Über­nah­me­be­stä­ti­gung im kauf­män­ni­schen Lea­sing

Bei einem im kauf­män­ni­schen Geschäfts­ver­kehr geschlos­se­nen Miet­kauf­ver­trag kann die Bedeu­tung einer Über­nah­me­be­stä­ti­gung als bekannt vor­aus­ge­setzt wer­den. Ein Miet­ver­käu­fer ist des­halb grund­sätz­lich nicht gehal­ten, den Miet­käu­fer hier­über sowie über die Haf­tungs­fol­gen aus der Abga­be einer unrich­ti­gen Über­nah­me­be­stä­ti­gung auf­zu­klä­ren.

Über­nah­me­be­stä­ti­gung im kauf­män­ni­schen Lea­sing

Im Schrift­tum wird viel­fach die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ein Lea­sing­neh­mer kön­ne im Fal­le einer unrich­ti­gen Über­nah­me­be­stä­ti­gung dem Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen des Lea­sing­ge­bers den Mit­ver­schul­dens­ein­wand aus § 254 BGB ent­ge­gen­set­zen, wenn der Lea­sing­neh­mer die Über­nah­me­be­stä­ti­gung unklar und ohne deut­li­chen Hin­weis auf ihre Bedeu­tung vor­for­mu­liert habe 1. Gleich­zei­tig wird aber dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein sol­ches Mit­ver­schul­den nicht anzu­neh­men sei, wenn der Lea­sing­ge­ber nicht im Zwei­fel dar­über sein kön­ne, dass ihm die Lea­sing­sa­che nicht oder nicht voll­stän­dig über­ge­ben wor­den sei, er den Emp­fang aber gleich­wohl ohne Ein­schrän­kung quit­tie­re 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine Ver­let­zung von Hin­weis­pflich­ten des Lea­sing­ge­bers dann ver­neint, wenn der Lea­sing­neh­mer bei Abga­be einer Über­nah­me­be­stä­ti­gung nicht im Zwei­fel dar­über sein kann, dass das Lea­sing­ob­jekt nicht (voll­stän­dig) an ihn über­ge­ben wor­den ist. Denn in die­sen Fäl­len bedarf es kei­nes Hin­wei­ses auf die Unrich­tig­keit sei­ner Erklä­rung 3. Ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sonst Hin­weis- oder Obhuts­pflich­ten ver­letzt sein kön­nen, wenn der Lea­sing­ge­ber einen unkla­ren Text der Lea­sing­be­stä­ti­gung vor­ge­ge­ben 4 oder nicht auf die mög­li­chen Haf­tungs­fol­gen der Abga­be einer unrich­ti­gen Über­nah­me­be­stä­ti­gung hin­ge­wie­sen hat 5, hat bis­lang noch kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof bedurft.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht regel­mä­ßig kei­ne Pflicht einer Par­tei, von sich aus unge­fragt einen ande­ren vor oder bei Ver­trags­schluss über das damit ver­bun­de­ne Risi­ko zu unter­rich­ten. Viel­mehr darf jeder­mann grund­sätz­lich davon aus­ge­hen, dass sich sein künf­ti­ger Ver­trags­part­ner selbst über die Umstän­de, die für des­sen Ver­trags­ent­schei­dung maß­geb­lich sind, sowie über Art und Umfang sei­ner Ver­trags­pflich­ten im eige-nen Inter­es­se Klar­heit ver­schafft hat. Es ist im All­ge­mei­nen nicht Auf­ga­be einer Ver­trags­par­tei, gegen­über dem ande­ren Teil die Nach­tei­le und Gefah­ren zu ver­deut­li­chen, die mit den Pflich­ten aus dem beab­sich­tig­ten Ver­trag ver­bun­den sind, und die­se gegen die Vor­tei­le abzu­wä­gen. Nur aus­nahms­wei­se kann eine Auf­klä­rungs­pflicht nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) bestehen, wenn wegen beson­de­rer Umstän­de des Ein­zel­falls davon aus­ge­gan­gen wer­den muss, dass der künf­ti­ge Ver­trags­part­ner nicht hin­rei­chend unter­rich­tet ist und die Ver­hält­nis­se nicht durch­schaut 6.

