Urhe­ber­rech­te der Foto­gra­fen und die Zeit­schrif­ten­ver­la­ge

Das Land­ge­richt Ham­burg hat eine Rei­he von Ver­trags­klau­seln für unwirk­sam erklärt, die ein gro­ßer deut­scher Zeit­schrif­ten­ver­lag in sei­nen Ver­trä­gen mit Foto­gra­fen ver­wen­det:

Urhe­ber­rech­te der Foto­gra­fen und die Zeit­schrif­ten­ver­la­ge

Abgel­tungs­be­reich des Hono­rars[↑]

Mit dem ver­ein­bar­ten Hono­rar ist in jedem Fall die Ein­räu­mung der Rech­te für die erst­ma­li­ge Ver­öf­fent­li­chung des Wer­kes in der Publi­ka­ti­on abge­gol­ten, für die das Werk gelie­fert wird, sowie für alle wei­te­ren (auch digi­ta­len) Nut­zun­gen des Wer­kes in koope­rie­ren­den Titeln sowie in ande­ren Objek­ten des Ver­la­ges und der Unter­neh­men der B..M..G.., ein­schließ­lich der Bear­bei­tungs­rech­te.

Die­se Klau­sel ver­stößt nach Ansicht des Land­ge­richts Ham­burg gegen § 307 II Nr. 1 BGB in Ver­bin­dung mit § 11 S. 2 UrhG und ist zudem wegen Intrans­pa­renz gemäß § 307 I S. 1 und 2 BGB unwirk­sam. Die Rege­lung weicht erheb­lich von gesetz­li­chen Vor­schrif­ten ab und benach­tei­ligt den Urhe­ber ent­ge­gen dem Grund­satz von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen.

Das Land­ge­richt Ham­burg bleibt inso­fern bei sei­ner Recht­spre­chung aus einem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren 1:

Der durch das Gesetz zur Stär­kung der ver­trag­li­chen Stel­lung von Urhe­bern und aus­üben­den Künst­lern vom 22.3.2002 ein­ge­füg­te § 11 Satz 2 UrhG ent­hält den seit jeher im gesam­ten Urhe­ber­recht gel­ten­den Grund­satz, dass der Urhe­ber tun­lichst an dem wirt­schaft­li­chen Nut­zen zu betei­li­gen ist, der aus sei­nem Werk gezo­gen wird, und zwar bei jeder ein­zel­nen Nut­zung des Wer­kes 2. Die aus­drück­li­che Auf­nah­me des Prin­zips der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung in den Geset­zes­text recht­fer­tigt es, dar­in ein vom Gesetz­ge­ber vor­ge­ge­be­nes Leit­bild zu erken­nen, auf das bei der abs­trak­ten Inhalts­kon­trol­le von AGB unmit­tel­bar zurück­ge­grif­fen wer­den kann 3.

Die Ein­füh­rung der Vor­schrift dien­te nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers dazu, der Recht­spre­chung eine umfang­rei­che­re Kon­trol­le von AGB zu ermög­li­chen: § 11 UrhG „(…) ver­voll­stän­digt das Pro­gramm des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes und ermög­licht es der Recht­spre­chung, die Vor­schrif­ten des Geset­zes – auch im Rah­men der AGB-Kon­trol­le – nach die­sem Norm­zweck aus­zu­le­gen, denn das Prin­zip der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung hat künf­tig Leit­bild­funk­ti­on. § 32 und § 32a sichern die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung dort, wo eine Inhalts­kon­trol­le All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht mög­lich ist. Im Übri­gen ist nach § 11 Satz 2 im Rah­men der AGB-Kon­trol­le das Prin­zip der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung als wesent­li­cher Grund­ge­dan­ke des Urhe­ber­rechts zu ach­ten“ 4.

Von die­sem gesetz­ge­be­ri­schen Leit­bild weicht der Ver­lag in der bean­stan­de­ten Klau­sel zum Nach­teil der Foto­gra­fen ab.

