Unzu­läs­si­ge Preis­an­pas­sungs­klau­sel in Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­gen

Die von einem Gas­ver­sor­ger aus dem Main-Kin­zig-Kreis in Son­der­ver­trä­gen für Erd­gas benutz­te Preis­an­pas­sungs­klau­sel:

Unzu­läs­si­ge Preis­an­pas­sungs­klau­sel in Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­gen

"(Der Gas­ver­sor­ger …) wird den Erd­gas­preis unter Berück­sich­ti­gung der Kos­ten­ent­wick­lung für die Bereit­stel­lung von Erd­gas und der jewei­li­gen Ver­hält­nis­se auf dem Haus­halts­wär­me­markt in der Regel zum 1. April und 1. Okto­ber eines Jah­res fest­set­zen. Preis­än­de­run­gen zu ande­ren Ter­mi­nen blei­ben vor­be­hal­ten. (…)"

hat der 1. Kar­tell­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main jetzt für unzu­läs­sig erklärt und damit das vor­aus­ge­hen­de anders lau­ten­de Urteil des Land­ge­richts Hanau abge­än­dert.

Auf der Grund­la­ge die­ser Klau­sel hat­te der Gas­ver­sor­ger die Prei­se zum 1. Novem­ber 2005 ange­ho­ben. Hier­ge­gen hat­ten sich 37 Kun­den mit einer Kla­ge gewehrt und waren vor dem Land­ge­richt Hanau zunächst unter­le­gen. Von den ursprüng­li­chen Klä­gern ent­schie­den sich 24 zur Durch­füh­rung eines Beru­fungs­ver­fah­rens, mit dem sie jetzt über­wie­gend Erfolg hat­ten.

Das OLG kommt zu dem Schluss, dass sich das von dem Gas­ver­sor­ger in Anspruch genom­me­ne Preis­be­stim­mungs­recht nicht aus einer gesetz­li­chen Rege­lung erge­be, son­dern ver­trag­li­cher Natur sei. Als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung (AGB) unter­lie­ge die Klau­sel der Inhalts­kon­trol­le durch die Gerich­te.

Die­ser Inhalts­kon­trol­le hal­te die Preis­an­pas­sungs­klau­sel nicht stand, weil sie die Ver­trags­part­ner des Gas­ver­sor­gers ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge. Die Klau­sel nen­ne kein ein­zi­ges kon­kre­tes Kri­te­ri­um, aus dem sich die sach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und der zuläs­si­ge Umfang einer Preis­er­hö­hung erge­ben könn­ten. Die For­mu­lie­rung, der Preis wer­de "unter Berück­sich­ti­gung der Kos­ten­ent­wick­lung für die Bereit­stel­lung von Erd­gas und der jewei­li­gen Ver­hält­nis­se auf dem Haus­halts­wär­me­markt" fest­ge­setzt, räu­me dem Gas­ver­sor­ger wei­test­ge­hen­des Ermes­sen bei der Fest­set­zung des Prei­ses ein, ohne dass für den Kun­den auch nur annä­hernd vor­her­seh­bar wäre, in wel­chem Umfang Preis­an­he­bun­gen auf ihn zukä­men. Die For­mu­lie­rung las­se es zu, dass der Gas­ver­sor­ger im Ein­zel­fall auch höhe­re Preis­an­pas­sun­gen vor­neh­me, als sie der Kos­ten­ent­wick­lung für Erd­gas ent­spre­chen. Erst recht völ­lig kon­tur­los und nicht bere­chen­bar sei der Hin­weis auf die jewei­li­gen Ver­hält­nis­se auf dem Haus­halts­wär­me­markt. Hier­mit las­se sich der Gas­ver­sor­ger die Mög­lich­keit offen, unab­hän­gig von der Preis­ent­wick­lung bei Erd­gas und sei­nen eige­nen Kos­ten Preis­an­pas­sun­gen an den Markt­ver­hält­nis­sen bei ande­ren Ener­gie­trä­gern zu ori­en­tie­ren und dadurch das ursprüng­li­che Preis-Leis­tungs­ver­hält­nis zu sei­nem Vor­teil zu ver­schie­ben.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 5.5.2009 – 11 U 61/​07 (Kart)