Teil­ver­zicht auf eine Mar­ke

Nach der Bestim­mung des § 48 Abs. 1 Mar­kenG wird die Ein­tra­gung der Mar­ke auf Antrag ihres Inha­bers jeder­zeit für alle oder für einen Teil der Waren oder Dienst­leis­tun­gen, für die sie ein­ge­tra­gen ist, im Regis­ter gelöscht. Infol­ge eines vom Mar­ken­in­ha­ber aus­ge­spro­che­nen Ver­zichts erlö­schen die Rech­te an der Mar­ke für die­je­ni­gen Waren und Dienst­leis­tun­gen, auf die sich der Ver­zicht bezieht [1]. Eine wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kung des Mar­ken­schut­zes nach § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG für die Waren und Dienst­leis­tun­gen, die im Regis­ter ver­blei­ben, tritt dage­gen nicht ein.

Teil­ver­zicht auf eine Mar­ke

Für den Schutz­um­fang der Kla­ge­mar­ke ist es ohne Bedeu­tung, ob sie von Anfang an nur für „Fil­ter­kar­tu­schen mit Ionen­aus­tau­schern und/​oder Adsorp­ti­ons­mit­teln“ ange­mel­det war oder ob sie ursprüng­lich für wei­te­re Waren ange­mel­det und ein­ge­tra­gen war und die Klä­ge­rin nach­träg­lich eine Beschrän­kung des Waren­ver­zeich­nis­ses durch einen Teil­ver­zicht vor­ge­nom­men hat. An die­sen schon unter Gel­tung des Waren­zei­chen­ge­set­zes maß­geb­li­chen Maß­stä­ben für die Bestim­mung des Schutz­um­fangs einer Mar­ke [2] hat sich durch das Mar­ken­ge­setz nichts geän­dert [3]. Es kommt daher für den Schutz­um­fang der Kla­ge­mar­ke nach § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG auch nicht dar­auf an, wel­che Ver­pflich­tun­gen die Klä­ge­rin im Ver­hält­nis zur F. GmbH in der Vor- rechts­ver­ein­ba­rung über­nom­men hat. Die­se begrün­det Rech­te und Pflich­ten nur zwi­schen den ver­trags­schlie­ßen­den Par­tei­en und schränkt den Schutz aus § 14 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG im Ver­hält­nis zu Drit­ten nicht ein.

Etwas ande­res ergibt sich ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on auch nicht aus der Publi­zi­täts­funk­ti­on des Mar­ken­re­gis­ters. In das Regis­ter ist der teil­wei­se Ver­zicht auf bestimm­te Waren ein­ge­tra­gen. Dar­aus kann der Ver­kehr nur den Schluss zie­hen, dass im Umfang der Löschung der Mar­ke kein aus­schließ­li­ches Recht des Mar­ken­in­ha­bers mehr besteht. Rück­schlüs­se auf den Umfang des Schut­zes der Mar­ke für die­je­ni­gen Waren und Dienst­leis­tun­gen, für die die Mar­ke ein­ge­tra­gen bleibt, las­sen sich aus der Teil­lö­schung grund­sätz­lich nicht zie­hen. Die Grün­de, die den Mar­ken­in­ha­ber zu einem teil­wei­sen Ver­zicht auf die Mar­ke ver­an­lasst haben, sind dem Mar­ken­re­gis­ter nicht zu ent­neh­men. Wür­de beim Mar­ken­schutz danach unter­schie­den, ob das Warenund Dienst­leis­tungs­ver­zeich­nis von Anfang an oder erst durch eine Teil­lö­schung auf den für den Schutz­um­fang maß­geb­li­chen Regis­ter­stand beschränkt wor­den ist, wür­de dies zu einer für die Pra­xis unan­ge­mes­se­nen Rechts­un­si­cher­heit über den Umfang des Mar­ken­schut­zes füh­ren [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Febru­ar 2013 – I ZR 118/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.10.2000 – I ZB 62/​98, GRUR 2001, 337, 339 = WRP 2001, 408 EASYPRESS; Beschluss vom 09.09.2010 – I ZB 81/​09, GRUR 2011, 654 Rn. 14 = WRP 2011, 753 Yoghurt-Gums[]
  2. vgl. RGZ 122, 207, 209 Berg­männ­le; BGH, Urteil vom 17.11.1960 – I ZR 110/​59, BGHZ 34, 1, 6 Mon Ché­ri[]
  3. vgl. OLG Frank­furt, GRURRR 2002, 188, 189; Ingerl/​Rohnke, Mar­ken­ge­setz, 3. Aufl., § 14 Rn. 694; Hacker in Ströbele/​Hacker, Mar­ken­ge­setz, 10. Aufl., § 9 Rn. 78[]
  4. vgl. hier­zu auch EuGH, Urteil vom 12.02.2004 C363/​99, Slg. 2004, I1619 = GRUR 2004, 674 Rn. 114 f. Post­kan­toor[]