Dies gilt auch für die vor­lie­gen­de, ver­än­der­te Klau­sel. Es wird fest­ge­legt, dass mit dem ver­ein­bar­ten Hono­rar in jedem Fall außer der Erst­ver­öf­fent­li­chung auch die Ver­öf­fent­li­chung in koope­rie­ren­den Titeln und ande­ren Objek­ten des Ver­la­ges und der Unter­neh­mens­grup­pe abge­deckt sein sol­len.

Damit ent­hält auch die­se Klau­sel die Ver­ein­ba­rung eines ein­ma­li­gen Pau­schal­ho­no­rars. Durch die ein­ma­li­ge Zah­lung eines Hono­rars erwirbt die Antrags­geg­ne­rin Nut­zungs­rech­te für alle koope­rie­ren­den Titel und ande­re Objek­te von Ver­lag und Unter­neh­mens­grup­pe ein­schließ­lich der Bear­bei­tungs­rech­te.

Unab­hän­gig von der Höhe des jeweils zu zah­len­den Hono­rars hat der Foto­graf nach dem Wort­laut der Klau­sel kei­ne wei­te­ren Hono­rar­an­sprü­che für die­se zusätz­li­chen Nut­zun­gen sei­nes Wer­kes. Eine sol­che Klau­sel, mit der durch die ers­te und ein­zig gezahl­te Ver­gü­tung zahl­rei­che wei­te­re Nut­zun­gen und Bear­bei­tungs­rech­te durch die Antrags­geg­ne­rin selbst oder Unter­neh­men der B..M..G.. abge­gol­ten sind, wider­spricht zudem dem gesetz­li­chen Leit­bild, wonach der Urhe­ber aus­nahms­los an jeder Nut­zung sei­nes Wer­kes zu betei­li­gen ist 5.

Das Land­ge­richt Ber­lin hat eine ver­gleich­ba­re Klau­sel in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, nach der sich der Anspruch auf eine Ver­gü­tung bei sons­ti­ger Nut­zung jeweils nach Abspra­che zwi­schen dem Ver­wen­der und dem Ver­trags­part­ner rich­tet, wegen des Ver­sto­ßes gegen § 11 Satz 2 UrhG für unwirk­sam erklärt 6.

Die vor­lie­gen­de Klau­sel ent­hält bei objek­ti­ver Aus­le­gung eine im Ver­gleich zu genann­ter Ent­schei­dung noch wei­ter­ge­hen­de Rege­lung zuun­guns­ten des Urhe­bers. Ob – wie die Ver­fü­gungs­be­klag­te meint – durch die Klau­sel die gesetz­li­chen Ansprü­che des Urhe­bers aus §§ 32, 32a UrhG unbe­rührt blei­ben und inso­fern eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung gewähr­leis­tet sei, bedarf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung.

