Ver­pflich­tung des Notars zur Beschäf­ti­gung von fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern

Aktu­ell hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof mit dem Anspruch des Notars auf ermes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung über den Wider­ruf einer Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters durch die Notar­kas­se zu befas­sen:

Ver­pflich­tung des Notars zur Beschäf­ti­gung von fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern

Anlass hier­für bot ihm die Kla­ger zwei­er zur gemein­sa­men Berufs­aus­übung ver­bun­de­nen baye­ri­schen Nota­re. Die beklag­te Notar­kas­se beschäf­tigt gemäß Art. 2 Abs. 2 ihrer Sat­zung 1 fach­kun­di­ge Mit­ar­bei­ter, die sie den Nota­ren in ihrem Tätig­keits­be­reich zur Dienst­leis­tung zuweist.

Die Notar­kas­se weist den ein­zel­nen Nota­ria­ten Regel­stel­len zu, wobei jede Notar­stel­le min­des­tens eine und höchs­tens zwei, jedes Dop­pel­amt min­des­tens zwei und höchs­tens vier Stel­len erhält. Ob eine zwei­te Regel­stel­le zuge­wie­sen wird, hängt ent­spre­chend der Richt­li­ni­en, die der Ver­wal­tungs­rat der Notar­kas­se erlas­sen hat, von der Zahl der im Nota­ri­at vor­ge­nom­me­nen Beur­kun­dun­gen ab. Mit den etwa 800 von der Notar­kas­se beschäf­tig­ten fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern kön­nen nicht alle Regel­stel­len besetzt wer­den. Im Nota­ri­at (Dop­pel­amt) der Nota­re ist nur eine Regel­stel­le besetzt, seit die Notar­kas­se eine wei­te­re, den Nota­ren zuge­wie­se­ne Mit­ar­bei­te­rin – mit Zustim­mung der Nota­re – zum 1.08.2012 einem ande­ren Notar zuge­wie­sen hat. Die Nota­re wün­schen die Wie­der­be­set­zung der frei gewor­de­nen Stel­le. Gegen einen von der Notar­kas­se vor­ge­se­he­nen Mit­ar­bei­ter erho­ben sie aller­dings Beden­ken, wor­auf die Notar­kas­se von des­sen Zuwei­sung an die Nota­re absah.#

Für die Über­las­sung fach­kun­di­ger Mit­ar­bei­ter müs­sen die Nota­re an die Notar­kas­se einen Besol­dungs­bei­trag ent­rich­ten, der jähr­lich in einer Abga­ben­sat­zung fest­ge­legt wird. Im Jahr 2012 betrug der Besol­dungs­bei­trag für eine mit einem fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter besetz­te ers­te Regel­stel­le 1.900 € im pro Monat und für jede wei­te­re besetz­te Regel­stel­le 3.800 € monat­lich, wobei bei gemein­sa­mer Berufs­aus­übung und Abrech­nung nach der Bei­trags­sat­zung 1.900 € als Besol­dungs­bei­trag für eine ers­te Regel­stel­le je Notar galt. Konn­te – wie im Nota­ri­at der Nota­re – nicht min­des­tens eine Regel­stel­le je Notar besetzt wer­den, so erstat­te­te die Notar­kas­se nach Maß­ga­be des § 15 ihrer Abga­ben­sat­zung 2012 einen Teil der Auf­wen­dun­gen des Notars für sei­ne Hilfs­kräf­te; gemäß den dazu vom Ver­wal­tungs­rat beschlos­se­nen Richt­li­ni­en erhiel­ten die Nota­re ab August 2012 monat­lich 1.330 € erstat­tet.

Der Besol­dungs­bei­trag reicht nicht aus, um die durch die Beschäf­ti­gung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter ent­ste­hen­den Kos­ten zu decken. Zur Deckung der rest­li­chen Kos­ten und zur Finan­zie­rung der wei­te­ren Auf­ga­ben erhebt die Notar­kas­se von den Nota­ren gemäß ihrer jähr­li­chen Abga­ben­sat­zung eine Staf­fel­ab­ga­be, deren Höhe sich nach der Höhe der dem Ein­zel­nen im jewei­li­gen Jahr zuste­hen­den abga­be­pflich­ti­gen Gebüh­ren rich­tet. Der pro­zen­tua­le Anteil des abzu­füh­ren­den Betrags an den abga­be­pflich­ti­gen Gebüh­ren stieg im Jahr 2012 stu­fen­wei­se bis zu einem Höchst­satz von 50 % an, der für abga­be­pflich­ti­ge Gebüh­ren von mehr als 58.200 € pro Monat galt. Mit Bescheid vom 06.03.2013 setz­te die Notar­kas­se die Staf­fel­ab­ga­be der Nota­re für das Jahr 2012 end­gül­tig fest.

