Ver­jäh­rung­be­ginn bei Anwalts­haf­tungs-Alt­fäl­len

Für den Beginn der Ver­jäh­rung gemäß § 51b BRAO ist nicht der Zeit­punkt der Man­dats­be­en­di­gung maß­geb­lich, son­dern zu wel­chem Zeit­punkt der gel­tend gemach­te Scha­den ent­stan­den ist 1.

Ver­jäh­rung­be­ginn bei Anwalts­haf­tungs-Alt­fäl­len

Hat der Anwalt bei der Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen des Man­dan­ten pflicht­wid­rig ver­jäh­rungs­hem­men­de Maß­nah­men unter­las­sen, so tritt bereits mit Ver­säu­mung der Ver­jäh­rungs­frist der Scha­den ein 2. Auf die Aus­übung der Ein­re­de kommt es eben­so wenig an wie auf die Been­di­gung des Man­dats 3.

Die Ein­re­de der Ver­jäh­rung unter­liegt im Regel­fall auch bei einer kur­zen Ver­jäh­rungs­frist nicht dem Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB). Der Zweck der Ver­jäh­rungs­re­ge­lung ver­langt, an die­sen Ein­wand stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len, so dass die­ser einen gro­ben Ver­stoß gegen Treu und Glau­ben vor­aus­setzt 4. Im Rah­men tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung des Pro­zess­stof­fes hat das Beru­fungs­ge­richt, wie sei­nen Aus­füh­run­gen zum feh­len­den sit­ten­wid­ri­gen Ver­hal­ten des Beklag­ten zu ent­neh­men ist, dies ver­nei­nen kön­nen. Im Übri­gen bleibt der ein­mal begrün­de­te Arg­listein­wand gegen­über der Ein­re­de der Ver­jäh­rung, des­sen tat­säch­li­che Vor­aus­set­zung der Gläu­bi­ger dar­zu­le­gen und zu bewei­sen hat, nur dann erhal­ten, wenn der Gläu­bi­ger nach Weg­fall des Umstan­des, aus denen er die unzu­läs­si­ge Rechts­aus­übung her­lei­tet, unver­züg­lich sei­nen Anspruch gericht­lich gel­tend macht 5.

  1. BGH, Urteil vom 17.12.2009 – IX ZR 4/​08, WM 2010, 629 Rn. 6; Beschluss vom 21.10.2010 – IX ZR 195/​09, DSt­RE 2011, 461 Rn. 9 f; Urteil vom 15.12.2011 – IX ZR 85/​10, WM 2012, 163 Rn. 8[]
  2. BGH, Urteil vom 14.07.1994 – IX ZR 204/​93, WM 1994, 2162, 2163; vom 09.12.1999 – IX ZR 129/​99, WM 2000, 959, 960; vom 12.07.2012 – IX ZR 96/​10, WM 2012, 2106 Rn. 10[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.07.2012, aaO[]
  4. BGH, Urteil vom 24.01.2013 – IX ZR 108/​12, DB 2013, 753 Rn. 21 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 24.01.2013, aaO Rn. 23[]