Nach § 11 S. 2 UrhG sichert das Urhe­ber­recht dem Urhe­ber eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung. Die­se Siche­rung droht durch Zif­fer 2 des Rah­men­ver­tra­ges ins Lee­re zu lau­fen. Die Klau­sel erschwert es dem Urhe­ber in unan­ge­mes­se­ner Wei­se, etwai­ge Ansprü­che aus §§ 32, 32a UrhG zu ver­wirk­li­chen. Denn sie setzt, ohne Infor­ma­ti­ons­pflich­ten der Ver­fü­gungs­be­klag­ten zu begrün­den, vor­aus, dass die Urhe­ber von zusätz­li­chen Nut­zun­gen ihrer Bei­trä­ge, die die Unan­ge­mes­sen­heit des ursprüng­lich gezahl­ten Pau­schal­ho­no­rars begrün­den, regel­mä­ßig Kennt­nis erlan­gen. Hier­von kann jedoch, ins­be­son­de­re bei der Nut­zung und Über­tra­gung im bzw. ins Aus­land, nicht aus­ge­gan­gen wer­den, so dass die Mög­lich­keit der Fest­stel­lung eines Miss­ver­hält­nis­ses zwi­schen Pau­schal­ho­no­rar und erfolg­ter Nut­zung als Vor­teil aus dem Werk für den Urhe­ber unan­ge­mes­sen beein­träch­tigt wird. Dies ergibt sich schon dar­aus, dass die Klau­sel es vom Zufall bzw. den Bemü­hun­gen und dem Geschick des jewei­li­gen Foto­gra­fen abhän­gig macht, ob die­ser die Antrags­geg­ne­rin zur Ver­trags­an­pas­sung auf­for­dern wird. Dies wird für den Urhe­ber regel­mä­ßig nur dann in Betracht kom­men, wenn er in dem jeweils erfor­der­li­chen Maß Kennt­nis von der Nut­zung sei­nes Wer­kes erlangt. Im Übri­gen wird der Foto­graf ange­sichts des Wort­lauts der streit­ge­gen­ständ­li­chen Klau­sel („sind … abge­gol­ten“) von einer „Nach­ver­hand­lung“ ange­sichts der Pau­scha­li­tät der Rege­lung eher abge­hal­ten.

Dar­über hin­aus droht nach dem Wort­laut der Klau­sel ein Miss­ver­hält­nis zwi­schen dem Pau­schal­ho­no­rar als Ertrag und der Nut­zung als Vor­teil schon des­we­gen, weil Mar­ke bzw. Titel und Renom­mee des Objekts als zen­tra­ler Wert­bil­dungs­fak­tor dem Urhe­ber nach der Rege­lung schon bei dem Pau­schal­ho­no­rar zu Gute kom­men und bei der Fest­le­gung des Pau­schal­ho­no­rars ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den sol­len. Damit wer­den ent­schei­den­de Umstän­de, die neben ande­ren geeig­net sind, im kon­kre­ten Ein­zel­fall ein Miss­ver­hält­nis zu begrün­den, zu einem Zeit­punkt berück­sich­tigt, in dem der wesent­li­che Fak­tor der Wert­bil­dung selbst, nament­lich Mar­ke, Titel und Renom­mee nicht abschlie­ßend bestimmt sind und infol­ge der Reich­wei­te der Klau­sel auch nicht bestimmt wer­den kön­nen. Dem­ge­mäß geht auch das Argu­ment der Antrags­geg­ne­rin ins Lee­re, die Unan­ge­mes­sen­heit der Klau­sel las­se sich nur in Kennt­nis der Hono­rar­hö­he beur­tei­len. Da der Umfang der Nut­zung zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses unbe­kannt ist, könn­te die Ange­mes­sen­heit selbst in Kennt­nis der Hono­rar­hö­he nicht beur­teilt wer­den.

Eine ande­re Beur­tei­lung ergibt sich weder aus der Ent­schei­dung des BGH zu den Hono­rar­be­din­gun­gen in einem Sen­de­ver­trag 7 noch aus der Erwä­gung, dass das Urhe­ber­ge­setz die Zah­lung eines ein­heit­li­chen Betra­ges als Abgel­tung für alle Nut­zungs­ar­ten nicht aus­drück­lich ver­bie­tet, wobei – wie die Antrags­geg­ne­rin vor­trägt – die Höhe des Zahl­be­tra­ges als Leis­tungs­be­schrei­bung der gericht­li­chen Inhalts­kon­trol­le ent­zo­gen sei. Zunächst ist dar­auf zu ver­wei­sen, dass die Geset­zes­fas­sung, die der Ent­schei­dung des BGH zu Grun­de lag, eine ver­gleich­ba­re Norm noch nicht ent­hielt. Gera­de die jetzt in Form von § 11 Satz 2 UrhG vor­lie­gen­de Äuße­rung des Gesetz­ge­bers zum Grund­satz ange­mes­se­ner Betei­li­gung des Urhe­bers erfor­dert jedoch dies­be­züg­lich aus den genann­ten Grün­den eine ergän­zen­de Betrach­tungs­wei­se 8.

