver­hal­ten der Antrags­geg­ne­rin ver­stößt nach der Auf­fas­sung des Land­ge­richts Ham­burg gegen das Wett­be­werbs­recht. Die Antrags­geg­ne­rin habe es trotz Kennt­nis der wett­be­werbs­wid­ri­gen Ver­kaufs­an­ge­bo­te der Ticket­händ­ler unter­las­sen, hier­ge­gen vor­zu­ge­hen, obwohl sie dazu ver­pflich­tet gewe­sen sei. So hät­te die Antrags­geg­ne­rin die ihr bereits bekann­ten wett­be­werbs­wid­ri­gen Ange­bo­te sper­ren und zudem Kon­troll­maß­nah­men ein­füh­ren müs­sen. Ihren Kun­den hät­te sie deut­lich machen müs­sen, dass die Tickets bei einem Ver­stoß gegen das Wei­ter­ver­äu­ße­rungs­ver­bot gera­de nicht gül­tig sind.

Nicht gefolgt ist das Land­ge­richt dage­gen der Argu­men­ta­ti­on der Antrags­geg­ne­rin, das Ver­bot des gewerb­li­chen Zweit­markts sei unwirk­sam, weil es die Erst­erwer­ber unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge. Hier­zu heißt es in der Urteils­be­grün­dung, die berech­tig­ten Belan­ge der Antrag­stel­le­rin, den Wei­ter­ver­kauf zu beschrän­ken, über­wö­gen das Inter­es­se der Kar­ten­er­wer­ber an einem frei­en gewerb­li­chen Ticket­han­del. Die Antrag­stel­le­rin habe ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, den gewerb­li­chen Wei­ter­ver­kauf der Tickets zu begren­zen, um über­höh­te Prei­se zu ver­mei­den. In die Preis­bil­dung fän­den nicht allein Gewinn­erzie­lungs­in­ter­es­sen Ein­gang, son­dern auch das Inter­es­se des Künst­lers, vie­len Fans sei­ne Musik zu ver­tret­ba­ren Prei­sen näher­zu­brin­gen. Es bestehe damit auch ein berech­tig­tes Inter­es­se, dass die ver­gleichs­wei­se güns­ti­gen Online-Tickets nicht in gro­ßem Umfang von Zweit­händ­lern auf­ge­kauft und zu deut­lich höhe­ren Prei­sen wei­ter­ver­kauft wer­den.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 9. März 2011 – 315 O 489/​10