Ver­früh­te Ent­gelt­ge­neh­mi­gung für die Tele­kom

Eine befris­te­te tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Ent­gelt­ge­neh­mi­gung erle­digt sich nicht "auf ande­re Wei­se", wenn die Bun­des­netz­agen­tur für Elek­tri­zi­tät, Gas, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on, Post und Eisen­bah­nen (Bun­des­netz­agen­tur) nach erneu­ter Antrag­stel­lung für die­sel­ben Leis­tun­gen und einen iden­ti­schen Zeit­raum höhe­re Ent­gel­te geneh­migt. Um einen inhalt­li­chen Wider­spruch zwi­schen den Geneh­mi­gun­gen zu ver­mei­den, der die Rechts­wid­rig­keit der neu­en Geneh­mi­gung zur Fol­ge hät­te, muss die Behör­de die frü­he­re Geneh­mi­gung des­halb nach den für die Rück­nah­me bzw. den Wider­ruf belas­ten­der Ver­wal­tungs­ak­te gel­ten­den Regeln auf­he­ben. Im Rah­men der hier­bei zu tref­fen­den Ermes­sens­ent­schei­dung ist neben dem Anspruch des regu­lier­ten Unter­neh­mens auf die Erhe­bung kos­ten­de­cken­der Ent­gel­te regel­mä­ßig auch der Gesichts­punkt der Kal­ku­la­ti­ons- und Pla­nungs­si­cher­heit der Wett­be­wer­ber als Aus­prä­gung des Grund­sat­zes des Ver­trau­ens­schut­zes zu berück­sich­ti­gen.

Ver­früh­te Ent­gelt­ge­neh­mi­gung für die Tele­kom

Die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts lag der Fall zugrun­de, dass die Deut­sche Tele­kom AG als Betrei­be­rin eines öffent­li­chen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zes durch Regu­lie­rungs­ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur ver­pflich­tet wur­de, ande­ren Unter­neh­men Zugang zu den Abschluss­seg­men­ten ihrer Miet­lei­tun­gen auf der Vor­leis­tungs­ebe­ne (sog. Car­ri­er-Fest­ver­bin­dun­gen – CFV -) zu gewäh­ren; die dafür ver­lang­ten Ent­gel­te wur­den der Geneh­mi­gungs­pflicht nach § 31 TKG unter­wor­fen.

Im Okto­ber 2008 geneh­mig­te die Bun­des­netz­agen­tur für den Zeit­raum vom 1. Janu­ar 2009 bis zum 31. Okto­ber 2010 Ent­gel­te mit der Maß­ga­be, dass für Car­ri­er-Fest­ver­bin­dun­gen, deren bei­de Enden sich in dem­sel­ben Anschluss­be­reich befin­den, die Ent­gelt­po­si­ti­on "Ver­bin­dungs­li­nie" nicht erho­ben wer­den darf. Die Deut­sche Tele­kom AG hat hier­ge­gen Anfech­tungs­kla­ge erho­ben. Außer­dem bean­trag­te sie in Bezug auf den­sel­ben Zeit­raum die Geneh­mi­gung höhe­rer Ent­gel­te für die­je­ni­gen inner­ört­li­chen Ver­bin­dungs­li­ni­en, bei denen sich bei­de Kun­den­stand­or­te in unter­schied­li­chen Anschluss­be­rei­chen befin­den. Hier­auf geneh­mig­te die Bun­des­netz­agen­tur im August 2009 befris­tet bis zum 31. Okto­ber 2010 Ent­gel­te, die im Wesent­li­chen über den zuvor geneh­mig­ten Tari­fen lie­gen.