Die Notar­kas­se weist den fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter nur mit Zustim­mung des betref­fen­den Notars zu. Die Nota­re möch­ten vor einer Zustim­mung zur Zuwei­sung eines neu­en fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters Gewiss­heit dar­über haben, dass sie sich ohne Ein­wil­li­gung der Notar­kas­se von dem Mit­ar­bei­ter tren­nen kön­nen.

Fer­ner wen­den sie sich gegen einen die Staf­fel­ab­ga­be fest­set­zen­den Bescheid, da sie die Abga­ben­sat­zung 2012 vor allem wegen der feh­len­den Kos­ten­de­ckung des Besol­dungs­bei­trags für nich­tig hal­ten. Soweit für das Zulas­sungs­ver­fah­ren noch von Bedeu­tung haben die Nota­re in ers­ter Instanz bean­tragt, den Bescheid vom 06.03.2013 auf­zu­he­ben und fest­zu­stel­len, dass sie ohne Ein­wil­li­gung des Notar­kas­se die Beschäf­ti­gung eines zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters been­den kön­nen.

Die­sen Anträ­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen nur inso­weit ent­spro­chen, als es fest­ge­stellt hat, dass die Nota­re gegen die Notar­kas­se einen Anspruch auf Auf­he­bung der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters haben, wenn im Ver­hält­nis zwi­schen den Nota­ren und dem fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter die Vor­aus­set­zun­gen des § 626 BGB vor­lie­gen und sie dies und die den wich­ti­gen Grund stüt­zen­den Umstän­de der Notar­kas­se so recht­zei­tig mit­ge­teilt und belegt haben, dass die Notar­kas­se ihrer­seits die Mög­lich­keit hat, ihr Arbeits­ver­hält­nis mit dem fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter frist­los zu been­den. Im Übri­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen die Kla­ge, soweit sie Gegen­stand des Zulas­sungs­ver­fah­rens ist, abge­wie­sen 2.

Die Nota­re begeh­ren die Zulas­sung der Beru­fung gegen die Abwei­sung ihrer Anfech­tungs­kla­ge gegen den Bescheid, mit dem die Staf­fel­ab­ga­be fest­ge­setzt wor­den war, sowie gegen die teil­wei­se Zurück­wei­sung ihres Fest­stel­lungs­an­trags. Ihr ange­kün­dig­ter Beru­fungs­an­trag ist, was die Fest­stel­lungs­kla­ge anbe­langt, dar­auf gerich­tet – wei­ter­ge­hend – fest­zu­stel­len, dass die Nota­re ohne Ein­wil­li­gung der Notar­kas­se die Beschäf­ti­gungs­pflicht eines zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters auch dann been­den kön­nen, wenn im Ver­hält­nis zwi­schen den Nota­ren und dem fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter die Vor­aus­set­zun­gen des § 626 BGB nicht vor­lie­gen. Hilfs­wei­se soll bean­tragt wer­den fest­zu­stel­len, dass die Nota­re einen Anspruch gegen die Notar­kas­se haben, den Ver­wal­tungs­akt auf­grund des­sen ein fach­kun­di­ger Mit­ar­bei­ter den Nota­ren zur Beschäf­ti­gung zuge­wie­sen wur­de, auf­zu­he­ben, um die von der Notar­kas­se behaup­te­te Beschäf­ti­gungs­pflicht des fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters zu been­den und zwar auch dann, wenn im Ver­hält­nis zwi­schen den Nota­ren und dem fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter die Vor­aus­set­zun­gen des § 626 BGB nicht vor­lie­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­te den Zulas­sungs­an­trag als unbe­grün­det. Für den Bun­des­ge­richts­hof bestehen im Ergeb­nis weder ernst­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO i.V.m. § 111d Satz 2 BNo­tO) noch stel­len sich ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­gen von grund­sätz­li­cher Bedeu­tung (§ 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO i.V.m. § 111d Satz 2 BNo­tO).

Fest­stel­lungs­an­trag

Der Fest­stel­lungs­an­trag der Nota­re ist im Haupt- und Hilfs­an­trag dar­auf gerich­tet, wei­ter­ge­hend fest­zu­stel­len, dass die Notar­kas­se die Zuwei­sung zu been­den hat allein auf­grund der Ent­schei­dung der Nota­re, die Zuwei­sung been­den zu wol­len, und ohne dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 626 BGB vor­lie­gen müs­sen. Ein Zulas­sungs­grund besteht ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Nota­re nicht.

