Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – Täter­schaft und Teil­nah­me

Wer den objek­ti­ven Tat­be­stand einer Urhe­ber­rechts­ver­let­zung in eige­ner Per­son erfüllt, haf­tet als Täter auch ohne Ver­schul­den nach § 97 Abs. 1 Satz 1 UrhG auf Unter­las­sung.

Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – Täter­schaft und Teil­nah­me

Wer als blo­ße unselb­stän­di­ge Hilfs­per­son tätig wird, haf­tet nicht als Täter einer Urhe­ber­rechts­ver­let­zung. Unselb­stän­di­ge Hilfs­per­son ist, wer auf­grund sei­ner unter­ge­ord­ne­ten Stel­lung kei­ne eige­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis und kei­ne Herr­schaft über die Rechts­ver­let­zung hat.

Als Täter einer Urhe­ber­rechts­ver­let­zung haf­tet der­je­ni­ge auf Unter­las­sung, der die Merk­ma­le eines Ver­let­zungs­tat­be­stands selbst, in mit­tel­ba­rer Täter­schaft oder in Mit­tä­ter­schaft erfüllt [1]. Dazu genügt gemäß § 97 Abs. 1 Satz 1 UrhG grund­sätz­lich die Ver­wirk­li­chung des objek­ti­ven Tat­be­stands. Anders als der Scha­dens­er­satz­an­spruch ist der Unter­las­sungs­an­spruch gegen den Täter einer Urhe­ber­rechts­ver­let­zung immer dann gege­ben, wenn er den objek­ti­ven Tat­be­stand einer Urhe­ber­rechts­ver­let­zung in eige­ner Per­son erfüllt. Ein Ver­schul­den ist nicht Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer Täter­schaft [2].

Eine urhe­ber­recht­li­che Ver­ant­wort­lich­keit trifft aller­dings den­je­ni­gen nicht, der als blo­ße Hilfs­per­son tätig wird und daher kei­ne Herr­schaft über die Rechts­ver­let­zung hat. Ent­schei­dend ist für die Ein­ord­nung als unselb­stän­di­ge Hilfs­per­son, dass die­ser die ver­let­zen­de Hand­lung in sozi­al­ty­pi­scher Hin­sicht nicht als eige­ne zuge­rech­net wer­den kann, weil sie auf­grund ihrer unter­ge­ord­ne­ten Stel­lung kei­ne eige­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis hat [3]. Zu die­ser Per­so­nen­grup­pe zäh­len typi­scher­wei­se Boten, Brief­trä­ger, Zustel­ler, Pla­kat­kle­ber und Pro­spekt­ver­tei­ler.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – I ZR 88/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2013 – I ZR 216/​11, GRUR 2013, 1229 Rn. 29 = WRP 2013, 1613 Kin­der­hoch­stüh­le im Inter­net II; Ver­säum­nis­ur­teil vom 12.02.2015 – I ZR 204/​13, GRUR 2015, 987 Rn. 15 = WRP 2015, 1228 – Tras­sen­fie­ber[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.03.2009 – I ZR 114/​06, GRUR 2009, 597 Rn. 16 bis 20 = WRP 2009, 730 Halz­band; J. B. Nor­de­mann in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 11. Aufl., § 97 UrhG Rn. 29; Wild in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 97 UrhG Rn. 122; Meckel in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 97 UrhG Rn. 26; Reber in Möhring/​Nicolini, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 97 UrhG Rn. 36, 39; v. Wolff in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 97 UrhG Rn. 35; Dreier/​Specht in Dreier/​Schulze, UrhG, 5. Aufl., § 97 Rn. 40; aA LG Düs­sel­dorf, ZUM-RD 2009, 279, 280[]
  3. vgl. Dreier/​Specht in Dreier/​Schulze aaO § 97 Rn. 32; Wild in Schricker/​Loewenheim aaO § 97 UrhG Rn. 76; J. B. Nor­de­mann in Fromm/​Nordemann aaO § 97 UrhG Rn. 148 f.; Reber in Möhring/​Nicolini aaO § 97 UrhG Rn. 47[]