Tei­lung einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit

Die Tei­lung einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit kann in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wer­den, wenn der abzu­schrei­ben­de Teil der Gerech­tig­keit durch einen Mark­schei­der in einem Lage­riss, der die bei der Bestel­lung der Gerech­tig­keit maß­geb­li­che Flur­kar­te fort­schreibt und zur Über­nah­me in Berecht­sams­buch und ‑kar­te gemäß § 75 BBergG geeig­net ist, dar­ge­stellt und mit einer beson­de­ren Num­mer bezeich­net wird.

Tei­lung einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit

Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten kön­nen zwar seit dem Inkraft­tre­ten des Bun­des­berg­ge­set­zes am 1. Janu­ar 1982 nicht mehr bestellt wer­den. Nach § 149 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 BBergG blei­ben aber Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten, die nach dem Lan­des­berg­recht zu die­sem Zeit­punkt wirk­sam bestellt wor­den waren, unein­ge­schränkt bestehen, wenn sie von der zustän­di­gen Berg­be­hör­de bestä­tigt wer­den.

Zu die­sen Rech­ten gehö­ren auch die Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten, die vor dem 1. Janu­ar 1982 nach § 2 des in Nie­der­sach­sen fort­gel­ten­den ehe­mals preu­ßi­schen Geset­zes über die Bestel­lung von Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten in der Pro­vinz Han­no­ver vom 4. August 1904 1 (Salz­ab­bau­GerG) in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den sind.

Ob die erfor­der­li­che Bestä­ti­gung für alle Gerech­tig­kei­ten der Betei­lig­ten erteilt wor­den ist, ist bis­lang nicht fest­ge­stellt, aber für das vor­lie­gen­de Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren zuguns­ten der Betei­lig­ten zu unter­stel­len, zumal die Behör­de zur Ertei­lung der Bestä­ti­gung nach § 149 Abs. 4 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Buch­sta­be a und Abs. 2a BBergG wegen der Ein­tra­gung der Gerech­tig­kei­ten in das Grund­buch 2 ver­pflich­tet ist.

Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten kön­nen mate­ri­ell-recht­lich geteilt wer­den, die Tei­lung einer Gerech­tig­keit ist erst mit der Ein­tra­gung in das Grund­buch wirk­sam.

Nach § 2 Salz­ab­bau­GerG begrün­de­te Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten kön­nen wie Grund­stü­cke geteilt wer­den. Sie gel­ten nach § 156 Abs. 1 BBergG mit ihrem bis­he­ri­gen Inhalt fort. Nach dem danach maß­geb­li­chen § 3 Abs. 1 Salz­ab­bau­GerG gel­ten für sie "die sich auf Grund­stü­cke bezie­hen­den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs, soweit nichts ande­res bestimmt ist". Dazu gehö­ren man­gels abwei­chen­der Rege­lung in dem genann­ten Gesetz auch die Vor­schrif­ten der §§ 903 und 873 BGB. Die erst­ge­nann­te Vor­schrift ver­mit­telt dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer die Befug­nis, sein Grund­stück real zu tei­len 3. Aus der zwei­ten folgt, dass die Tei­lung als Ver­fü­gung über das Grund­stück erst mit der Ein­tra­gung in das Grund­buch wirk­sam wird. Bei­des gilt auch für Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten nach frü­he­rem nie­der­säch­si­schem Lan­des­recht.

Die Ein­tra­gung der Tei­lung einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit in das Grund­buch setzt vor­aus, dass der abzu­schrei­ben­de Teil in einem Ver­zeich­nis dar­ge­stellt und mit einer beson­de­ren Num­mer ver­se­hen sein muss. Die Not­wen­dig­keit einer sol­chen Dar­stel­lung ergibt sich aus der Rege­lung in § 2 Abs. 3 GBO, die nach Art.20a Abs. 1 Nds. FGG im Land Nie­der­sach­sen auf alt­recht­li­che Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten anzu­wen­den ist. Die­ses Erfor­der­nis soll die Ein­hal­tung von zwei wesent­li­chen sachen- und grund­buch­recht­li­chen Prin­zi­pi­en sicher­stel­len, die auch für Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten gel­ten: den Bestimmt­heits­grund­satz und das Ver­bot der Dop­pel­bu­chung. Die Tei­lung eines Grund­stücks lässt sich im Grund­buch erst voll­zie­hen, wenn der abzu­schrei­ben­de Teil aus dem Katas­ter ersicht­lich ist 4. Erst dann ist aus­zu­schlie­ßen, dass eine Flä­che in meh­re­ren Grund­buch­blät­tern gebucht wird. Bei­den Erfor­der­nis­sen muss auch bei der Tei­lung einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit Rech­nung getra­gen wer­den.