Im Übri­gen kann offen blei­ben ob an der bis­he­ri­gen Auf­fas­sung bezüg­lich der pau­scha­len Ein­räu­mung umfang­rei­cher Nut­zungs­rech­te in AGB gegen Zah­lung eines Ein­mal­ho­no­rars trotz des Ver­sto­ßes gegen den urhe­ber­recht­li­chen Grund­satz der mög­lichst weit­ge­hen­den Betei­li­gung des Urhe­bers an der Ver­wer­tung sei­ner Wer­ke vor dem Hin­ter­grund des § 307 Abs. 3 BGB und der Ein­ord­nung der­ar­ti­ger Urhe­ber­klau­seln ledig­lich als Leis­tungs­be­schrei­bun­gen, die nicht der Kon­trol­le der §§ 305 ff. BGB unter­lie­gen, fest­zu­hal­ten ist 9.

Denn bei der Beur­tei­lung der ange­grif­fe­nen Klau­sel geht es nicht um die Fest­stel­lung, ob der tat­säch­li­che Zahl­be­trag eine ange­mes­se­ne Gegen­leis­tung für die ein­ge­räum­ten Nut­zungs­rech­te dar­stellt, son­dern um die davon zu tren­nen­de Fra­ge, ob die Foto­gra­fen in Über­ein­stim­mung mit dem gesetz­li­chen Leit­bild des § 11 S. 2 UrhG für ihre Leis­tung über­haupt einen Anspruch auf eine Gegen­leis­tung gleich in wel­cher Höhe erhal­ten. Nach dem Inhalt der ange­grif­fe­nen Rege­lung dro­hen gera­de die­se regel­mä­ßig leer zu lau­fen. Die Klau­sel führt fak­tisch zu einem Aus­schluss sämt­li­cher Ver­gü­tungs­an­sprü­che jen­seits des Pau­schal­ho­no­rars, da ange­sichts der Reich­wei­te der Rege­lung prak­tisch kein Fall denk­bar ist, der zusätz­li­che Ver­gü­tungs­an­sprü­che des Urhe­bers aus­löst und die Mög­lich­keit der Fest­stel­lung bzw. Beur­tei­lung des Vor­lie­gens eines Miss­ver­hält­nis­ses zwi­schen Ertrag und Vor­teil für den Urhe­ber im Regel­fall nicht gewähr­leis­tet ist. Ent­schei­dend ist, ob die durch AGB wei­ter aus­ge­stal­te­te Struk­tur der Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen, unab­hän­gig von dem jewei­li­gen Zahl­be­trag, zu einer unan­ge­mes­se­nen Ver­gü­tung führt oder nicht. Für die Beant­wor­tung die­ser Fra­ge kommt es maß­geb­lich auf den Gesamt­re­ge­lungs­ge­halt der AGB im Ein­zel­fall hin­sicht­lich der Ver­gü­tung bei wei­te­rer Nut­zung bzw. Nut­zungs­rech­te­über­tra­gung an. Hier­bei kommt es vor allem dar­auf an, ob – wie in der zitier­ten Ent­schei­dung des LG Ber­lin – nach den AGB des Ver­wen­ders Nut­zun­gen des Wer­kes, die für geson­der­te Ansprü­che des Urhe­bers noch Raum las­sen, noch denk­bar sind oder – wie vor­lie­gend – ob dies nicht der Fall ist. In der hier maß­geb­li­chen kon­kre­ten Fall­ge­stal­tung ist die Klau­sel danach unwirk­sam, ohne dass damit eine Ent­schei­dung über die gene­rel­le Zuläs­sig­keit von Pau­schal­ho­no­ra­ren getrof­fen wer­den müss­te.

