Unter­las­sungs­ti­tel und Ord­nungs­geld­fest­set­zung bei einer GmbH

Sind sowohl eine juris­ti­sche Per­son als auch ihr Organ (hier eine GmbH und ihr Geschäfts­füh­rer) aus einem Voll­stre­ckungs­ti­tel zur Unter­las­sung ver­pflich­tet und han­delt das Organ im Rah­men der geschäft­li­chen Tätig­keit für die juris­ti­sche Per­son dem Ver­bot zuwi­der, ist nur gegen die juris­ti­sche Per­son ein Ord­nungs­geld nach § 890 ZPO fest­zu­set­zen [1].

Unter­las­sungs­ti­tel und Ord­nungs­geld­fest­set­zung bei einer GmbH

Ist Voll­stre­ckungs­schuld­ner eines Unter­las­sungs­ge­bots aus­schließ­lich eine juris­ti­sche Per­son, ist bei einer schuld­haf­ten Zuwi­der­hand­lung das Ord­nungs­geld gegen die juris­ti­sche Per­son und die ersatz­wei­se bestimm­te Ord­nungs­haft gegen das Organ­mit­glied fest­zu­set­zen, das schuld­haft gegen das Ver­bot ver­sto­ßen hat [2]. Ent­spre­chen­des gilt, wenn auch das Organ neben der juris­ti­schen Per­son Titel­schuld­ner ist und sein schuld­haf­tes Ver­hal­ten, das Gegen­stand des Ord­nungs­mit­tel­ver­fah­rens ist, der juris­ti­schen Per­son nach § 31 BGB zuzu­rech­nen ist. Die juris­ti­sche Per­son ist selbst nicht hand­lungs­fä­hig. Sie han­delt durch ihre Orga­ne. Deren schuld­haf­te Zuwi­der­hand­lung muss sie sich nach § 31 BGB zurech­nen las­sen. Die Fest­set­zung von Ord­nungs­mit­teln gegen die juris­ti­sche Per­son und ihre Orga­ne nach den vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen setzt daher nur einen schuld­haf­ten Ver­stoß des Organs gegen das Unter­las­sungs­ge­bot vor­aus. Dage­gen besteht kein Anlass, auf­grund einer der juris­ti­schen Per­son zure­chen­ba­ren schuld­haf­ten Zuwi­der­hand­lung ihres Organs dane­ben zusätz­lich Ord­nungs­mit­tel gegen das Organ fest­zu­set­zen oder des­sen gesamt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung zu begrün­den.

Für die­ses Ergeb­nis spre­chen auch Sinn und Zweck der Ord­nungs­mit­tel nach § 890 ZPO, die neben der Funk­ti­on als zivil­recht­li­che Beu­ge­maß­nah­me zur Ver­hin­de­rung künf­ti­ger Zuwi­der­hand­lun­gen auch einen repres­si­ven stra­f­ähn­li­chen Sank­ti­ons­cha­rak­ter haben [3]. Damit ist schwer­lich ver­ein­bar, dass auf­grund der von einer natür­li­chen Per­son began­ge­nen Zuwi­der­hand­lung ein und das­sel­be Ord­nungs­mit­tel gegen meh­re­re Per­so­nen fest­ge­setzt wird.

Dadurch wird eine geson­der­te Inan­spruch­nah­me des Organs neben der juris­ti­schen Per­son im Erkennt­nis­ver­fah­ren nicht über­flüs­sig. Die­se erlangt viel­mehr ihre Bedeu­tung, wenn das Han­deln des Organs der juris­ti­schen Per­son nicht nach § 31 BGB zure­chen­bar ist, weil es sich aus Sicht eines Außen­ste­hen­den so weit vom organ­schaft­li­chen Auf­ga­ben­be­reich ent­fernt, dass der all­ge­mei­ne Rah­men der ihm über­tra­ge­nen Oblie­gen­hei­ten über­schrit­ten erscheint [4]. Das kommt etwa in Betracht, wenn das Organ für einen neben der juris­ti­schen Per­son bestehen­den eige­nen Geschäfts­be­trieb oder eine ande­re juris­ti­sche Per­son die schuld­haf­te Zuwi­der­hand­lung began­gen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Janu­ar 2012 – I ZB 43/​11

  1. vgl. OLG Ham­burg, Beschluss vom 02.10.2007 5 W 99/​07; Fezer/​Büscher, UWG, 2. Aufl., § 12 Rn. 405; Schuschke/​Walker/​Sturhahn, Voll­stre­ckung und Vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., § 890 Rn. 45; für die Fest­set­zung eines Ord­nungs­gel­des und Haf­tung als Gesamt­schuld­ner OLG Hamm, NJW-RR 1987, 383 und WRP 2000, 413, 417; OLG Braun­schweig, WRP 1990, 723, 724; Ahrens in Ahrens, Der Wett­be­werbs­pro­zess, 6. Aufl., Kap. 68 Rn. 8; Münch­Komm-UWG/Ehri­cke, Vor § 12 Rn. 167; wei­ter­ge­hend für Fest­set­zung getrenn­ter Ord­nungs­gel­der OLG Köln, Beschluss vom 25.04.2007 – 6 W 40/​07[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.05.1991 – I ZR 218/​89, GRUR 1991, 929, 931 = WRP 1993, 467 Fach­li­che Emp­feh­lung II; OLG Koblenz, VersR 1997, 1556, 1557; OLG Jena, InVo 2002, 121; Münch­Komm-ZPO/­Gru­ber, 3. Aufl., § 890 Rn. 24; Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 890 Rn. 6; für ein wahl­wei­ses Ord­nungs­geld gegen die juris­ti­sche Per­son oder das Organ Musielak/​Lackmann, ZPO, 8. Aufl., § 890 Rn. 12; für Ord­nungs­mit­tel nur gegen die Orga­ne Wieczorek/​Schütze/​Storz, ZPO, 3. Aufl., § 890 Rn. 55[]
  3. vgl. BVerfGE 58, 159, 162; BVerfG, NJW-RR 2007, 860 Rn. 11; BGH, Beschluss vom 23.10.2003 – I ZB 45/​02, BGHZ 156, 335, 345 f. Euro-Ein­füh­rungs­ra­batt; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 30. Aufl., § 12 Rn.06.12; Zöller/​Stöber aaO § 890 Rn. 5[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.1979 – VI ZR 256/​77, NJW 1980, 115 f.; Urteil vom 13.01.1987 – VI ZR 303/​85, BGHZ 99, 298, 300[]