Urhe­ber­rechts­schutz von Lern­spie­len

Lern­spie­le kön­nen nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hof nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art urhe­ber­recht­lich geschützt sein.

Urhe­ber­rechts­schutz von Lern­spie­len

In dem heu­te vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ent­wi­ckelt und ver­treibt die Klä­ge­rin Lern­spie­le, die aus meh­re­ren Übungs­hef­ten und einem Kon­troll­ge­rät bestehen. Die Lern­spie­le wer­den in drei Vari­an­ten ange­bo­ten, denen die­sel­be Spiel­idee zugrun­de liegt. So besteht das Kon­troll­ge­rät eines der Lern­spie­le aus einem fla­chen Kunst­stoff­kas­ten, in dem zwölf qua­dra­ti­sche Plätt­chen in zwei Rei­hen zu je sechs Plätt­chen auf dafür vor­ge­se­he­nen Fel­dern lie­gen. Die Plätt­chen sind auf der Vor­der­sei­te von eins bis zwölf durch­num­me­riert und auf der Rück­sei­te mit roten, blau­en oder grü­nen Farb­mus­tern ver­se­hen. Die Auf­ga­be des Anwen­ders besteht dar­in, die Plätt­chen nach der Auf­ga­ben­stel­lung des Übungs­hef­tes einem bestimm­ten Feld zuzu­ord­nen. Hat der Anwen­der die Auf­ga­be rich­tig gelöst, kann er dies, wenn er das Kon­troll­ge­rät umdreht, dar­an erken­nen, dass die Rück­sei­ten der Plätt­chen ein har­mo­ni­sches, im Übungs­heft zur Kon­trol­le abge­bil­de­tes Mus­ter bil­den.

Die Beklag­te hat Lern­spie­le her­ge­stellt und ver­trie­ben, die weit­ge­hend nach dem­sel­ben Prin­zip wie die Lern­spie­le der Klä­ge­rin funk­tio­nie­ren. Die Klä­ge­rin ist der Ansicht, die Beklag­te habe dadurch das Urhe­ber­recht an ihren Lern­spie­len ver­letzt. Sie nimmt die Beklag­te auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz in Anspruch.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Köln hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1, auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln das land­ge­richt­li­che Urteil jedoch auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen 2. Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat nun der Bun­des­ge­richts­hof die­ses Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt Köln zurück­ver­wie­sen.

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs kön­nen die Lern­spie­le der Klä­ge­rin als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 UrhG urhe­ber­recht­lich geschützt sein. Für Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art ist es begriffs­we­sent­lich, dass sie der Ver­mitt­lung von beleh­ren­den oder unter­rich­ten­den Infor­ma­tio­nen die­nen. Die Kon­troll­ge­rä­te ver­mit­teln im Zusam­men­spiel mit den Übungs­hef­ten sol­che Infor­ma­tio­nen. Bereits der Dar­stel­lung ein­fachs­ter "wis­sen­schaft­li­cher" Erkennt­nis­se kann Urhe­ber­rechts­schutz zukom­men. Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung sei aus­ge­schlos­sen, weil sich die Inhal­te und Auf­ga­ben der Übungs­hef­te der Beklag­ten von denen der Klä­ge­rin unter­schei­den. Nach Auf­fas­sung des BGH kann mit die­ser Begrün­dung eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung nicht ver­neint wer­den. Für den Urhe­ber­rechts­schutz einer Dar­stel­lung wis­sen­schaft­li­cher Art ist der dar­ge­stell­te Inhalt ohne Bedeu­tung. Es kommt nicht dar­auf an, was, son­dern wie etwas dar­ge­stellt wird. Nur die Form der Dar­stel­lung kann deren Urhe­ber­rechts­schutz begrün­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt wird daher zu prü­fen haben, ob die Lern­spie­le der Klä­ge­rin eine so eigen­tüm­li­che Form­ge­stal­tung auf­wei­sen, dass sie als Dar­stel­lun­gen wis­sen­schaft­li­cher Art Urhe­ber­rechts­schutz genie­ßen. Hier­für reicht es schon aus, dass sich die Gestal­tung vom all­täg­li­chen Schaf­fen im betrof­fe­nen Bereich der Lern­spie­le abhebt, auch wenn das Maß der geis­ti­gen Leis­tung und indi­vi­du­el­len Prä­gung gering ist. Soll­ten die Lern­spie­le der Klä­ge­rin aller­dings nur ein gerin­ges Maß an Eigen­tüm­lich­keit haben, könn­ten bereits ver­hält­nis­mä­ßig gering­fü­gi­ge Abwei­chun­gen in der Gestal­tung der Lern­spie­le der Beklag­ten zur Fol­ge haben, dass kei­ne Urhe­ber­rechts­ver­let­zung vor­liegt. Auch dies wird das Beru­fungs­ge­richt gege­be­nen­falls zu prü­fen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Juni 2011 – I ZR 140/​09 – Lern­spie­le

  1. LG Köln, Urteil vom 03.12.2008 – 28 O 483/​06[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 28.08.2009 – 6 U 225/​08, GRUR-RR 2010, 147 = ZUM 2010, 176[]