Im Übri­gen ist die Klau­sel intrans­pa­rent. Es ist unklar, wel­che Unter­neh­men für wel­che Titel oder koope­rie­ren­den Titel die Wer­ke nut­zen kön­nen sol­len. Dass die Jour­na­lis­ten den Begriff „B..M..G..“ selbst ver­wen­den, ändert dar­an nichts, denn um zu ver­ste­hen, wer Nut­zungs­rech­te an sei­nem Werk erwirbt, muss der Urhe­ber die Erwer­ber nament­lich ken­nen. Ein Ober­be­griff einer Unter­neh­mens­grup­pe erschwert die­ses Ver­ständ­nis über Gebühr, da die Mit­glie­der einer Unter­neh­mens­grup­pe sich ändern kön­nen, ohne dass dies für den Urhe­ber ohne wei­te­res ersicht­lich ist.

Noch unbe­kann­te Nut­zungs­ar­ten[↑]

Der Ver­lag ist berech­tigt, Objek­te, die Gegen­stand ver­wand­ter Schutz­rech­te sind, auch für noch unbe­kann­te Nut­zungs­ar­ten zu nut­zen.

Die­se Klau­sel ver­stößt nach Ansicht des Land­ge­richts Ham­burg gegen § 31 a UrhG. Denn nach § 31 a I S. 1 UrhG kann die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten für unbe­kann­te Nut­zungs­ar­ten nur in Schrift­form erfol­gen. Die­se erfor­dert nach § 126 I BGB die Namens­un­ter­schrift, die den Urkun­den­text räum­lich abschlie­ßen muss 10. Zwar sind abs­trak­te Pau­scha­lie­run­gen unter Beach­tung der Zweck­über­tra­gungs­leh­re wohl zuläs­sig, wegen der Warn­funk­ti­on des § 31 a UrhG ist es jedoch nicht mög­lich, ohne die aus­drück­li­che Erwäh­nung unbe­kann­ter Nut­zungs­ar­ten von einer aus­rei­chen­den schrift­li­chen Gestat­tung aus­zu­ge­hen 11.

Benen­nung des Urhe­bers[↑]

Der Ver­lag wird den Foto­gra­fen in übli­cher Wei­se als Urhe­ber benen­nen, es sei denn, der Foto­graf lehnt dies aus­drück­lich ab oder Foto­graf und Ver­lag tref­fen eine ander­wei­ti­ge schrift­li­che Ver­ein­ba­rung. Etwai­ge Scha­den­er­satz­an­sprü­che wegen einer unter­las­se­nen Urhe­ber­be­nen­nung sind aus­ge­schlos­sen, es sei denn, sie beru­hen auf gro­ber Fahr­läs­sig­keit oder Vor­satz sei­tens des Ver­la­ges.

Die­se Rege­lung ver­stößt gegen § 307 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 3 BGB i.V.m. § 13 UrhG, urteil­te das Land­ge­richt Ham­burg:

Die Klau­sel weicht in erheb­li­cher Wei­se von der gesetz­li­chen Rege­lung des § 13 UrhG ab. Danach besteht grund­sätz­lich die Ver­pflich­tung zur Aner­ken­nung der Urhe­ber­schaft des Urhe­bers. Über das „ob und wie“ der Nen­nung soll nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on der Urhe­ber ent­schei­den.

Die­se Klau­sel der Ver­trags­re­ge­lun­gen kehrt die­se gesetz­li­che Regel inso­weit um, als sie die Beweis­last für Vor­satz oder gro­be Fahr­läs­sig­keit der Nicht­nen­nung dem Urhe­ber auf­er­legt. Inso­weit legt die Rege­lung dem Urhe­ber for­mu­lar­mä­ßig eine Beweis­last auf, vor der § 13 UrhG den Urhe­ber, ins­be­son­de­re auch vor dem Hin­ter­grund des in der Regel vor­lie­gen­den wirt­schaft­li­chen Ungleich­ge­wichts der Ver­hand­lungs­part­ner, schüt­zen will und die gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen ist.

