Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – und die Erstat­tung der Abmahn­kos­ten

Nach § 97a Abs. 1 UrhG aF soll der Ver­letz­te den Ver­let­zer vor Ein­lei­tung eines gericht­li­chen Ver­fah­rens auf Unter­las­sung abmah­nen und ihm Gele­gen­heit geben, den Streit durch Abga­be einer mit einer ange­mes­se­nen Ver­trags­stra­fe bewehr­ten Unter­las­sungs­ver­pflich­tung bei­zu­le­gen.

Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – und die Erstat­tung der Abmahn­kos­ten

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof für einen kla­ge­wei­se gel­tend gemach­ten Anspruch auf Erstat­tung von Abmahn­kos­ten, auf den noch § 97a UrhG in der bis zum 8.10.2013 gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den war. Die durch das Gesetz über unse­riö­se Geschäfts­prak­ti­ken vom 01.10.2013 [1] mit Wir­kung ab dem 9.10.2013 ein­ge­führ­ten Neu­re­ge­lun­gen zur Wirk­sam­keit der Abmah­nung und zur Begren­zung der erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten nach § 97a Abs. 2 und 3 Satz 2 und 3 UrhG nF gel­ten erst für Abmah­nun­gen, die nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes über unse­riö­se Geschäfts­prak­ti­ken aus­ge­spro­chen wor­den sind. Für den Anspruch auf Erstat­tung von Abmahn­kos­ten kommt es auf die Rechts­la­ge zum Zeit­punkt der Abmah­nung an [2].

Soweit die Abmah­nung berech­tigt ist, kann der Ersatz der erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen ver­langt wer­den. Danach besteht ein Anspruch auf Ersatz der Abmahn­kos­ten, wenn die Abmah­nung begrün­det gewe­sen ist, ihr also ein mate­ri­el­ler Unter­las­sungs­an­spruch zugrun­de gele­gen hat. Dar­über hin­aus muss die Abmah­nung wirk­sam und erfor­der­lich sein, um dem Unter­las­sungs­schuld­ner einen Weg zu wei­sen, den Unter­las­sungs­gläu­bi­ger ohne Inan­spruch­nah­me der Gerich­te klag­los zu stel­len [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. März 2017 – I ZR 124/​16

  1. BGBl I, S. 3714[]
  2. vgl. zu § 97a Abs. 1 Satz 2 UrhG aF BGH, Urteil vom 28.09.2011 – I ZR 145/​10, ZUM 2012, 34 Rn. 8, mwN; Urteil vom 08.01.2014 – I ZR 169/​12, BGHZ 200, 76 Rn. 11 – Bear­Sha­re; Urteil vom 11.06.2015 – I ZR 75/​14, GRUR 2016, 191 Rn. 56 = WRP 2016, 73 – Tausch­bör­se III[]
  3. BGH, Urteil vom 21.01.2010 – I ZR 47/​09, GRUR 2010, 354 Rn. 8 = WRP 2010, 525 – Kräu­ter­tee; Urteil vom 19.05.2010 – I ZR 140/​08, GRUR 2010, 1120 Rn. 16 = WRP 2010, 1495 – Voll­machts­nach­weis; Urteil vom 11.06.2015 – I ZR 7/​14, GRUR 2016, 184 Rn. 55 ff. = WRP 2016, 66 Tausch­bör­se II; Urteil vom 12.05.2016 – I ZR 1/​15, GRUR 2016, 1275 Rn.20 = WRP 2016, 1525 – Tannöd[]