Der abzu­schrei­ben­de Teil einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit kann vor­lie­gend aber weder in dem aktu­el­len noch in dem bei der Bestel­lung der Gerech­tig­keit maß­geb­li­chen Lie­gen­schafts­ka­tas­ter, son­dern in dem für die Ein­tra­gung der Tei­lung in Berecht­sams­buch und ‑kar­te gemäß § 75 BBergG erfor­der­li­chen Lage­riss, der die frü­he­re Flur­kar­te fort­schreibt, nach­ge­wie­sen wer­den.

§ 2 Abs. 3 GBO ist nach Art.20a Abs. 1 Nds. FGG auf Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten "ent­spre­chend" anwend­bar. Mit die­ser For­mu­lie­rung trägt der Gesetz­ge­ber dem Umstand Rech­nung, dass sich die auf die Ver­hält­nis­se bei Grund­stü­cken zuge­schnit­te­nen Vor­schrif­ten der Grund­buch­ord­nung nicht unein­ge­schränkt auf sol­che Gerech­tig­kei­ten über­tra­gen las­sen. Bei der Anwen­dung der Vor­schrif­ten der Grund­buch­ord­nung ist des­halb den Beson­der­hei­ten die­ser Rech­te Rech­nung zu tra­gen 5. Die Wirk­sam­keit von Ver­fü­gun­gen über Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten hängt wegen der mit § 3 Abs. 1 Salz­ab­bau­GerG ange­ord­ne­ten Anwen­dung des Grund­stücks­rechts des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs und damit auch der Vor­schrift des § 873 BGB von der Ein­tra­gung in das Grund­buch ab. Die Ein­tra­gung soll durch die Anwen­dung der Vor­schrif­ten der Grund­buch­ord­nung ermög­licht wer­den. Die­ses Ziel ist aber nur zu errei­chen, wenn die for­ma­len Anfor­de­run­gen an die Vor­nah­me einer Ein­tra­gung auch erfüll­bar sind. Das ent­spricht auch der die­nen­den Funk­ti­on des Grund­buch­rechts, das recht­lich mög­li­che Ver­fü­gun­gen über Grund­stücks ermög­li­chen und nicht ver­hin­dern soll 6.

Im Rah­men einer so ver­stan­de­nen ent­spre­chen­den Anwen­dung ist unter dem amt­li­chen Ver­zeich­nis in § 2 Abs. 3 GBO weder das aktu­el­le noch das bei der Bestel­lung der Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit maß­geb­li­che amt­li­che Ver­zeich­nis der Grund­stü­cke zu ver­ste­hen. Sol­che Gerech­tig­kei­ten kön­nen weder in das eine noch in das ande­re Ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen wer­den, weil sie kei­ne Grund­stü­cke sind. Sie konn­ten zwar nur von dem Eigen­tü­mer eines Grund­stücks bestellt wer­den. Die Bestel­lung führ­te aber nach § 1 Salz­ab­bau­GerG dazu, dass das Salz­ge­win­nungs­recht von dem Grund­stücks­ei­gen­tum abge­trennt und zu einer eigen­stän­di­gen Gerech­tig­keit ver­selb­stän­digt wur­de 7. Die­se Gerech­tig­keit ist selbst weder ein Grund­stück noch ein beschränk­tes ding­li­ches Recht an einem Grund­stück. Sie ist ein grund­stücks­glei­ches Recht, das mit sei­ner Ein­tra­gung in das Grund­buch von dem wei­te­ren recht­li­chen Schick­sal des Grund­stücks, ja selbst von sei­nem Bestand unab­hän­gig ist.