Soweit die Rege­lung etwai­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen einer unter­las­se­nen Urhe­ber­be­nen­nung aus­schließt, liegt dar­in eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung i. S.d. § 307 I, II Nr. 1 BGB. Bei Ver­schul­den auch durch ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit besteht gene­rell ein Scha­dens­er­satz­an­spruch, der hier hin­sicht­lich der ein­fa­chen Fahr­läs­sig­keit for­mu­lar­mä­ßig aus­ge­schlos­sen wird. Der Aus­schluss des all­ge­mei­nen haf­tungs­recht­li­chen Ver­schul­dens­prin­zips ist mit den wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung unver­ein­bar 12. Dar­über hin­aus ist die Rege­lung nicht mit § 309 Nr. 12 BGB zu ver­ein­ba­ren. Denn Klau­seln, die dem Geg­ner des Ver­wen­ders die Beweis­last für Umstän­de auf­er­le­gen, die dem Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ver­wen­ders zuzu­rech­nen sind, benach­tei­li­gen den Geg­ner des Klau­sel­ver­wen­ders unan­ge­mes­sen und sind daher unwirk­sam 13.

Frei­stel­lungs­pflich­ten des Foto­gra­fen[↑]

Der Foto­graf stellt den Ver­lag von allen dem Ver­lag rechts­kräf­tig auf­er­leg­ten Kos­ten und Scha­den­er­satz­pflich­ten frei, die von Drit­ten mit der Behaup­tung erho­ben wer­den, die Nut­zung der Wer­ke durch den Ver­lag, sei­ne Gesell­schaf­ter, ver­bun­de­ne Unter­neh­men oder Drit­te ver­let­ze Rech­te Drit­ter. Die Frei­stel­lung umfasst ins­be­son­de­re auch die Kos­ten der Rechts­ver­tei­di­gung des Ver­la­ges in gesetz­li­cher Höhe. Der vor­ste­hen­de Frei­stel­lungs­an­spruch steht unter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen: (i) Der Ver­lag wird den Foto­gra­fen unver­züg­lich schrift­lich von der Gel­tend­ma­chung sol­cher Ansprü­che benach­rich­ti­gen; und (ii) der Ver­lag wird ohne die vor­he­ri­ge Zustim­mung des Foto­gra­fen kei­ne Ver­glei­che mit die­sen Drit­ten über die gel­tend gemach­ten Ansprü­che abschlie­ßen und der­ar­ti­ge Ansprü­che nicht aner­ken­nen. Die Frei­stel­lung gilt nicht für Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zun­gen sowie Rech­ten an Archi­tek­tur und Kunst.

Die­se Klau­sel ist nach dem Urteil des Land­ge­richts Ham­burg wegen Ver­sto­ßes gegen § 307 II Nr. 1 BGB unwirk­sam, weil gegen wesent­li­che Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung ver­sto­ßen wird. Denn der Ver­lag kann nach der ange­grif­fe­nen Klau­sel Scha­dens­er­satz von dem Foto­gra­phen ver­lan­gen, ohne dass des­sen Ver­schul­den vor­liegt.

Zu den wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken des dis­po­si­ti­ven Rechts gehört, dass Scha­dens­er­satz auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge nur ver­langt wer­den kann, wenn der Schuld­ner die Pflicht­ver­let­zung zu ver­tre­ten hat (§ 280 Abs. 1 BGB) 14. So hat der Bun­des­ge­richts­hof auch bereits zu § 9 AGBG geur­teilt: Es ist ein wesent­li­cher Grund­ge­dan­ke der gesetz­li­chen Rege­lung im Sin­ne von § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG , dass eine Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz regel­mä­ßig nur bei schuld­haf­tem Ver­hal­ten besteht. Die­ser all­ge­mei­ne Grund­satz des Haf­tungs­rechts gilt als Aus­druck des Gerech­tig­keits­ge­bots glei­cher­ma­ßen für ver­trag­li­che wie für gesetz­li­che Ansprü­che. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Gesetz­ge­ber für ein­zel­ne, näher umschrie­be­ne Aus­nah­me­tat­be­stän­de eine Gefähr­dungs­haf­tung vor­ge­se­hen hat 15.