Den gegen die neue Ent­gelt­ge­neh­mi­gung erho­be­nen Anfech­tungs­kla­gen zwei­er Wett­be­wer­ber der Deut­schen Tele­kom AG hat das erst­in­stanz­lich hier­für zustän­di­ge Ver­wal­tungs­ge­richt Köln statt­ge­ge­ben 1. Die neue Ent­gelt­ge­neh­mi­gung sei rechts­wid­rig, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, weil sie der frü­he­ren Geneh­mi­gung wider­spre­che, ohne die­sen Wider­spruch durch Auf­he­bung (Rück­nah­me oder Wider­ruf) des ent­ge­gen­ste­hen­den Teils der frü­he­ren Geneh­mi­gung zu besei­ti­gen.

Mit der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on macht die Deut­sche Tele­kom gel­tend, ein inhalt­li­cher Wider­spruch kön­ne schon des­halb nicht bestehen, weil sich eine Ent­gelt­ge­neh­mi­gung ohne Wei­te­res im Sin­ne des § 43 Abs. 2 VwVfG "auf ande­re Wei­se" erle­di­ge, wenn die Bun­des­netz­agen­tur nach erneu­ter Antrag­stel­lung für die­sel­ben Leis­tun­gen und einen (teil­wei­se) iden­ti­schen Zeit­raum höhe­re Ent­gel­te geneh­mi­ge. Sähe man dies anders, wäre zumin­dest vom Vor­lie­gen einer recht­mä­ßi­gen Rück­nah­me gemäß § 48 VwVfG, jeden­falls aber eines recht­mä­ßi­gen Wider­rufs gemäß § 49 VwVfG aus­zu­ge­hen.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ver­moch­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jedoch nicht zu fol­gen und hat nun die Revi­sio­nen der Deut­schen Tele­kom AG jeweils zurück­ge­wie­sen:

Die ange­foch­te­ne Ent­gelt­ge­neh­mi­gung der Bun­des­netz­agen­tur ist rechts­wid­rig. Sie steht zu der frü­he­ren Ent­gelt­ge­neh­mi­gung, die nicht durch die Ände­rung des Ent­gel­t­an­trags gegen­stands­los gewor­den ist, in einem inhalt­li­chen Wider­spruch, da sie in Bezug auf den­sel­ben Zeit­raum für die­sel­ben Leis­tun­gen ande­re Ent­gel­te geneh­migt. Die­sen Wider­spruch hät­te die Bun­des­netz­agen­tur nur durch eine recht­mä­ßi­ge Rück­nah­me bzw. einen Wider­ruf der frü­he­ren Ent­gelt­ge­neh­mi­gung ver­hin­dern kön­nen. Das ihr inso­weit zuste­hen­de Ermes­sen hat sie jedoch nicht aus­ge­übt. Es hat sich auch nicht nach den Umstän­den des kon­kre­ten Ein­zel­falls dahin ver­dich­tet, dass nur die Rück­nah­me der frü­he­ren Ent­gelt­ge­neh­mi­gung ermes­sens­feh­ler­frei war. Zwar war die Deut­sche Tele­kom AG ohne die Auf­he­bung bis zum Ablauf der Gel­tungs­dau­er der frü­he­ren Ent­gelt­ge­neh­mi­gung und damit für einen Zeit­raum von ca. 15 Mona­ten dar­an gehin­dert, kos­ten­de­cken­de Ent­gel­te für Car­ri­er-Fest­ver­bin­dun­gen zu erhe­ben, deren Kun­den­stand­or­te sich in unter­schied­li­chen Anschluss­be­rei­chen eines Orts­net­zes befin­den. Die Bun­des­netz­agen­tur hät­te jedoch im Rah­men der Aus­übung ihres Ermes­sens klä­ren müs­sen, ob das Ver­trau­en der Wett­be­wer­ber auf den Bestand der Ent­gelt­ge­neh­mi­gung schutz­wür­dig ist und wel­chem Gewicht die­sem Schutz im Ver­hält­nis zu dem Auf­he­bungs­in­ter­es­se des regu­lier­ten Unter­neh­mens zukommt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 9. Mai 2012 – 6 C 3.11 und 6 C 4.11

  1. VG Köln, Urtei­le vom 22.04.2010 – 1 K 6207/​09; und vom 09.05.2012 – 6275/​09[]