Die Beru­fung ist nicht des­halb zuzu­las­sen, weil ernst­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit des ange­foch­te­nen Urteils bestün­den (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO). Die­ser Zulas­sungs­grund liegt nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs vor, wenn nach sum­ma­ri­scher Prü­fung gewich­ti­ge Gesichts­punk­te gegen die Rich­tig­keit des Urteils spre­chen. Hier­von ist aus­zu­ge­hen, wenn ein ein­zel­ner tra­gen­der Rechts­satz oder eine erheb­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lung mit schlüs­si­gen Gegen­ar­gu­men­ten in Fra­ge gestellt wer­den kann und sich ohne nähe­re Prü­fung nicht beant­wor­ten lässt, ob die Ent­schei­dung mög­li­cher­wei­se im Ergeb­nis auch aus einem ande­ren Grund rich­tig ist 3.

So liegt der Fall hier aber nicht. Das Ober­lan­des­ge­richt hat zu Recht dem vor­be­schrie­be­nen Fest­stel­lungs­be­geh­ren der Nota­re nicht statt­ge­ge­ben. Die begehr­te Fest­stel­lung kann nicht getrof­fen wer­den. Weder endet die Pflicht der Nota­re, den ihnen zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter zu beschäf­ti­gen, allein auf­grund ihrer Erklä­rung, das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis been­den zu wol­len, noch haben sie einen Anspruch auf Been­di­gung bzw. Auf­he­bung der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters, allein weil sie es wün­schen.

Nach § 113 Abs. 6 BNo­tO hat der Notar einen ihm von der Notar­kas­se zur Dienst­leis­tung zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter zu beschäf­ti­gen. Ein Anspruch auf sofor­ti­ge Been­di­gung einer Zuwei­sung ergibt sich nicht aus § 113 Abs. 6 BNo­tO, der ledig­lich die Beschäf­ti­gungs­pflicht des Notars bezüg­lich des ihm zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters bestimmt, nicht jedoch die Vor­aus­set­zun­gen für die Been­di­gung einer Zuwei­sung regelt 4.

Die Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters ist ein Ver­wal­tungs­akt 5. Dies folgt aus § 64a Abs. 1 BNo­tO i.V.m. § 35 VwVfG bzw. § 113 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1, Art. 35 BayV­wVfG. Sie erfolgt nur mit Zustim­mung des Notars, was zwi­schen den Par­tei­en unstrei­tig ist. Die Ent­schei­dung über die Zuwei­sung von fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern 6 wie auch die Ent­schei­dung über die Been­di­gung einer Zuwei­sung 7 ste­hen im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen der Notar­kas­se. Richt­schnur die­ser Ermes­sens­ent­schei­dung sind die Inter­es­sen einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge (vgl. §§ 1, 4, 9 Abs. 1 Satz 2, § 10 Abs. 1 Satz 3, § 10a Abs. 1 Satz 2 BNo­tO; BGH, Beschluss vom 27.06.1966 aaO S. 26). Zu berück­sich­ti­gen sind fer­ner die berech­tig­ten Inter­es­sen des betrof­fe­nen Notars wie die­je­ni­gen der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter selbst 8. Der Notar als Adres­sat der Ent­schei­dung über den Wider­ruf der Zuwei­sung hat dem­entspre­chend grund­sätz­lich nur einen Anspruch auf ermes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung. Dar­auf ist das Fest­stel­lungs­be­geh­ren der Nota­re jedoch nicht gerich­tet. Der von den Nota­ren unein­ge­schränkt gel­tend gemach­te Anspruch auf einen Wider­ruf besteht nur, wenn das Ermes­sen der Notar­kas­se auf Grund eines beson­ders gela­ger­ten Sach­ver­halts auf "Null" redu­ziert ist. Beson­de­re Umstän­de, wie sie die Nota­re auf­zäh­len, näm­lich das Vor­lie­gen von Grün­den, die eine Kün­di­gung pri­va­ter Ange­stell­ter recht­fer­ti­gen könn­te, sowie per­sön­li­che Grün­de wie Krank­heit oder betrieb­li­che Erfor­der­nis­se sowie per­sön­li­ches Fehl­ver­hal­ten kön­nen im Ein­zel­fall einen Anspruch begrün­den, dass die Zuwei­sung durch die Notar­kas­se auf­ge­ho­ben wird. So liegt der Streit­fall indes nicht. Die Nota­re stüt­zen den Anspruch auf Wider­ruf der Zuwei­sung, des­sen Fest­stel­lung sie begeh­ren, gera­de nicht auf sol­che beson­de­ren Umstän­de. Viel­mehr soll fest­ge­stellt wer­den, dass die Notar­kas­se allein auf­grund ihres Ver­lan­gens hin ver­pflich­tet sein soll, die Zuwei­sung zu been­den. Eine sol­che Fest­stel­lung kön­nen sie nicht bean­spru­chen.

Eine ande­re Beur­tei­lung ist nicht aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den gebo­ten.

Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Nota­re ver­stößt es nicht gegen das Über­maß­ver­bot, wenn dem Notar kein Recht auf jeder­zei­ti­ge Been­di­gung einer Zuwei­sung zuge­stan­den wird. Es ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters nur mit Zustim­mung des Notars erfolgt. Dabei muss es für den Notar auf der Hand lie­gen, dass er sich von dem ihm von der Notar­kas­se zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter nicht ohne wei­te­res wie­der tren­nen kann. Der Notar kann auch das Anstel­lungs­ver­hält­nis zu den von ihm ein­ge­stell­ten Mit­ar­bei­tern nur im Rah­men des Arbeits­rechts lösen. Soweit hin­sicht­lich des fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters ein Kün­di­gungs­grund vor­lie­gen soll­te, ist die­ser von der Notar­kas­se im Rah­men der Ermes­sen­ent­schei­dung über den Wider­ruf der Zuwei­sung zu berück­sich­ti­gen. Wie bereits aus­ge­führt kann dem Notar im Ein­zel­fall ein Anspruch auf Wider­ruf der Zuwei­sung zuste­hen. Dar­über hin­aus ist jedoch auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Beschäf­ti­gungs­pflicht und die man­geln­de Mög­lich­keit, sich jeder­zeit von einem sol­chen zuge­wie­se­nen Mit­ar­bei­ter zu lösen, die Kehr­sei­te des Vor­teils ist, die mit der Beschäf­ti­gung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter ver­bun­den ist. Dabei ist in den Blick zu neh­men, dass es das Anstel­lungs­sys­tem der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter ermög­licht, dass ein Notar einen sol­chen Mit­ar­bei­ter zu einem begrenz­ten und unter den tat­säch­li­chen Kos­ten lie­gen­den Bei­trag beschäf­tig­ten kann. Damit kön­nen auch Nota­re mit gerin­gem Ein­kom­men einen so hoch qua­li­fi­zier­ten und aus­ge­bil­de­ten fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen, auch wenn die erfor­der­li­chen weit dar­über lie­gen­den Lohn­kos­ten von ihm nicht bezahlt wer­den kön­nen. Das Anstel­lungs­sys­tem der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter liegt auch im Inter­es­se die­ser Nota­ri­ats­be­diens­te­ten, die wirt­schaft­lich nicht auf die Mög­lich­kei­ten der ein­zel­nen Nota­re, deren Leis­tungs­fä­hig­keit sehr ver­schie­den und teil­wei­se recht gering sein kann und vor allem auch his­to­risch gewe­sen war, ange­wie­sen sind, son­dern den star­ken und wirt­schaft­lich siche­ren Rück­halt der Notar­kas­se als einer Ein­rich­tung der Gesamt­heit der Nota­re haben 9. Die­ses Sys­tem gewähr­leis­tet auch, dass bei frei wer­den­den Stel­len die Geschäfts­stel­le mit einem qua­li­fi­zier­ten Mit­ar­bei­ter besetzt ist, der eine Kon­ti­nui­tät wah­ren kann, damit ein neu bestell­ter Notar mit gerin­ge­ren Hin­der­nis­sen die Stel­le über­neh­men kann. Dar­über hin­aus gewähr­leis­tet es ein hohes Aus­bil­dungs­ni­veau der Mit­ar­bei­ter, die ein ein­zel­ner Notar jeden­falls nicht immer in dem Umfang gewähr­leis­ten könn­te. Die Nota­re haben den Vor­teil, dass sie jeweils Mit­ar­bei­ter aus die­sem Pool hoch­qua­li­fi­zier­ter und aus­ge­bil­de­ter Ange­stell­ter haben. Im Übri­gen gewähr­leis­tet das Sys­tem auch, dass die Nota­ri­ats­an­ge­stell­ten mit einem Ein­kom­men aus­ge­stat­tet wer­den kön­nen, das ihrer­seits der Inte­gri­tät die­ser Mit­ar­bei­ter dient. Gera­de wirt­schaft­lich schwa­che Nota­re könn­ten nur gerin­ge­re Ein­kom­men zah­len, was zur Fol­ge haben könn­te, dass Nota­ri­ats­an­ge­stell­te Neben­be­schäf­ti­gun­gen auf­neh­men, um den von ihnen gewünsch­ten wirt­schaft­li­chen Stan­dard zu errei­chen, was sei­ner­seits vom recht­su­chen­den Publi­kum als mit dem Notar­amt nicht zwei­fels­frei ver­ein­bar ange­se­hen wer­den könn­te. Im Übri­gen gewähr­leis­tet das Sys­tem, dass auch in Gebie­ten, die von den Ange­stell­ten nicht als bevor­zugt ange­se­hen wer­den, wie z.B. in länd­li­chen Gegen­den mit wenig Infra­struk­tur, gleich­wohl hoch­qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter den Nota­ren zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kön­nen. Die­se Vor­tei­le recht­fer­ti­gen es, dem Notar die Beschäf­ti­gungs­pflicht auf­zu­er­le­gen und die Ent­schei­dung über den Ver­bleib des fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters in das Ermes­sen der Notar­kas­se zu stel­len, soweit die­ses Ermes­sen nicht von vorn­her­ein auf null redu­ziert ist, weil etwa die Kün­di­gungs­grün­de nach § 626 BGB vor­lie­gen im Ver­hält­nis zum fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter. Der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ist damit gewahrt.

