Unter­las­sungs­an­trag – und sei­ne hin­rei­chen­de Bestimmt­heit

Ein Ver­bots­an­trag darf zwar nicht der­art undeut­lich gefasst sein, dass sich der Beklag­te nicht erschöp­fend ver­tei­di­gen kann und, wenn dem gestell­ten Antrag im Erkennt­nis­ver­fah­ren statt­ge­ge­ben wür­de, die Ent­schei­dung dar­über, was dem Beklag­ten ver­bo­ten ist, dem Voll­stre­ckungs­ge­richt über­las­sen wür­de1.

Unter­las­sungs­an­trag – und sei­ne hin­rei­chen­de Bestimmt­heit

Ein auf Unter­las­sung einer kon­kre­ten Ver­let­zungs­form gerich­te­ter Antrag ist jedoch regel­mä­ßig aus­rei­chend bestimmt im Sin­ne von § 253 Absatz 2 ZPO.

Die Bestimmt­heit eines Unter­las­sungs­an­tra­ges ist in der Regel dann unpro­ble­ma­tisch, wenn der Klä­ger ledig­lich das Ver­bot der Hand­lung begehrt, so wie sie began­gen wor­den ist2. Wird dem Beklag­ten unter­sagt, erneut in der bean­stan­de­ten Form zu wer­ben, kann für ihn nicht zwei­fel­haft sein, wie er sich in Zukunft zu ver­hal­ten hat. Er hat künf­tig jeg­li­che Wer­bung, die aus der gesam­ten Anzei­ge besteht, zu unter­las­sen3.

Anders als Antrags­fas­sun­gen, die die kon­kre­te Ver­let­zungs­form – etwa ein­ge­lei­tet durch die Wör­ter "ins­be­son­de­re wie" – nur als Bei­spiel her­an­zie­hen, wird durch die unmit­tel­ba­re Bezug­nah­me auf die kon­kre­te Wer­be­an­zei­ge mit dem Ver­gleichs­par­ti­kel "wie" in der Regel deut­lich gemacht, dass Gegen­stand des Antrags allein die kon­kre­te Wer­be­an­zei­ge sein soll, wobei die abs­trakt for­mu­lier­ten Merk­ma­le die Funk­ti­on haben mögen, den Kreis der Vari­an­ten näher zu bestim­men, die von dem Ver­bot als kern­glei­che Ver­let­zungs­for­men erfasst sein sol­len4.

In einem sol­chen Fall bil­det die Wer­be­an­zei­ge in ihrer Gesamt­heit den Streit­ge­gen­stand und der Klä­ger über­lässt es bei einem Erfolg der Kla­ge, dem Gericht zu bestim­men, auf wel­chen Aspekt das Unter­las­sungs­ge­bot gestützt wird5.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 5. Juli 2018 – 2 U 167/​17

  1. BGH, Urteil vom 11.10.1990 – I ZR 35/​89 18 – Unbe­stimm­ter Unter­las­sungs­an­trag []
  2. BGH, Urteil vom 29.04.2010 – I ZR 202/​07 36 – Erin­ne­rungs­wer­bung im Inter­net []
  3. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 26.10.2000 – I ZR 180/​98 16 – TCM-Zen­trum []
  4. BGH, Urteil vom 02.06.2005 – I ZR 252/​02 14 []
  5. BGH, Urteil vom 13.09.2012 – I ZR 230/​11 24 – Bio­mi­ne­ral­was­ser []