Pres­se­recht­li­cher Aus­kunfts­an­spruch – und die außer­pu­bli­zis­ti­schen Unter­neh­mens­zwe­cke

Ein Unter­neh­men, das u.a. ein Print­me­di­um her­aus­gibt und – teil­wei­se jour­na­lis­tisch-redak­tio­nell gestal­te­te – Inter­net­por­ta­le betreibt, kann sich nicht auf Aus­kunfts­an­sprü­che nach dem Lan­des­pres­se­ge­setz und dem Rund­funk­staats­ver­trag beru­fen, wenn sein Unter­neh­mens­ge­gen­stand von außer­pu­bli­zis­ti­schen Zwe­cken geprägt wird.

Pres­se­recht­li­cher Aus­kunfts­an­spruch – und die außer­pu­bli­zis­ti­schen Unter­neh­mens­zwe­cke

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall betreibt das kla­gen­de Unter­neh­men, eine Akti­en­ge­sell­schaft mit dem Unter­neh­mens­zweck „Infor­ma­ti­ons­lo­gis­tik für die Bau­wirt­schaft“, eine Rei­he von Inter­net­por­ta­len. Zen­tra­le Ele­men­te die­ser Inter­net­por­ta­le sind Daten­ban­ken, in denen sie Infor­ma­tio­nen und Soft­ware­dienst­leis­tun­gen zu öffent­li­chen Aus­schrei­bun­gen und Beschaf­fungs­märk­ten für die Bau- und Gebäu­de­wirt­schaft vor­hält. Zudem fin­det sich auf den Por­ta­len die Rubrik „News zu den Beschaf­fungs­märk­ten“. Dar­über hin­aus gibt sie vier­tel­jähr­lich erschei­nen­des Druckerzeug­nis her­aus, des­sen elek­tro­ni­sche Fas­sung auf eini­gen ihrer Inter­net­por­ta­le ver­linkt ist. Sie begehrt, gestützt auf das Lan­des­pres­se­ge­setz und den Rund­funk­staats­ver­trag, von der beklag­ten Behör­de jeweils nach Abschluss des Ver­ga­be­ver­fah­rens Aus­künf­te zum Auf­trag­neh­mer, der Auf­trags­sum­me, der Zahl der Bie­ter und dem Datum der Auf­trags­ver­ga­be.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart wies die Kla­ge ab 1, die Beru­fung des Unter­neh­mers hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim eben­falls zurück­ge­wie­sen 2: Die Akti­en­ge­sell­schaft sei kei­ne Ver­tre­te­rin der Pres­se im Sin­ne des Lan­des­pres­se­ge­set­zes. Ihr Unter­neh­men wer­de nicht von der Wahr­neh­mung der öffent­li­chen Auf­ga­be der Pres­se, son­dern von außer­pu­bli­zis­ti­schen Zwe­cken geprägt; ihre jour­na­lis­tisch-redak­tio­nel­le Tätig­keit sei nur „schmü­cken­des Bei­werk“ für die kom­mer­zi­el­le Ver­mark­tung von Infor­ma­tio­nen aus dem Ver­ga­be­we­sen. Auf den Rund­funk­staats­ver­trag kön­ne sie sich eben­falls nicht beru­fen. Sie bie­te zwar Tele­me­di­en an; auch inso­weit feh­le es aber an der erfor­der­li­chen jour­na­lis­tisch-redak­tio­nel­len Prä­gung.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die­se Urtei­le bestä­tigt und auch die Revi­si­on der Akti­en­ge­sell­schaft zurück­ge­wie­sen: Die Pres­se­frei­heit ver­bie­tet es nicht, Wirt­schafts­un­ter­neh­men Aus­kunfts­an­sprü­che nach dem Lan­des­pres­se­recht und dem Rund­funk­staats­ver­trag zu ver­sa­gen, wenn sie vor­wie­gend außer­pu­bli­zis­ti­sche Unter­neh­mens­zwe­cke ver­fol­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. März 2019 – 7 C 26.17

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 23.07.2016 – 1 K 3376/​13[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 09.05.2017 – 1 S 1530/​16[]