Soweit die Nota­re in die­sem Zusam­men­hang gel­tend machen, im Gegen­satz zur Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts sei nicht auf die Kün­di­gungs­mög­lich­keit nach § 626 BGB abzu­stel­len, son­dern auf die nach § 314 BGB, greift dies nicht durch. Die getrof­fe­ne Fest­stel­lung ist nicht Gegen­stand des beab­sich­tig­ten Beru­fungs­ver­fah­rens und der Hin­weis auf § 314 BGB führt nicht dazu, dass eine gene­rel­le Kün­di­gungs­mög­lich­keit unbe­scha­det des Vor­lie­gens wei­te­rer Grün­de besteht. Auch nach § 314 BGB müss­te die Wei­ter­be­schäf­ti­gung unzu­mut­bar sein, was im Rah­men der Ermes­sens­aus­übung auch zu einer Ermes­sens­re­du­zie­rung auf null füh­ren kann. Eine vor­aus­set­zungs­lo­se Mög­lich­keit zur Kün­di­gung ergibt sich aus der Vor­schrift nicht.

Die Beru­fung der Nota­re auf ihre in den Schutz­be­reich der Berufs­frei­heit (Art. 12 GG) – in der Aus­prä­gung als Frei­heit der Berufs­aus­übung – fal­len­de Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit in ihrem Büro bleibt ohne Erfolg. Aus die­sem Gesichts­punkt kann eine jeder­zei­ti­ge Been­di­gungs­mög­lich­keit hin­sicht­lich der Beschäf­ti­gung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters nicht her­ge­lei­tet wer­den. Dabei ist im Blick zu behal­ten, dass dem Notar nur mit sei­ner Zustim­mung der fach­kun­di­ge Mit­ar­bei­ter zuge­wie­sen wird. Soweit orga­ni­sa­to­ri­sche Grün­de eine Wei­ter­be­schäf­ti­gung bei dem betref­fen­den Notar als nicht sinn­voll erschei­nen las­sen, kann dies im Rah­men der Ermes­sens­ent­schei­dung der Notar­kas­se berück­sich­tigt wer­den und nach einer Abwä­gung, die die Belan­ge einer geord­ne­ten vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge und die berech­ti­gen Inter­es­sen des fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters ein­be­zieht, gege­be­nen­falls zu einem Wider­ruf der Zuwei­sung füh­ren.

Das Fest­stel­lungs­be­geh­ren der Nota­re wird nicht durch das Recht der Euro­päi­schen Uni­on gestützt.

Die Nota­re kön­nen das von ihnen bean­spruch­te Recht, die Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters ohne wei­te­res zu been­den, nicht aus Art. 45 AEUV und der danach gewähr­ten Frei­zü­gig­keit der Arbeit­neh­mer her­lei­ten. Sie machen inso­weit gel­tend, wegen der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters gege­be­nen­falls einen Uni­ons­bür­ger ent­las­sen zu müs­sen oder einen sol­chen nicht ein­stel­len zu kön­nen.

Der Ein­wand der Nota­re greift nicht durch. Art. 45 AEUV gewährt den Nota­ren kein Recht zur grund­lo­sen Been­di­gung einer Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters. Schon die Prä­mis­se der Nota­re ist nicht zutref­fend, dass sie wegen der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters einen EU-Bür­ger gege­be­nen­falls als pri­vat Ange­stell­ten ent­las­sen müss­ten oder einen von ihnen gewünsch­ten EU-Bür­ger nicht ein­stel­len könn­ten. Da die Nota­re die Mit­ar­bei­ter durch die Notar­kas­se nicht gegen ihren Wil­len zuge­wie­sen erhal­ten, kann die Situa­ti­on, einen eige­nen Ange­stell­ten des­halb ent­las­sen zu müs­sen, von vorn­her­ein nicht ein­tre­ten. Da die Notar­kas­se bereit ist, EU-Bür­ger als fach­kun­di­ge Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len, ist es mög­lich, dass den Nota­ren ein Uni­ons­bür­ger als fach­kun­di­ger Mit­ar­bei­ter zuge­wie­sen wird, so dass eine Dis­kri­mi­nie­rung von Uni­ons­bür­gern gegen­über Inlän­dern nicht zu befürch­ten ist.

