Urhe­ber­rechts­ab­ga­be per Gesamt­ver­trag fürs Hoch­schul-Intra­net

Soweit die Fest­set­zun­gen eines Gesamt­ver­trags von ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen in ande­ren Gesamt­ver­trä­gen oder von Vor­schlä­gen der Schieds­stel­le abwei­chen, kann nicht ange­nom­men wer­den, dass sie bil­li­gem Ermes­sen (§ 16 Abs. 4 Satz 3 UrhWG) ent­spre­chen, wenn das Ober­lan­des­ge­richt kei­nen über­zeu­gen­den Grund für die Abwei­chun­gen genannt hat.

Urhe­ber­rechts­ab­ga­be per Gesamt­ver­trag fürs Hoch­schul-Intra­net

Nach § 12 UrhWG ist eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ver­pflich­tet, einen Gesamt­ver­trag zu ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen über die von ihr wahr­ge­nom­me­nen Rech­te und Ansprü­che abzu­schlie­ßen.

Nach­dem sich die Par­tei­en über den Abschluss eines sol­chen Gesamt­ver­trags nicht geei­nigt haben, kann jeder Betei­lig­te – also nicht nur die nach § 12 UrhWG Anspruchs­be­rech­tig­ten, son­dern auch die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft 1 – nach vor­aus­ge­gan­ge­ner Anru­fung der Schieds­stel­le (§ 14 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. c, § 16 Abs. 1 UrhWG) vor dem für den Sitz der Schieds­stel­le zustän­di­gen Ober­lan­des­ge­richt, also vor dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen, Kla­ge auf Fest­set­zung des Gesamt­ver­trags erhe­ben (§ 16 Abs. 1 und 4 UrhWG).

Die Fest­set­zung eines Gesamt­ver­trags durch das Ober­lan­des­ge­richt erfolgt nach bil­li­gem Ermes­sen (§ 16 Abs. 4 Satz 3 UrhWG). Sie ist eine rechts­ge­stal­ten­de Ent­schei­dung, für die dem Ober­lan­des­ge­richt ein wei­ter Ermes­sen­spiel­raum ein­ge­räumt ist. Sie kann vom Revi­si­ons­ge­richt – abge­se­hen von gerüg­ten Ver­fah­rens­ver­stö­ßen – nur dar­auf über­prüft wer­den, ob das Ober­lan­des­ge­richt sein Ermes­sen feh­ler­frei aus­ge­übt hat; das ist dann nicht der Fall, wenn das Ober­lan­des­ge­richt den Begriff der Bil­lig­keit ver­kannt oder die gesetz­li­chen Gren­zen sei­nes Ermes­sens über­schrit­ten oder von sei­nem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat oder von einem recht­lich unzu­tref­fen­den Ansatz aus­ge­gan­gen ist, der ihm den Zugang zu einer feh­ler­frei­en Ermes­sens­aus­übung ver­sperrt hat. Die Begrün­dung der fest­set­zen­den Ent­schei­dung muss dem Revi­si­ons­ge­richt die Mög­lich­keit geben, in eine sol­che – ein­ge­schränk­te – Über­prü­fung ein­zu­tre­ten. Ins­be­son­de­re muss sich aus ihr erge­ben, wes­halb von ver­gleich­ba­ren Rege­lun­gen in ande­ren Gesamt­ver­trä­gen abge­wi­chen oder Vor­schlä­gen der Schieds­stel­le nicht gefolgt wird 2.

Ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen in ande­ren Gesamt­ver­trä­gen kön­nen ins­be­son­de­re dann, wenn die­se Ver­trä­ge zwi­schen den Par­tei­en oder unter Betei­li­gung einer der Par­tei­en geschlos­sen wor­den sind, einen gewich­ti­gen Anhalts­punkt für die Bil­lig­keit einer Rege­lung bie­ten. Danach sind im Streit­fall vor allem die Rege­lun­gen des "Gesamt­ver­trag Schu­len" zu berück­sich­ti­gen, der nicht nur zwi­schen den Par­tei­en geschlos­sen wor­den ist, son­dern dar­über hin­aus auch Sprach­wer­ke erfasst. Fer­ner sind die Rege­lun­gen des "Gesamt­ver­trag Hoch­schu­len" zu berück­sich­ti­gen, den die Beklag­ten mit ande­ren Ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten ver­ein­bart haben.

Dar­über hin­aus bie­tet auch der Eini­gungs­vor­schlag der Schieds­stel­le einen Anhalts­punkt für eine ange­mes­se­ne Rege­lung. Der Gesetz­ge­ber hat die Anru­fung der Schieds­stel­le zu einer zwin­gen­den Vor­aus­set­zung für die Erhe­bung einer Kla­ge auf Fest­set­zung eines Gesamt­ver­trags gemacht, um sicher­zu­stel­len, dass vor einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung die sach­kun­di­ge Schieds­stel­le in einem jus­tiz­för­mi­gen Ver­fah­ren ein Votum abgibt, an dem sich nicht nur die Par­tei­en ori­en­tie­ren kön­nen, son­dern das auch dem Ober­lan­des­ge­richt als Richt­schnur die­nen kann. Die Schieds­stel­le ist wesent­lich häu­fi­ger als das Ober­lan­des­ge­richt mit Gesamt­ver­trags­ver­fah­ren und der Über­prü­fung von Tari­fen befasst und daher beson­ders sach­kun­dig. Ein über­zeu­gend begrün­de­ter Eini­gungs­vor­schlag der Schieds­stel­le hat daher eine gewis­se Ver­mu­tung der Ange­mes­sen­heit für sich. Abwei­chun­gen von einem sol­chen Vor­schlag müs­sen daher gleich­falls über­zeu­gend begrün­det wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. März 2013 – I ZR 84/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 05.04.2001 – I ZR 132/​98, GRUR 2001,1139, 1142 = WRP 2001, 1345 – Gesamt­ver­trag pri­va­ter Rund­funk, mwN[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2001, 1139, 1142 – Gesamt­ver­trag pri­va­ter Rund­funk, mwN[]