Vor­lie­gend ist durch die for­mu­lar­mä­ßi­ge Haf­tungs­kon­stel­la­ti­on der Fall denk­bar, dass der Ver­lag zwar dem Foto­gra­phen einen von einem Drit­ten gegen den Ver­lag ange­streng­ten Rechts­streit ver­kün­det, so dass der Foto­graph dem Rechts­streit bei­tre­ten kann, dass in die­sem Rechts­streit aber Ver­schul­dens­fra­gen nur zwi­schen den Par­tei­en, d.h. zwi­schen dem Ver­lag und dem Drit­ten geklärt wer­den. Wer­den dem Ver­lag auf­grund eines rechts­kräf­tig fest­ge­stell­ten Ver­schul­dens des Ver­la­ges Scha­dens­er­satz­pflich­ten auf­er­legt, müss­te der Foto­graph auf­grund der ange­grif­fe­nen for­mu­lar­mä­ßi­gen Ver­ein­ba­rung für die­ses Ver­schul­den unab­hän­gig von eige­nem Ver­schul­den ein­ste­hen.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 4. Mai 2010 – 312 O 703/​09

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 22.09.2009 – 312 O 456/​09[]
  2. LG Ber­lin, ZUM-RD 2008, 18, 19; LG Ber­lin, Urteil vom 09.12.2008 – 16 O 8/​08, 12 mwN[]
  3. Bul­lin­ger , in: Wandtke/​Bul­lin­ger, Urhe­ber­ge­setz, 3. Auf­la­ge 2009, § 11 Rn. 4[]
  4. BT-Drs.14/ 8058, 41; vgl. auch Wandtke/​Gru­nert , in: Wandtke/​Bul­lin­ger, Urhe­ber­ge­setz, 3. Auf­la­ge 2009, Vor § 31 ff. Rn. 108[]
  5. vgl. LG Ros­tock, Urteil vom 31.07.2009 – 3 O 166/​09, 14[]
  6. LG Ber­lin, Urteil vom 09.12.2008 – 16 O 8/​88). Bereits der Umstand, dass die Ent­rich­tung eines zusätz­li­chen Nut­zungs­ent­gelts zur Dis­po­si­ti­on gestellt wer­de, wider­spre­che dem gesetz­li­chen Leit­bild der Rege­lung ((LG Ber­lin , aaO[]
  7. BGH, GRUR 1984, 45[]
  8. LG Ber­lin, ZUM-RD 2008, 18, 20[]
  9. so BGH, GRUR 1984 45, 47 ff.; eben­so zum Prü­fungs­um­fang im Rah­men von § 1 UKlaG, Czy­chow­ski , in: Fromm/​Nor­de­mann, Urhe­ber­recht, 10. Auf­la­ge, § 11 Rn. 6[]
  10. Palandt- Ellen­ber­ger , Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 69. Aufl., 2010, § 126 BGB Rz. 6 mit Ver­weis auf BGHZ 113, 48[]
  11. From­m/­Nor­de­mann- Nor­de­mann , Urhe­ber­recht, 10. Aufl., 2008, § 31 a Rz. 53[]
  12. Palandt-Grü­ne­berg , Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 69. Aufl., 2010, § 307 Rz. 30[]
  13. vgl. BGH, NJW 2006, 47, 49[]
  14. vgl. BGH, Urteil vom 08.03.2005 – XI ZR 154/​04, ZIP 2005, 798, Rz. 29[]
  15. BGH, Urteil vom 25.06.1991, Az. XI ZR 257/​90, Rz. 18 mit zahl­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen[]