Urteil: Diskriminiert die SCHUFA Frauen?

Die SCHUFA ist in nahezu jeden Kreditvertrag involviert: Gibt die Auskunftei kein grünes Licht, gewähren Banken keinen Kredit. Doch die Scorewerte der SCHUFA sind für Verbraucher eine Blackbox. Die Rechtsprechung bestätigt nun: Die Auskunftei muss die Zusammensetzung ihrer Scores nicht offenlegen. Außerdem dürfen sich Verbraucher bei einer vermuteten Ungleichbehandlung nicht auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz berufen.

Urteil: Diskriminiert die SCHUFA Frauen?

Anfang des Jahres hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die SCHUFA sich bei der Zusammensetzung ihrer Scorewerte auf ihr Geschäftsgeheimnis berufen könne und das exakte Zustandekommen ihrer Beurteilung der Bonität einer Person nicht darlegen müsse. Die Richter befanden, dass es ausreiche, die zur Beurteilung herangezogenen Daten zu nennen, nicht aber ihre Reihenfolge oder Gewichtung.

SCHUFA muss Scorewerte nicht offenlegen

Anfang März folgte ein weiteres Urteil des Oberlandesgerichts München. Eine Frau hatte gegen die Auskunftei geklagt weil sie sich diskriminiert sah: Trotz identischer Merkmale wies ihre Bonitätsauskunft eine schlechtere Bewertung auf als die ihres Mannes. Das Gericht wies die Forderung nach Schadenersatz jedoch zurück: Bonitätsbewertungen seien als Meinungsäußerungen und nicht als Tatsachenbehauptungen zu verstehen. Den Einfluss des Geschlechts auf die Bonitätsbewertung konnte das Gericht allerdings nicht ermitteln – nicht zuletzt aufgrund des BGH-Urteils.

Die SCHUFA übermittelt Banken und anderen Vertragspartnern so genannte Wahrscheinlichkeitswerte, die für jede Branche (Banken, Telekommunikation, Handel) unterschiedlich berechnet werden. Die Scorewerte werden im Vorfeld von Vertragsabschlüssen übermittelt und geben die von der SCHUFA berechnete Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls an. Wolfgang Lohr, Redaktionsleiter des Vergleichsportals sofortkredit.com erklärt gegenüber Rechtslupe jedoch, dass der Basisscore nicht viel über die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers aussagt.

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Basisscore sagt wenig über Kreditwürdigkeit

Die auch als „Branchenscores“ bezeichneten Wahrscheinlichkeitswerte werden im Rahmen einer (kostenlosen) Selbstauskunft übermittelt – allerdings nur bezogen auf die in den zurückliegenden zwölf Monaten an Vertragspartner übermittelten Werte. Die aktuellen Werte müssen zusätzlich geordert werden. Die Scorewerte können sich jederzeit ändern, wenn der SCHUFA neue Informationen vorliegen, alte Informationen gelöscht werden oder die Berechnungsmethode geändert wird.

Die Branchenscores sind nicht mit dem SCHUFA Basisscore zu verwechseln, der einmal pro Quartal ermittelt und ebenfalls im Rahmen der Selbstauskunft mitgeteilt wird. Der Basisscore liefert lediglich einen groben Richtwert und kann mitunter deutlich von den Branchenscores abweichen. Er wird als Prozentsatz von 100 angegeben; Werte im Bereich von 97 bis 99 gelten als durchschnittlich.

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