Tele­fo­nie­ren im Euro-Tarif

Pünkt­lich zum Beginn der Som­mer­rei­se­zeit am 1. Juli 2009 fal­len die Tari­fe für Mobil­funk­ge­sprä­che im EU-Aus­land. Nach­dem bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­grund der "Roa­ming-Ver­ord­nung" die Prei­se schritt­wei­se abge­senkt wor­den waren, einig­ten sich die EU-Mit­glied­staa­ten Anfang Juni 2009 auf eine Ver­län­ge­rung bzw. Aus­wei­tung der bestehen­den Rege­lung. Neben der erneu­ten Absen­kung der Minu­ten­prei­se im "Euro­ta­rif" wer­den damit erst­mals auch Ober­gren­zen für den SMS-Ver­sand fest­ge­legt sowie die Vor­leis­tungs­ent­gel­te für Daten­roa­ming begrenzt. Dar­über hin­aus wer­den die bestehen­den Trans­pa­renz­ver­pflich­tun­gen aus­ge­baut. Die EU-Ver­ord­nung ist bis zum 30. Juni 2012 befris­tet.

Tele­fo­nie­ren im Euro-Tarif

Die neu­en Tarif-Ober­gren­zen gel­ten aller­dings nur für die grenz­über­schrei­ten­de Mobil­te­le­fo­nie inner­halb der EU. Sie gilt nicht für Tele­fo­na­te inner­halb Deutsch­land. Und auch für Tele­fo­na­te aus Län­dern, die nicht der EU ange­hö­ren, gel­ten die­se Ober­gren­zen nicht. Tele­fo­na­te von der kroa­ti­schen Küs­te kön­nen damit wei­ter­hin teue­rer wer­den, eben­so z.B. Tele­fo­na­te aus der Tür­kei.

Wer mit sei­nem Han­dy im EU-Aus­land tele­fo­niert, zahlt im "Euro­ta­rif" ab dem 1. Juli 2009 für abge­hen­de Anru­fe höchs­tens 43 Cent pro Minu­te (zzgl. Mehr­wert­steu­er); bei ein­ge­hen­den Anru­fen dür­fen nicht mehr als 19 Cent pro Minu­te (zzgl. Mehr­wert­steu­er) abge­rech­net wer­den. Dies bedeu­tet eine Absen­kung der seit Ende August 2008 gel­ten­den Ober­gren­zen um jeweils 3 Cent pro Minu­te.

Die­se Preis­ober­gren­zen wer­den in den kom­men­den zwei Jah­ren wei­ter fal­len. Im Som­mer 2010 sin­ken sie auf 39 Cent pro Minu­te für abge­hen­de bzw. 15 Cent pro Minu­te für ein­ge­hen­de Anru­fe (jeweils zzgl. Mehr­wert­steu­er). Eine wei­te­re Redu­zie­rung wird im Som­mer 2011 statt­fin­den. Der Minu­ten­preis für abge­hen­de Anru­fe sinkt dann auf 35 Cent bzw. für ein­ge­hen­de Anru­fe auf 11 Cent pro Minu­te (jeweils zzgl. Mehr­wert­steu­er).

Erst­ma­lig wer­den auch die Prei­se für den SMS-Ver­sand im EU-Aus­land begrenzt. Sie dür­fen nun einen Betrag von 11 Cent (zzgl. Mehr­wert­steu­er) nicht über­schrei­ten. Beim Emp­fang von SMS gibt es kei­ne Ände­run­gen; die­ser bleibt, wie auch im Inland, kos­ten­frei.

Eben­falls neu ist die Begren­zung der Vor­leis­tungs­ent­gel­te für den Inter­net­zu­gang über Mobil­funk­net­ze im EU-Aus­land. Dies sind Ent­gel­te, die sich die Anbie­ter gegen­sei­tig in Rech­nung stel­len. Weil hier­für eine Ober­gren­ze von einem Euro pro Mega­byte ein­ge­führt wird, gibt es für die Anbie­ter auch auf der End­kun­den­ebe­ne Spiel­raum für Preis­sen­kun­gen. Die Ober­gren­ze wird schritt­wei­se auf 80 Cent pro Mega­byte im Jahr 2010 und 50 Cent pro Mega­byte im Jahr 2011 abge­senkt.

Ab März 2010 müs­sen Mobil­funk­an­bie­ter ihren Kun­den zudem anbie­ten, Roa­ming-Daten­ver­bin­dun­gen ab einem bestimm­ten monat­li­chen Betrag unter­bre­chen zu las­sen, um all­zu hohe Rech­nun­gen zu ver­mei­den. Dabei sind ver­schie­de­ne Ober­gren­zen mög­lich, wobei auf jeden Fall eine Ober­gren­ze in Höhe von 50 Euro (zzgl. Mehr­wert­steu­er) im Ange­bot sein muss. Ab Juli 2010 gilt die­ses Limit auto­ma­tisch für alle Kun­den, die sich nicht für eine ande­re oder gene­rell gegen eine Ober­gren­ze ent­schie­den haben.

Bereits heu­te erhal­ten EU-Bür­ger beim Grenz­über­tritt in ein ande­res EU-Land eine kos­ten­lo­se SMS, die sie über die Roa­ming-Kos­ten für Tele­fo­na­te im jewei­li­gen Land infor­miert. Zukünf­tig sind dar­in auch Anga­ben zu den Prei­sen für Roa­ming-SMS ent­hal­ten. Eine ver­gleich­ba­re Infor­ma­ti­ons­pflicht führt die EU-Ver­ord­nung fer­ner hin­sicht­lich der Prei­se für MMS und Daten­ver­bin­dun­gen ein. Außer­dem müs­sen die­se Prei­se in allen EU-Staa­ten auch aktiv von den Mobil­funk­kun­den bei den Anbie­tern kos­ten­frei per Hot­line oder SMS abruf­bar sein.

Die "Roa­ming-Ver­ord­nung" sieht auch Ände­run­gen bei der Abrech­nung der geführ­ten Gesprä­che vor. Bis­lang wer­den häu­fig nur Tari­fe ange­bo­ten, bei denen die ers­te Minu­te, oft­mals auch jede wei­te­re Minu­te, pau­schal abge­rech­net wer­den ("60/60-Tak­tung"). Dadurch bezahlt der Ver­brau­cher in vie­len Fäl­len mehr, als er eigent­lich ver­te­le­fo­niert hat. Zukünf­tig dür­fen bei abge­hen­den Anru­fen höchs­tens die ers­ten 30 Sekun­den pau­schal berech­net wer­den, danach muss dies sekun­den­ge­nau erfol­gen ("30/​1‑Taktung"). Bei ankom­men­den Anru­fen ist nur die sekun­den­ge­naue Abrech­nung zuläs­sig ("1/​1‑Taktung"). (Bei inner­deut­schen Gesprä­chen ist dage­gen auch heu­te noch oft­mals eine 60/60- oder 60/​1‑Taktung üblich.)

Zukünf­tig ist der Emp­fang von Sprach­nach­rich­ten auf der Mail­box, wenn sich der Kun­de im EU-Aus­land befin­det, kos­ten­los. Dies gilt aller­dings nur für die Auf­zeich­nung der Sprach­nach­richt. Das Abhö­ren der Mail­box dür­fen die Netz­be­trei­ber wei­ter­hin als Tele­fon­ver­bin­dung in Rech­nung stel­len.