Abge­se­hen davon liegt aber auch schon vom Ansatz her kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Hin­blick auf die Frei­zü­gig­keit der Arbeit­neh­mer vor. Vor­aus­set­zung des Art. 45 AEUV ist eine min­des­tens mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung. Das ver­langt, dass die Rege­lung sich ihrem Wesen nach eher auf EUaus­län­di­sche Arbeit­neh­mer als auf inlän­di­sche Arbeit­neh­mer aus­wir­ken kann und folg­lich die Gefahr besteht, dass die EUaus­län­di­schen Arbeit­neh­mer beson­ders benach­tei­ligt wer­den. Dabei müs­sen die EUaus­län­di­schen Arbeit­neh­mer nicht nur "im Wesent­li­chen" oder zumin­dest "ganz über­wie­gend" betrof­fen sein; es genügt, dass die betref­fen­de Vor­schrift geeig­net ist, eine sol­che Wir­kung her­vor­zu­ru­fen. Damit sind ins­be­son­de­re all die­je­ni­gen unter­schieds­los anwend­ba­ren Vor­schrif­ten ver­bo­ten, die von inlän­di­schen Arbeit­neh­mern leich­ter erfüllt wer­den kön­nen als von EUaus­län­di­schen Arbeit­neh­mern 10.

Aus­ge­hend von die­sem Maß­stab ist kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von EU-Aus­län­dern durch die Zuwei­sung von fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern an die Nota­re im Bereich der Notar­kas­se fest­zu­stel­len. Die unter Umstän­den ein­tre­ten­den Nach­tei­le für ande­re Arbeit­neh­mer des jewei­li­gen Notars oder Bewer­ber betref­fen sowohl Inlän­der als auch EUaus­län­di­sche Uni­ons­bür­ger. Dabei ist auch zu erken­nen, dass die EUaus­län­di­schen Arbeit­neh­mer in einer inten­si­ve­ren Wei­se betrof­fen sind. Ins­be­son­de­re liegt kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung hin­sicht­lich der Staats­an­ge­hö­rig­keit vor. Da Inlän­der wie EUaus­län­di­sche Uni­ons­bür­ger in glei­cher Wei­se betrof­fen sind, haben die Nota­re kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Art. 45 AEUV dar­ge­legt. Abge­se­hen davon könn­te eine sich im Ein­zel­fall erge­ben­de mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung im Rah­men der Ermes­sens­ent­schei­dung der Notar­kas­se hin­sicht­lich der Been­di­gung einer Zuwei­sung berück­sich­tigt wer­den. Ein Recht auf Been­di­gung der Zuwei­sung unab­hän­gig von sons­ti­gen Grün­den allein auf­grund eines Ver­lan­gens der Nota­re ist aus Art. 45 AEUV nicht abzu­lei­ten.

Soweit die Nota­re fer­ner einen Ver­stoß gegen Art. 49 AEUV (Nie­der­las­sungs­frei­heit) gel­tend machen, kann das ihrem Begeh­ren nicht zum Erfolg ver­hel­fen. Die Anwen­dung der Vor­schrift setzt vor­aus, dass ein grenz­über­schrei­ten­der Bezug vor­han­den ist. Die soge­nann­te Inlän­der­dis­kri­mi­nie­rung ist von der Vor­schrift nicht erfasst 11. Zwar wür­de die Nie­der­las­sungs­frei­heit durch eine ver­steck­te, indi­rek­te Dis­kri­mi­nie­rung ver­letzt. Die Fest­stel­lung einer sol­chen ver­steck­ten, indi­rek­ten Dis­kri­mi­nie­rung ver­langt, dass die mit­glied­staat­li­che Rege­lung sich beson­ders zum Nach­teil der EU-Aus­län­der aus­wirkt. Eine Dis­kri­mi­nie­rung kann des­halb vor­lie­gen, wenn fest­ge­stellt wer­den kann, dass sich eine bestimm­te mit­glied­staat­li­che Rege­lung sta­tis­tisch häu­fi­ger bei EU-Aus­län­dern nach­tei­li­ger aus­wirkt als bei Inlän­dern 12.

Im vor­lie­gen­den Fall haben die Nota­re bereits nicht dar­ge­legt, dass eine sol­che EU-Aus­län­der­dis­kri­mi­nie­rung jeden­falls mit­tel­bar oder ver­steckt vor­liegt.

