Ver­la­ge­rung des Not­diens­tes bei Fili­al­apo­the­ken

Apo­the­ker mit meh­re­ren Apo­the­ken kön­nen nicht ver­lan­gen, den sie tref­fen­den tur­nus­mä­ßi­gen Not­dienst immer nur mit einer ihrer Apo­the­ken wahr­zu­neh­men. Es darf, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig jetzt in zwei Fäl­len aus Thü­rin­gen ent­schied, kei­ne Ver­la­ge­rung des Not­diens­tes zwi­schen Haupt- und Fili­al­apo­the­ken erfol­gen.

Ver­la­ge­rung des Not­diens­tes bei Fili­al­apo­the­ken

Der Klä­ger des ers­ten vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­rens 1betreibt in Gera eine Haupt­apo­the­ke und drei Fili­al­apo­the­ken, die ca. ein bis drei Kilo­me­ter von­ein­an­der ent­fernt lie­gen. Die Apo­the­ken neh­men reih­um an dem außer­halb der übli­chen Öff­nungs­zei­ten ein­ge­rich­te­ten Not­dienst teil. Der Klä­ger hat bei der beklag­ten Apo­the­ker­kam­mer, die den Not­dienst orga­ni­siert, dar­um gebe­ten, die auf sei­ne Apo­the­ken ent­fal­len­den Not­diens­te aus­schließ­lich mit sei­ner in unmit­tel­ba­rer Nähe zu der Ein­rich­tung des ärzt­li­chen Not­diens­tes gele­ge­nen Fili­al­apo­the­ke wahr­neh­men zu dür­fen. Die Beklag­te hat das abge­lehnt mit der Begrün­dung, dass ansons­ten die Ent­wick­lung von Schwer­punk­tapo­the­ken begüns­tigt wer­de. Jede Apo­the­ke müs­se reih­um am Not­dienst teil­neh­men und dafür ent­spre­chend ein­ge­rich­tet sein. Eine aus­nahms­wei­se Frei­stel­lung vom Not­dienst nach der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung sei für sol­che Fäl­le nicht vor­ge­se­hen.

Die gegen die­sen Bescheid der Lan­de­s­apo­the­ker­kam­mer gerich­te­te Kla­ge hat in der Beru­fungs­in­stanz Instanz vor dem Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Wei­mar teil­wei­se Erfolg gehabt 2: Das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat hat zwar einen Anspruch des Klä­gers auf Ver­la­ge­rung des Not­diens­tes ver­neint, beklag­te Lan­de­s­apo­the­ker­kam­mer aber wegen ange­nom­me­ner Ermes­sens­feh­ler zu einer erneu­ten Beschei­dung des Antrags des Klä­gers ver­pflich­tet.

Das zwei­te vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­ne, ähn­lich gela­ger­te Ver­fah­ren 3 betrifft Apo­the­ken in Jena 4.

In sei­nen jetzt ver­kün­de­ten Revi­si­ons­ur­tei­len hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ent­schei­dun­gen des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts geän­dert und die Kla­gen abge­wie­sen:

Die beklag­te Apo­the­ker­kam­mer hat danach eine Ver­la­ge­rung des Not­diens­tes nach § 23 Abs. 2 der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung zu Recht abge­lehnt. Nach die­ser Vor­schrift kann die Behör­de für die Dau­er der orts­üb­li­chen Schließ­zei­ten – also auch für die Zei­ten, in denen die Klä­ger eine Ver­la­ge­rung der Not­diens­te errei­chen wol­len – von der Ver­pflich­tung zur Dienst­be­reit­schaft befrei­en, wenn die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung gesi­chert bleibt. Da die­se Vor­aus­set­zung in bei­den Fäl­len erfüllt war, muss­te die Beklag­te eine Ermes­sens­ent­schei­dung tref­fen ("kann"). Die Thü­rin­ger Lan­de­s­apo­the­ken­kam­mer hat sich dabei auf der Grund­la­ge ihrer Richt­li­ni­en über die Befrei­ung von der Dienst­be­reit­schaft, durch die die Ermes­sens­aus­übung vor­struk­tu­riert wor­den ist, von sach­ge­rech­ten Erwä­gun­gen lei­ten las­sen, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt.

Die Ein­be­zie­hung aller Apo­the­ken einer Gemein­de in einen wech­sel­sei­ti­gen Not­dienst dient der gleich­mä­ßi­gen Belas­tung der Apo­the­ken und ihres Per­so­nals sowie der Ver­tei­lung der Not­diensta­po­the­ken auf das Gemein­de­ge­biet. Zudem ent­spricht es dem Leit­bild der Apo­the­ken­be­triebs­ord­nung, wonach jede Apo­the­ke ver­pflich­tet ist, die für den Not­dienst erfor­der­li­chen Arz­nei­mit­tel und Ein­rich­tun­gen bereit zu hal­ten. Es ist des­halb nicht sach­wid­rig, wenn die Beklag­te nur kurz­fris­ti­ge Aus­nah­men aus beson­de­ren Grün­den zulässt, etwa bei Umbau­ar­bei­ten in einer Apo­the­ke, aber Dau­er­be­frei­un­gen durch eine Ver­la­ge­rung des Not­diens­tes zwi­schen Haupt- und Fili­al­apo­the­ken ablehnt. Eine sol­che Ermes­sens­pra­xis ist auch im Lich­te der Berufs­aus­übungs­frei­heit aus Art. 12 des Grund­ge­set­zes nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 26. Mai 2011 – 3 C 21.10 und 3 C 22.10

  1. BVerwG – 3 C 21.10[]
  2. Thür. OVG, Urteil vom 27.04.2010 – 3 KO 783/​07[]
  3. BVerwG – 3 C 22.10[]
  4. Thür. OVG, Urteil vom 27.04.2010 – 3 KO 808/​07[]