Ver­öf­fent­li­chung von Sub­ven­ti­ons­emp­fän­gern im Inter­net IX

Nach einer Rei­he ande­rer Ver­wal­tungs­ge­richt hat jetzt auch das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he dar­über ent­schei­den müs­sen, ob EU-Agrar­sub­ven­tio­nen in einer Inter­net-Daten­bank ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen. Und das VG Karls­ru­he ent­schied sich – wie sonst nur das OVG Müns­ter – für die Zuläs­sig­keit der Ver­öf­fent­li­chung. Damit hat das VG Karls­ru­he den Eil­an­trag der Inha­be­rin eines land­wirt­schaft­li­chen Betriebs abge­lehnt, des­sen Ziel es war, die zustän­di­ge Behör­de (hier das Land­rats­amt Neckar-Oden­wald-Kreis) dar­an zu hin­dern, die der Gesell­schaft im Jahr 2008 gezahl­ten Agrar­sub­ven­tio­nen im Inter­net zu ver­öf­fent­li­chen.

Ver­öf­fent­li­chung von Sub­ven­ti­ons­emp­fän­gern im Inter­net IX

In den Grün­den ihrer Ent­schei­dung führt die Kam­mer aus, die vor­ge­se­he­ne Ver­öf­fent­li­chung der Agrar­sub­ven­tio­nen beru­he auf Recht der Euro­päi­schen Uni­on, das die Behör­den der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land anzu­wen­den hät­ten. Vor­läu­fi­ger Rechts­schutz hier­ge­gen kön­ne nur unter stren­gen Vor­aus­set­zun­gen gewährt wer­den. Unter ande­rem sei erfor­der­lich, dass erheb­li­che Zwei­fel an der Gül­tig­keit des die Ver­öf­fent­li­chungs­pflicht regeln­den Gemein­schafts­rechts bestün­den. Sol­che habe die Kam­mer aber nicht. Sie schlie­ße sich inso­weit der Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len aus dem April 2009 an und fol­ge nicht den diver­sen anders­lau­ten­den ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung, ins­be­son­de­re nicht der Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Wies­ba­den vom Febru­ar 2009.

Die gemein­schafts­recht­li­chen Ver­öf­fent­li­chungs­vor­schrif­ten ver­stie­ßen nicht gegen höher­ran­gi­ges Gemein­schafts­recht. Mit ihnen sol­le die Trans­pa­renz der Ver­wen­dung von EU-Mit­teln im Rah­men der gemein­sa­men Agrar­po­li­tik erhöht und ins­be­son­de­re die Wirt­schaft­lich­keit der Haus­halts­füh­rung der jewei­li­gen Fonds ver­bes­sert wer­den. Die Ver­öf­fent­li­chung des Emp­fän­ger­na­mens, des Wohn­orts und der Höhe der Agrar­sub­ven­ti­on im Inter­net sei auch nicht unan­ge­mes­sen. Der dadurch bewirk­te Ein­griff in das Pri­vat­le­ben des jewei­li­gen Sub­ven­ti­ons­emp­fän­gers sei, so das VG Karls­ru­he aus­drück­lich, nicht beson­ders schwer­wie­gend. Durch ande­re, weni­ger ein­grei­fen­de Maß­nah­men kön­ne eine ver­gleich­ba­re Trans­pa­renz nicht her­ge­stellt wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 19. Mai 2009 – 10 K 932/​09