Anhand die­ses Maß­stabs hat kei­ne Ver­pflich­tung der Klä­ge­rin bestan­den, der GmbH die Haf­tungs­fol­gen aus der Abga­be einer unrich­ti­gen Über­nah­me­be­stä­ti­gung in geeig­ne­ter Wei­se auf­zu­zei­gen. Bei der Über­nah­me­be­stä­ti­gung des Leasingnehmers/​Mietkäufers han­delt es sich um ein gän­gi­ges Instru­ment der Lea­sing-/​Miet­kauf­pra­xis, wel­ches dazu dient, im Rah­men der bestehen­den Drei­ecks­be­zie­hung die regel­mä­ßig ohne Betei­li­gung des Lea­sing­ge­bers erfol­gen­de unmit­tel­ba­re Über­ga­be des Lea­sing-/Miet­kauf­ge­gen­stan­des vom Lie­fe­ran­ten an den Leasingnehmer/​Mietkäufer gegen­über dem Leasinggeber/​Mietverkäufer zu doku­men­tie­ren und den Lea­sing­ge­ber zur Involl­zug­set­zung des Lea­sing-/Miet­kauf­ver­tra­ges durch Zah­lung des Kauf­prei­ses an den Lie­fe­ran­ten zu ver­an­las­sen. Jeden­falls im kauf­män­ni­schen Geschäfts­ver­kehr (§§ 343, 344 Abs. 1 HGB) kön­nen die­se aus der Natur der Ver­trags­ab­wick­lung fol­gen­den Gege­ben­hei­ten und Abläu­fe ein­schließ­lich der Bedeu­tung einer Über­nah­me­be­stä­ti­gung grund­sätz­lich als bekannt vor­aus­ge­setzt wer­den und bedür­fen des­halb kei­nes geson­der­ten Hin­wei­ses. Es ist viel­mehr Sache eines Leasingnehmers/​Mietkäufers, sich vor­ab selbst mit den ver­kehrs­üb­li­chen Eigen­hei­ten des betref­fen­den Geschäfts sowie sei­ner Abwick­lung ver­traut zu machen und sich auf die­se Wei­se auf die Geschäfts­pra­xis ein­zu­rich­ten, deren Beherr­schung – hier die Quit­tie­rung eines nor­ma­len Über­ga­be­vor­gangs, des­sen rechts­er­heb­li­che Bedeu­tung sich jeder­mann auf­drängt – im Übri­gen auch kei­ne über­mä­ßi­gen Anfor­de­run­gen stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. März 2010 – VIII ZR 122/​08

  1. Beck­mann, Finan­zie­rungs­lea­sing, 3. Aufl., § 3 Rdnr. 74; Reinking/​Kessler/​Sprenger, Auto­lea­sing und Auto­fi­nan­zie­rung, 4. Aufl., § 6 Rdnr. 49; vgl. fer­ner Staudinger/​Stoffels, BGB (2004), Lea­sing­recht, Rdnr. 186[]
  2. Beck­mann, a.a.O., Rdnr. 76; Reinking/​Kessler/​Sprenger, a.a.O.; ähn­lich auch Graf von West­pha­len, Der Lea­sing­ver­trag, 6. Aufl., Kap. E Rdnr. 25[]
  3. BGH, Urteil vom 20.10.2004 – VIII ZR 36/​03, WM 2005, 756,[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 01.07.1987- VIII ZR 117/​86, WM 1987, 1131[]
  5. BGH, Urteil vom 20.10.2004, a.a.O.[]
  6. BGH, Urtei­le vom 14.06.2007 – III ZR 269/​06, WM 2007, 1676, Tz. 11; und vom 15.04.1997 – IX ZR 112/​96, WM 1997, 1045, unter I 4; jeweils m.w.N.[]