Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen – und die Her­aus­ga­be des Gewinns

Für einen ursäch­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen dem mit der Ver­öf­fent­li­chung einer Zeit­schrift erziel­ten Gewinn und den in der Zeit­schrift erschie­ne­nen Bei­trä­gen reicht es aus, dass die Bezie­her der Zeit­schrift bei Abschluss ihrer Ver­trä­ge erwar­te­ten, dass in den Hef­ten der­ar­ti­ge Bei­trä­ge erschei­nen [1].

Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen – und die Her­aus­ga­be des Gewinns

Der Ver­letz­te kann nach § 97 Abs. 1 UrhG in der zum Zeit­punkt der Rechts­ver­let­zung maß­geb­li­chen Fas­sung vom 23.06.1995 Ent­spre­chen­des gilt für § 97 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 und 2 UrhG in der nun­mehr gül­ti­gen Fas­sung vom 07.07.2008 die Her­aus­ga­be nur des Gewinns ver­lan­gen, der durch die Ver­let­zung sei­nes nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz geschütz­ten Rechts erzielt wor­den ist. Er kann dage­gen nicht die Her­aus­ga­be des Gewinns bean­spru­chen, der auf ande­ren Umstän­den – wie etwa der Ver­let­zung der Rech­te ande­rer – beruht [2].

Im Übri­gen trägt der Autor bzw. Her­aus­ge­ber als Anspruch­stel­ler nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür, ob und inwie­weit der mit der Ver­öf­fent­li­chung der Zeit­schrift erziel­te Gewinn auf der Ver­let­zung sei­nes Rechts als Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift beruht [3].

Nichts ande­res folgt dar­aus, dass die Fra­ge des Beru­hens des Ver­let­zer­ge­winns auf einer Rechts­ver­let­zung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht im Sin­ne einer adäqua­ten Kau­sa­li­tät, son­dern ver­gleich­bar mit der Bemes­sung der Mit­ver­schul­dens­an­tei­le im Rah­men des § 254 BGB – im Sin­ne einer wer­ten­den Zurech­nung zu ver­ste­hen ist [4]. Damit ist nicht gesagt, dass der Anspruchs­geg­ner, der beim Ein­wand des Mit­ver­schul­dens die Dar­le­gungs- und Beweis­last für ein Mit­ver­schul­den des Anspruch­stel­lers trägt [5], beim Anspruch auf Her­aus­ga­be des Ver­let­zer­ge­winns die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür trägt, dass der Gewinn nicht auf der Ver­let­zung beruht. Viel­mehr ist damit nur gemeint, dass es bei der Prü­fung, ob und inwie­weit der Ver­let­zer­ge­winn auf die Rechts­ver­let­zung zurück­zu­füh­ren ist, nicht auf eine adäqua­te Kau­sa­li­tät, son­dern auf eine wer­ten­de Zurech­nung ankommt.

Der Annah­me, ein Teil des Ver­let­zer­ge­winns beru­he auf einer Ver­let­zung des Urhe­ber­rechts der Autoren der in der Zeit­schrift erschie­ne­nen Bei­trä­ge, steht nicht ent­ge­gen, dass die Bezie­her der Zeit­schrift bei Abschluss ihrer Ver­trä­ge noch nicht wuss­ten, wel­che Arti­kel in Zukunft in wel­chem Heft erschei­nen. Für einen ursäch­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen dem mit der Ver­öf­fent­li­chung der Zeit­schrift erziel­ten Gewinn und den in der Zeit­schrift erschie­ne­nen Bei­trä­gen reicht es aus, dass die Bezie­her der Zeit­schrift bei Abschluss ihrer Ver­trä­ge erwar­te­ten, dass in den Hef­ten der­ar­ti­ge Bei­trä­ge erschei­nen [6].

Es kommt auch nicht dar­auf an, ob die Autoren ihre Nut­zungs­rech­te an den Bei­trä­gen dem Klä­ger als Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift – wie die­ser behaup­tet – unent­gelt­lich ein­ge­räumt haben. Gegen­stand des vor­lie­gen­den Rechts­streits ist allein der Anspruch des Klä­gers auf Her­aus­ga­be des Gewinns aus der Ver­öf­fent­li­chung der Zeit­schrift, der auf der Ver­let­zung sei­ner Rech­te als Her­aus­ge­ber beruht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Juli 2014 – I ZR 27/​13

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 25.03.2010 – I ZR 122/​08, GRUR 2010, 1090 = WRP 2010, 1520 Wer­bung des Nach­rich­ten­sen­ders; Urteil vom 16.08.2012 – I ZR 96/​09, ZUM 2013, 406[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 30.01.1959 – I ZR 82/​57, GRUR 1959, 379, 380 – Gas­paro­ne I; Urteil vom 14.05.2009 – I ZR 98/​06, BGHZ 181, 98 Rn. 41 – Tripp-Trapp-Stuhl; Urteil vom 25.03.2010 – I ZR 122/​08, GRUR 2010, 1090 Rn.20 = WRP 2010, 1520 – Wer­bung des Nach­rich­ten­sen­ders, mwN; zum Patent­recht vgl. BGH, Urteil vom 24.07.2012 – X ZR 51/​11, BGHZ 194, 194 Rn. 17 bis 21 Fla­schen­trä­ger, mwN[]
  3. vgl. BGHZ 181, 98 Rn. 45 Tripp-Trapp-Stuhl[]
  4. BGHZ 181, 98 Rn. 41 – Tripp-Trapp-Stuhl[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 11.01.2007 – III ZR 116/​06, NJW 2007, 1063 Rn. 14[]
  6. vgl. zum ursäch­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen den Wer­be­ein­nah­men eines Nach­rich­ten­sen­ders und der Aus­strah­lung einer Bild­fol­ge durch die­sen Nach­rich­ten­sen­der BGH, GRUR 2010, 1090 Rn. 23 Wer­bung des Nach­rich­ten­sen­ders; zum ursäch­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen den Anzei­gen­er­lö­sen einer Tages­zei­tung und der Ver­öf­fent­li­chung von Ein­zel­bil­dern aus Film­auf­nah­men durch die­se Tages­zei­tung BGH, Urteil vom 16.08.2012 – I ZR 96/​09, ZUM 2013, 406 Rn. 24[]