Ver­ein­ba­run­gen zur Sach­ver­stän­di­gen­ent­schä­di­gung

Die Par­tei­en kön­nen sich auch nach Her­an­zie­hung eines Sach­ver­stän­di­gen mit einer abwei­chend von der gesetz­li­chen Rege­lung zu bemes­sen­den Ver­gü­tung wirk­sam ein­ver­stan­den erklä­ren, wenn ein aus­rei­chen­der Betrag für die sich dar­aus erge­ben­de Ver­gü­tung an die Staats­kas­se gezahlt ist.

Ver­ein­ba­run­gen zur Sach­ver­stän­di­gen­ent­schä­di­gung

Inso­weit genügt die Erklä­rung nur einer Par­tei, soweit sie sich auf den Stun­den­satz nach § 9 JVEG bezieht und das Gericht zustimmt, wobei über die Zustim­mung unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu ent­schei­den ist und hier­bei ins­be­son­de­re auch die Inter­es­sen der kos­ten­tra­gungs­pflich­ti­gen Par­tei zu berück­sich­ti­gen sind.

So wur­de im vor­lie­gen­den Fall vom Bun­des­ge­richts­hof der gesetz­li­che Hono­rar­satz (hier: von 95 €), nach­dem die vom Sach­ver­stän­di­gen begehr­te Über­schrei­tung des Hono­rar­sat­zes weni­ger als 50 vom Hun­dert beträgt, eine Par­tei ihr Ein­ver­ständ­nis erklärt hat, die ande­re Par­tei gehört wur­de und der ein­be­zahl­te Vor­schuss hier­für aus­reicht 1, mit Zustim­mung des Gerichts auf den vom Sach­ver­stän­di­gen erbe­te­nen Satz von 130 € nebst Mehr­wert­steu­er erhöht (§ 13 Abs. 1 und 2 JVEG).

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass das Ein­ver­ständ­nis der Par­tei und die Zustim­mung des Gerichts erst nach Her­an­zie­hung des Sach­ver­stän­di­gen erfolgt sind 2. Zwar soll nach dem Wort­laut des § 13 Abs. 1 JVEG die Her­an­zie­hung des gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen unter Gewäh­rung einer bestimm­ten oder abwei­chend von der gesetz­li­chen Rege­lung zu bemes­sen­den Ver­gü­tung, mit der sich die Par­tei­en ein­ver­stan­den erklärt haben, erst erfol­gen, wenn von die­sen zuvor ein ent­spre­chen­der Betrag an die Staats­kas­se gezahlt wor­den ist. Das mit die­ser Rege­lung geschütz­te fis­ka­li­sche Inter­es­se, sich gegen­über dem gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen nicht ohne Vor­schuss der Par­tei­en in Höhe der beson­de­ren Ver­gü­tung zu ver­pflich­ten, bleibt aber auch bei einem spä­te­ren Ein­ver­ständ­nis der Par­tei­en gewahrt, wenn die beson­de­re Ver­gü­tung durch zuvor erfolg­te Zah­lung an die Staats­kas­se gedeckt ist, so dass bei am Sinn und Zweck von § 13 Abs. 1 JVEG ori­en­tier­ter Aus­le­gung auch eine sol­che Kon­stel­la­ti­on von der Vor­schrift erfasst wird.

Die­se Erwä­gun­gen gel­ten ent­spre­chend für den in § 13 Abs. 2 JVEG gere­gel­ten Fall, dass nur eine Par­tei ihr Ein­ver­ständ­nis zu einer beson­de­ren Ver­gü­tung des Sach­ver­stän­di­gen erklärt und das Gericht zustimmt. Auch das hier hin­zu­tre­ten­de Inter­es­se der kos­ten­tra­gungs­pflich­ti­gen Par­tei, kei­nem unbe­re­chen­ba­ren Kos­ten­ri­si­ko aus­ge­setzt zu sein, erfor­dert es nicht, dass das Ein­ver­ständ­nis der einen Par­tei und die gericht­li­che Zustim­mung allein vor der Her­an­zie­hung des Sach­ver­stän­di­gen gege­ben bzw. erteilt wer­den kön­nen. Viel­mehr wird die­sem Inter­es­se in § 13 Abs. 2 JVEG dadurch Rech­nung getra­gen, dass die Zustim­mung nur erteilt wer­den soll, wenn das Ein­ein­halb­fa­che des nach § 9 oder § 11 JVEG zuläs­si­gen Hono­rars nicht über­schrit­ten wird, und das Gericht über die Zustim­mung erst nach Anhö­rung der Par­tei­en und unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu ent­schei­den und dabei auch die Inter­es­sen der kos­ten­tra­gungs­pflich­ti­gen Par­tei zu berück­sich­ti­gen hat. Dazu gehört im vor­lie­gen­den Fall auch, dass nicht die Klä­ge­rin als nach der Rück­nah­me der Nich­tig­keits­kla­ge pri­mär kos­ten­tra­gungs­pflich­ti­ge Par­tei mit dem Stun­den­satz des Sach­ver­stän­di­gen nicht ein­ver­stan­den ist, son­dern die Beklag­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Mai 2013 – X ZR 137/​09 – Sach­ver­stän­di­gen­ent­schä­di­gung VI

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 07.11.2006 – X ZR 138/​04, GRUR 2007, 175 – Sach­ver­stän­di­gen­ent­schä­di­gung IV; BGH, Beschluss vom 28.07.2009 – X ZR 139/​07 Rn. 5[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.12.2006 – X ZR 56/​04, unter 2, Jur­Bü­ro 2011, 490; Binz/​Dörndorfer/​Petzold/​Zimmermann, Gerichts­kos­ten­ge­setz, 2. Aufl., 2009, § 13 JVEG Rn. 7; ande­rer Ansicht: OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 14.04.2011 – I‑10 W 102/​10; Beut­ge, JVEG, 4. Aufl., 2008, § 13 Rn. 5; Meyer/​Höver/​Bach, JVEG, 25. Aufl., 2011, § 13 Rn. 13.8; Schnei­der, JVEG, 2007, § 13 Rn. 31; Zim­mer­mann, JVEG, 2005, § 13 Rn. 11 ff.; vgl. zur Recht­spre­chung betref­fend die Vor­gän­ger­vor­schrift des § 7 Abs. 2 ZSEG etwa: OLG Düs­sel­dorf, Jur­Bü­ro 1989, 259; OLG Stutt­gart, Jur­Bü­ro 1972, 658[]