Die Mög­lich­keit für Leih­ar­beits­un­ter­neh­men, den Nota­ren im Bereich der Notar­kas­se Leih­ar­bei­ter auf ver­gleich­ba­rem juris­ti­schen Niveau anzu­bie­ten, ist nicht für EU-Aus­län­der erschwert, son­dern genau in glei­cher Wei­se auch für inlän­di­sche Leih­ar­beits­un­ter­neh­men, unbe­scha­det der Fra­ge, ob es über­haupt einen ent­spre­chen­den Markt dafür gibt und unbe­scha­det der Fra­ge, ob eine sol­che Dis­kri­mi­nie­rung ange­sichts über­wie­gen­der öffent­li­cher Belan­ge einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge gerecht­fer­tigt sein könn­te. Aus Art. 49 AEUV kön­nen die Nota­re des­halb nicht ein Recht zur jeder­zei­ti­gen Been­di­gung der Zuwei­sung auf blo­ßes Ver­lan­gen hin her­lei­ten.

Ohne Erfolg machen die Nota­re gel­tend, die Zuwei­sung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter ver­sto­ße gegen die Richt­li­nie 2008/​104/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 19.11.2008 über Leih­ar­beit 13. Dabei kann offen blei­ben, ob der Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie über­haupt das Sys­tem der Zuwei­sung von fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern an die Nota­re durch die Notar­kas­se erfasst, ist es doch nach Art. 2 der Richt­li­nie ihr Ziel, für den Schutz der Leih­ar­beit­neh­mer zu sor­gen, um die Qua­li­tät der Leih­ar­beit zu ver­bes­sern, in dem die Ein­hal­tung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von Leih­ar­beit­neh­mern gesi­chert wird. Die Nota­re möch­ten jedoch aus die­ser zum Schutz der Leih­ar­beit­neh­mer erlas­se­nen Richt­li­nie ein Recht ablei­ten, die Zuwei­sung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter jeder­zeit ohne Grund been­den zu kön­nen. Sie ver­lan­gen eine Schlech­ter­stel­lung der ihnen zur Dienst­leis­tung zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter, was vom Ziel der Richt­li­nie bereits vom Ansatz her nicht erfasst ist. Dar­über hin­aus ergibt sich aus der Richt­li­nie nicht das von den Nota­ren bean­spruch­te Recht zur sofor­ti­gen Been­di­gung der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters. Gemäß Art. 10 Abs. 2 Satz 1 der Richt­li­nie legen die Mit­glied­staa­ten die Sank­tio­nen fest, die im Fal­le eines Ver­sto­ßes gegen die ein­zel­staat­li­chen Vor­schrif­ten zur Umset­zung die­ser Richt­li­nie Anwen­dung fin­den und tref­fen die erfor­der­li­chen Maß­nah­men, um deren Durch­füh­rung zu gewähr­leis­ten. Die Sank­tio­nen müs­sen nach Art. 10 Abs. 2 Satz 2 der Richt­li­nie wirk­sam, ange­mes­sen und abschre­ckend sein. Die Richt­li­nie sieht damit kei­ne eige­nen Sank­tio­nen vor, son­dern über­lässt deren Aus­wahl den Mit­glied­staa­ten. Die Aus­wahl wirk­sa­mer, ange­mes­se­ner und abschre­cken­der Sank­tio­nen gegen die Vor­schrif­ten der Richt­li­nie ist Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers und nicht der Gerich­te 14. Auch aus die­sem Gesichts­punkt her­aus kann des­halb für die Nota­re nicht das Recht aus der Richt­li­nie abge­lei­tet wer­den, sie könn­ten zu Las­ten der ihnen zuge­wie­se­nen fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter jeder­zeit die Been­di­gung der Zuwei­sung ver­lan­gen.

Soweit die Nota­re einen Ver­stoß gegen das Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz, mit dem der Gesetz­ge­ber die Richt­li­nie 2008/​104/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 19.11.2008 über Leih­ar­beit in natio­na­les Recht umge­setzt hat, gel­tend machen, haben sie eben­falls kei­nen Erfolg. Die Vor­schrif­ten des Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes sind auf die Zuwei­sung fach­kun­di­ger Mit­ar­bei­ter durch die Notar­kas­se an die Nota­re nicht anwend­bar. Es han­delt sich dabei um ein in § 113 BNo­tO gesetz­lich vor­ge­se­he­nes und gebil­lig­tes Leih­ar­beits­ver­hält­nis, das nach § 113 Abs.19 BNo­tO den auto­no­men Rege­lun­gen des Sat­zungs­rechts der Notar­kas­se als Lex spe­cia­lis unter­liegt und für die das all­ge­mei­ne Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­recht des­halb nicht gilt 15. Des­halb benö­tigt die Notar­kas­se auch kei­ne Erlaub­nis nach § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG.

Anfech­tungs­kla­ge

Auch bezüg­lich der Anfech­tungs­kla­ge gegen den Bescheid der Notar­kas­se, mit der die Staf­fel­ab­ga­be fest­ge­setzt wur­de, bestehen für den Bun­des­ge­richts­hof kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Rich­tig­keit des ange­foch­te­nen Urteils.