Unter dem in § 2 Abs. 3 GBO ange­spro­che­nen amt­li­chen Ver­zeich­nis ist bei einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit des­halb der für die Ein­tra­gung der Tei­lung in Berecht­sams­buch und kar­te gemäß § 75 Abs. 2 und Abs. 3 Nr. 2 BBergG erfor­der­li­che Lage­riss zu ver­ste­hen.

Als funk­tio­nel­les Äqui­va­lent zum amt­li­chen Ver­zeich­nis der Grund­stü­cke schei­den bei einer alt­recht­li­chen Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit das Berecht­sams­buch und die Berecht­sams­kar­te aus. In die­se sind zwar nach § 75 Abs. 2 und 3 BBergG auch sol­che alt­recht­li­chen Gerech­tig­kei­ten und ihre Tei­lung ein­zu­tra­gen. Die Tei­lung einer Gerech­tig­keit kann dort aber erst ein­ge­tra­gen wer­den, wenn sie recht­lich wirk­sam gewor­den ist. Die Vor­schrift des § 2 Abs. 3 GBO setzt jedoch ein Ver­zeich­nis vor­aus, in wel­chem ein grund­stücks­glei­ches Recht wie ein im Lie­gen­schafts­ka­tas­ter ver­zeich­ne­tes Grund­stück katas­ter­tech­nisch zer­legt wer­den kann, bevor die Tei­lung recht­lich wirk­sam wird.

Die­se Funk­ti­on erfüllt bei dem Berg­werks­ei­gen­tum, für das Art.20a Abs. 1 Nds. FGG die glei­che Ver­wei­sung auf die Grund­buch­ord­nung und damit auch auf § 2 Abs. 3 GBO vor­sieht, der Lage­riss eines Mark­schei­ders, in wel­chem die Tei­lung eines Berg­werks­ei­gen­tums nach §§ 28, 25, 64 BBergG nach­zu­wei­sen ist. Die Tei­lung einer Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit muss in einem ähn­li­chen Riss­werk nach­ge­wie­sen wer­den, weil sie in die Berecht­sams­kar­te zu über­neh­men ist. Grund­la­ge die­ses Riss­werks ist nach § 2 Abs. 2 Nds. GBFV das Grund­stück, für das die Salz­ab­bau­ge­rech­tig­keit bestellt wur­de, mit den Anga­ben aus dem Lie­gen­schafts­ka­tas­ter, die bei Bestel­lung der Gerech­tig­keit im (Grundstücks-)Grundbuch ein­ge­tra­gen waren. Ein das sei­ner­zeit maß­geb­li­che Lie­gen­schafts­ka­tas­ter fort­schrei­ben­des Riss­werk eines Mark­schei­ders ent­spricht des­halb funk­tio­nell dem amt­li­chen Ver­zeich­nis der Grund­stü­cke. In die­sem Sin­ne ist § 2 Abs. 3 GBO bei ent­spre­chen­der Anwen­dung auf Salz­ab­bau­ge­rech­tig­kei­ten zu ver­ste­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2012 – V ZB 49/​12

  1. Nds. GVBl. Sam­mel­band III S. 359[]
  2. vgl. dazu OLG Cel­le, Nds­Rpfle­ge 1980, 197, 198[]
  3. RG, LZ 1927, 630; OLG Hamm, NJW 1974, 865, 866; NKBGB/​Krause, 3. Aufl., § 890 Rn. 32[]
  4. BGH, Urteil vom 18.01.2008 – V ZR 174/​06, NJW 2008, 1658, 1659 Rn. 15[]
  5. vgl. KG, KGJ 51, 228, 230 für Erb­bau­recht[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2008 – V ZR 63/​07, NJW 2008, 1378, 1379 und Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102, 109 f. Rn. 13; Lei­pold, FS Cana­ris [2007] S. 221, 230 f.; Krü­ger, AcP 208 [2008] S. 699, 711 f.[]
  7. Haas, Nds­Rpfle­ge 1982, 105, 106[]