Urhe­ber­recht­li­che Ver­wer­tungs­rech­te an einer Land­kar­te

Gemäß § 7 UrhG ist Urhe­ber der Schöp­fer des Wer­kes. Sind meh­re­re Per­so­nen an der Ent­ste­hung des Wer­kes betei­ligt, hängt die Schöpf­er­ei­gen­schaft davon ab, wel­che Per­son einen schöp­fe­ri­schen Bei­trag gemäß § 2 Abs. 2 UrhG geleis­tet und wel­che Per­son ledig­lich einen nicht­schöp­fe­ri­schen Gehil­fen­bei­trag geleis­tet hat 1. Solan­ge Gehil­fen sich ledig­lich auf die nicht­schöp­fe­ri­sche mecha­ni­sche Durch­füh­rung oder Aus­ge­stal­tung der Vor­ga­be des Urhe­bers hal­ten und kein Spiel­raum für eine eige­ne indi­vi­du­el­le schöp­fe­ri­sche Gestal­tung bleibt, sind sie kei­ne Urhe­ber 2.

Urhe­ber­recht­li­che Ver­wer­tungs­rech­te an einer Land­kar­te

Der an vor­ge­ge­be­ne Zei­chen­schlüs­sel und Mus­ter­blät­ter gebun­de­ne Her­stel­ler von Kar­ten kann des­halb nur dann Urhe­ber sein, wenn ihm ein für die Errei­chung des Urhe­ber­rechts­schut­zes genü­gend gro­ßer Spiel­raum für indi­vi­du­el­le kar­to­gra­fi­sche Leis­tun­gen bleibt 3. Die Fra­ge, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, unter­liegt der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung.

Gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG gehö­ren zu den geschütz­ten Wer­ken der Wis­sen­schaft Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher oder tech­ni­scher Art, wie Zeich­nun­gen, Plä­ne, Kar­ten, Skiz­zen, Tabel­len und plas­ti­sche Dar­stel­lun­gen. Zu den nach die­ser Bestim­mung geschütz­ten Wer­ken kön­nen auch Stadt­plä­ne und Land­kar­ten gehö­ren, wenn es sich um per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fun­gen han­delt 4. Ent­schei­dend ist mit­hin der Werk­cha­rak­ter des vom Ver­let­zer ver­viel­fäl­tig­ten Stadt­plan­aus­schnitts und nicht der Werk­cha­rak­ter des der Erstel­lung des Stadt­plan­aus­schnitts zugrun­de­lie­gen­den Zei­chen­schlüs­sels.

Stadt­plä­ne und Land­kar­ten kön­nen als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­lich­tech­ni­scher Art gemäß § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG Urhe­ber­rechts­schutz genie­ßen, wenn es sich um per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fun­gen im Sin­ne von § 2 Abs. 2 UrhG han­delt. Die schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit einer Kar­te kann sich bereits dar­aus erge­ben, dass die Kar­te nach ihrer Kon­zep­ti­on von einer indi­vi­du­el­len kar­to­gra­phi­schen Dar­stel­lungs­wei­se geprägt ist, die sie zu einer in sich geschlos­se­nen eigen­tüm­li­chen Dar­stel­lung des betref­fen­den Gebiets macht. Die urhe­ber­recht­lich bedeut­sa­men schöp­fe­ri­schen Züge kön­nen inso­weit in der Gesamt­kon­zep­ti­on lie­gen, mit der durch die indi­vi­du­el­le Aus­wahl des Dar­ge­stell­ten und die Kom­bi­na­ti­on von meist bekann­ten Metho­den (z.B. bei der Gene­ra­li­sie­rung) und von Dar­stel­lungs­mit­teln (z.B. bei der Farb­ge­bung, Beschrif­tung oder Sym­bol­ge­bung) ein eigen­tüm­li­ches Kar­ten­bild gestal­tet wor­den ist 5.

Im vor­lie­gen­den Fall wies die kopier­te Kar­te eine hin­rei­chen­de Schöp­fungs­hö­he auf: Die Stra­ßen­zü­ge wer­den deut­lich gegen­über sons­ti­gen Flä­chen her­vor­ge­ho­ben, da sie im Ver­hält­nis zu den dazwi­schen lie­gen­den bebau­ten und unbe­bau­ten Flä­chen rela­tiv breit dar­ge­stellt sind. Zudem hebt sich auch ihre farb­li­che Gestal­tung ab. Die Aus­wahl der Pas­tell­far­ben für die Hin­ter­grund­ge­stal­tung bewirkt, dass sich die farb­lich nicht unter­leg­ten Stra­ßen­zü­ge deut­lich vom grau­en Unter­grund abhe­ben, ohne dass der Plan ins­ge­samt zu bunt erscheint und des­halb nicht mehr les­bar wäre. Die Kar­te wei­se zudem eine spe­zi­el­le und prä­gen­de Aus­wahl von gekenn­zeich­ne­ten Gebäu­den, Sehens­wür­dig­kei­ten und Bus­li­ni­en nebst Hal­te­stel­len auf. Die Kom­bi­na­ti­on die­ser Ele­men­te ver­leiht der Kar­te ihr indi­vi­du­el­les Erschei­nungs­bild.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Febru­ar 2014 – I ZR 121/​13

  1. vgl. Thum in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 7 Rn. 12 ff.; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 7 Rn. 6 ff.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.05.2007 – I ZR 130/​04, BGHZ 172, 268 Rn. 23 Gedicht­ti­tel­lis­te I; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 7 Rn. 8; Schul­ze in Dreier/​Schulze, UrhG, 4. Aufl., § 7 Rn. 9; Thum in Wandtke/​Bullinger aaO § 7 Rn. 15[]
  3. BGH, Urteil vom 23.06.2005 – I ZR 227/​02, GRUR 2005, 854, 856 = WRP 2005, 854 Kar­ten-Grund­sub­stanz[]
  4. BGH, Urteil vom 28.05.1998 – I ZR 81/​96, BGHZ 139, 68, 71 Stadt­plan­werk[]
  5. BGHZ 139, 68, 72 Stadt­plan­werk; BGH, GRUR 2005, 854, 856 Kar­ten-Grund­sub­stanz[]