Urhe­ber­rechts­ver­gü­tung bei Dru­ckern und PCs

Der Bun­des­ge­richts­hofs leis­tet einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Fol­ge und legt nun dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on im Rah­men meh­re­rer Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen Fra­gen zur urhe­ber­recht­li­chen Ver­gü­tungs­pflicht von Dru­ckern und PCs vor.

Urhe­ber­rechts­ver­gü­tung bei Dru­ckern und PCs

Der Urhe­ber eines Wer­kes hat­te nach dem bis Ende 2007 gel­ten­den und in den zu ent­schei­den­den Fäl­len noch anzu­wen­den­den Recht einen Ver­gü­tungs­an­spruch gegen den Her­stel­ler, den Impor­teur und den Händ­ler von Gerä­ten, wenn die­se Gerä­te dazu bestimmt sind, ein der­ar­ti­ges Werk "durch Ablich­tung eines Werk­stücks oder in einem Ver­fah­ren ver­gleich­ba­rer Wir­kung" zu ver­viel­fäl­ti­gen (§ 54a Abs. 1 Satz 1 UrhG aF). Die­ser Ver­gü­tungs­an­spruch soll dem Urhe­ber einen Aus­gleich dafür ver­schaf­fen, dass Ver­viel­fäl­ti­gun­gen sei­nes Wer­kes zum eige­nen Gebrauch unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auch ohne sei­ne Zustim­mung zuläs­sig sind.

Die Klä­ge­rin, die VG Wort, nimmt die urhe­ber­recht­li­chen Befug­nis­se von Wort­au­toren und Ver­le­gern wahr.

Die Beklag­ten ver­trei­ben in Deutsch­land Dru­cker und PCs, die sie selbst her­stel­len oder impor­tie­ren.

Die Klä­ge­rin nimmt die unter­schied­li­chen Beklag­ten in vier ver­schie­de­nen Ver­fah­ren auf Zah­lung einer Ver­gü­tung für die­se Gerä­te in Anspruch.

In der Vor­in­stanz haben die hier­mit befass­ten Ober­lan­des­ge­rich­te Stutt­gart 1 und Mün­chen 2 den dort erho­be­nen Kla­gen weit­ge­hend statt­ge­ge­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te die­se Urtei­le auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen 3.

In zwei wei­te­ren Ver­fah­ren hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf die dort erho­be­nen Kla­gen abge­wie­sen 4. Der BGH hat die Revi­si­on gegen die­se Urtei­le zurück­ge­wie­sen 5.

Auf die hier­ge­gen erho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­den der VG Wort hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jedoch sämt­li­che Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs auf­ge­ho­ben und die Sachen an den Bun­des­ge­richts­hof zurück­ver­wie­sen 6. Dabei hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt u.a. kri­ti­siert, dass der Bun­des­ge­richts­hof kei­ne Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ein­ge­holt und damit das Recht der Klä­ge­rin auf den gesetz­li­chen Rich­ter ver­letzt hat­te.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ver­fah­ren nun­mehr aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on eini­ge Fra­gen zur Aus­le­gung der "Richt­li­nie 2001/​29/​EG zur Har­mo­ni­sie­rung bestimm­ter Aspek­te des Urhe­ber­rechts und der ver­wand­ten Schutz­rech­te in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft" zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner jet­zi­gen Beschluss­be­grün­dung stellt sich zunächst im Blick dar­auf, dass nach § 54a Abs. 1 Satz 1 UrhG aF eine Ver­gü­tungs­pflicht nur für Gerä­te besteht, die dazu bestimmt sind, ein Werk "durch Ablich­tung eines Werk­stücks oder in einem Ver­fah­ren ver­gleich­ba­rer Wir­kung" zu ver­viel­fäl­ti­gen, die Fra­ge, ob es sich bei Ver­viel­fäl­ti­gun­gen mit­tels Dru­ckern und PCs um der­ar­ti­ge Ver­viel­fäl­ti­gun­gen "mit­tels belie­bi­ger foto­me­cha­ni­scher Ver­fah­ren oder ande­rer Ver­fah­ren mit ähn­li­cher Wir­kung" im Sin­ne von Art. 5 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie han­delt. Bei der Beant­wor­tung die­ser Fra­ge dürf­te es – so der Bun­des­ge­richts­hof – dar­auf ankom­men, inner­halb wel­cher Gerä­te­ket­ten Dru­cker und PCs zur Vor­nah­me von Ver­viel­fäl­ti­gun­gen ver­wen­det wer­den. Mit einer aus Scan­ner, PC und Dru­cker bestehen­den Gerä­te­ket­te kön­nen Ver­viel­fäl­ti­gun­gen wie mit einem her­kömm­li­chen Foto­ko­pier­ge­rät her­ge­stellt wer­den. Bei einer nur aus PC und Dru­cker bestehen­den Funk­ti­ons­ein­heit ist dies nicht der Fall, weil damit nur digi­ta­le Vor­la­gen ver­viel­fäl­tigt wer­den kön­nen.

Für den Fall, dass die­se Fra­ge zu beja­hen ist, hat der Bun­des­ge­richts­hof dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge vor­ge­legt, ob die Anfor­de­run­gen der Richt­li­nie an einen gerech­ten Aus­gleich für Aus­nah­men oder Beschrän­kun­gen in Bezug auf das Ver­viel­fäl­ti­gungs­recht (Art. 5 Abs. 2 und 3 der Richt­li­nie) unter Berück­sich­ti­gung des Grund­rechts auf Gleich­be­hand­lung (Art. 20 der EU-Grund­rech­te­char­ta) auch dann erfüllt sein kön­nen, wenn nicht die Her­stel­ler, Impor­teu­re und Händ­ler der Dru­cker oder der PCs, son­dern die Her­stel­ler, Impor­teu­re und Händ­ler eines ande­ren Geräts oder meh­re­rer ande­rer Gerä­te einer zur Vor­nah­me ent­spre­chen­der Ver­viel­fäl­ti­gun­gen geeig­ne­ten Gerä­te­ket­te den gerech­ten Aus­gleich der Rechts­in­ha­ber zu finan­zie­ren haben.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bis­lang die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es sei grund­sätz­lich nur das­je­ni­ge Gerät einer sol­chen Funk­ti­ons­ein­heit nach § 54a Abs. 1 UrhG ver­gü­tungs­pflich­tig, das am deut­lichs­ten dazu bestimmt ist, zusam­men mit den ande­ren Gerä­ten wie ein Ver­viel­fäl­ti­gungs­ge­rät ein­ge­setzt zu wer­den; in der aus Scan­ner, PC und Dru­cker bestehen­den Funk­ti­ons­ein­heit sei dies der Scan­ner.

Soweit Dru­cker und PCs dem Grun­de nach zu den ver­gü­tungs­pflich­ti­gen Ver­viel­fäl­ti­gungs­ge­rä­ten gehö­ren soll­ten, stel­len sich nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs im Zusam­men­hang mit der Bemes­sung der Höhe der Ver­gü­tung wei­te­re Fra­gen zur Aus­le­gung der Richt­li­nie. Ins­be­son­de­re stellt sich die Fra­ge – so der BGH – ob die Mit­glied­staa­ten auch dann für Ein­schrän­kun­gen des Ver­viel­fäl­ti­gungs­rechts einen im Sin­ne der Richt­li­nie gerech­ten Aus­gleich zuguns­ten der Rechts­in­ha­ber vor­se­hen müs­sen oder dür­fen, wenn die Rechts­in­ha­ber einer Ver­viel­fäl­ti­gung ihrer Wer­ke aus­drück­lich oder kon­klu­dent zuge­stimmt haben.

Nach der seit dem 1. Janu­ar 2008 gel­ten­den Rege­lung, die in den in Rede ste­hen­den Fäl­len noch nicht anzu­wen­den ist, besteht ein Ver­gü­tungs­an­spruch hin­sicht­lich sämt­li­cher Gerä­te­ty­pen, die zur Vor­nah­me von bestimm­ten Ver­viel­fäl­ti­gun­gen zum eige­nen Gebrauch benutzt wer­den (§ 54 Abs. 1 UrhG). Der Ver­gü­tungs­an­spruch hängt danach nicht mehr davon ab, dass die Gerä­te dazu bestimmt sind, ein Werk "durch Ablich­tung eines Werk­stücks oder in einem Ver­fah­ren ver­gleich­ba­rer Wir­kung" zu ver­viel­fäl­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof Beschlüs­se vom 21. Juli 2011 – I ZR 162/​10 ["Dru­cker und Plot­ter II"], I ZR 30/​11 ["PC II"], I ZR 28/​11 und I ZR 29/​11

  1. OLG Stutt­gart, Urteil vom 11.05.2005 – 4 U 20/​05, GRUR 2005, 943[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 15.12.2005 – 29 U 1913/​05, ZUM 2006, 239[]
  3. BGH, Urtei­le vom 06.12.2007 – I ZR 94/​05, BGHZ 174, 359 – "Dru­cker und Plot­ter I"; und vom 02.10.2008 – I ZR 18/​06, GRUR 2009, 53 – "PC I"[]
  4. OLG Düs­sel­dorf – Urtei­le vom 23.01.2007 – 20 U 38/​06, GRUR 2007, 416; und vom 13.11.2007 – 20 U 186/​06, MMR 2008, 100[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 14.08.2008 – I ZR 17/​07 und I ZR 208/​07[]
  6. BVerfG, Beschluss vom 30.08.2010 – 1 BvR 1631/​08, GRUR 2010, 999; und Beschlüs­se vom 21.12.2010 – 1 BvR 506/​09, GRUR 2011, 225; 1 BvR 2760/​08, GRUR 2011, 223; und 1 BvR 2742/​08, CR 2011, 86[]