Der ange­foch­te­ne Bescheid, durch den die von den Nota­ren für das Jahr 2012 geschul­de­te Staf­fel­ab­ga­be end­gül­tig fest­ge­setzt wor­den ist, ist recht­mä­ßig.

Die Fest­set­zung der Staf­fel­ab­ga­be im ange­foch­te­nen Bescheid beruht auf gesetz­li­cher und sat­zungs­mä­ßi­ger Grund­la­ge. Sie berührt zwar den Schutz­be­reich des Art. 12 GG 16, ist jedoch ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich 17.

Die von den Nota­ren im Hin­blick auf die in den Staf­fel­bei­trä­gen ent­hal­te­nen Antei­le für die Finan­zie­rung der Zuwei­sung von fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­tern vor­ge­brach­ten Ein­wän­de grei­fen nicht durch.

Soweit die Nota­re gel­tend machen, das Abstel­len auf Urkun­den­zah­len bei der Zuwei­sung sei nicht "gerecht", weil die­se Zah­len mani­pu­lier­bar sei­en und nicht zwin­gend auf ein höhe­res Ein­kom­men des jewei­li­gen Notars schlie­ßen lie­ßen, bleibt dies ohne Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dazu bereits aus­ge­führt, dass die Zahl der Urkunds­ge­schäf­te auf jeden Fall einen zuver­läs­si­gen, weil auf objek­ti­ver Grund­la­ge beru­hen­den Maß­stab bil­det im Gegen­satz zur nur schwer zu beur­tei­len­den Schwie­rig­keit der ein­zel­nen Geschäf­te, über wel­che die Auf­fas­sun­gen oft aus­ein­an­der­ge­hen wer­den. Auch wenn die Anzahl der Urkunds­ge­schäf­te kei­ne Ide­al­lö­sung dar­stellt, so ist ein bes­se­rer und ange­mes­se­ne­rer Ver­tei­lungs­maß­stab nicht erkenn­bar. Kon­kre­te Anhalts­punk­te dafür, dass die­ser typi­sie­ren­de Maß­stab durch mani­pu­lier­te Zah­len als sol­cher infra­ge stün­de, bestehen nicht 18. Die Nota­re unter den Gene­ral­ver­dacht der Mani­pu­la­ti­on zu stel­len, wird ihrer Stel­lung als Amts­trä­ger nicht gerecht.

Die Nota­re rügen wei­ter, bei der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters wer­de ein nicht kos­ten­de­cken­der Regel­bei­trag erho­ben und die zusätz­li­chen Lohn­kos­ten­an­tei­le auf alle Nota­re umge­legt, die die­se über die Staf­fel­ab­ga­be bezahl­ten. Die Erstat­tung für nicht in Anspruch genom­me­ne Regel­stel­len wer­de nicht in Höhe des vol­len Kos­ten­bei­trags durch­ge­führt und die Erstat­tung beru­he auch nicht auf einer Sat­zung. Das kann der Anfech­tung des Bescheids über die Staf­fel­ab­ga­be jedoch nicht zum Erfolg ver­hel­fen. Die Erhe­bung eines Regel­bei­trags für die Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters durch die Notar­kas­se ver­letzt die Rech­te der Nota­re nicht. Sie selbst füh­ren aus, dass die – scil. über die Staf­fel­ab­ga­be finan­zier­te – nicht kos­ten­de­cken­de Ein­for­de­rung eines Regel­bei­trags für eine Regel­stel­le die jewei­li­gen Nota­re, so die Stel­le besetzt ist, begüns­tigt. Der Staf­fel­bei­trag begeg­net auch sonst kei­nen recht­li­chen Beden­ken. Die Notar­kas­se kann nach § 113 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 BNo­tO fach­kun­di­ge Mit­ar­bei­ter beschäf­ti­gen, die den Nota­ren im Tätig­keits­be­reich der Kas­se zur Dienst­leis­tung zuge­wie­sen wer­den. Die Zuwei­sung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter dient den Belan­gen einer geord­ne­ten vor­sor­gen­den Rechts­pfle­ge. Auf die­sem Gebiet erwer­ben die Mit­ar­bei­ter beson­de­re Fach­kun­de in einer mehr­jäh­ri­gen, an die Fach­an­ge­stell­ten­aus­bil­dung anschlie­ßen­den Aus­bil­dung, die mit einer eige­nen Prü­fung abschließt. Dies setzt den fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter instand, den Notar bei der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben zu unter­stüt­zen. Regel­mä­ßig ver­bleibt der fach­kun­di­ge Mit­ar­bei­ter an der Notar­stel­le und wird dem Amts­nach­fol­ger zuge­wie­sen. Das stellt eine im Inter­es­se der recht­su­chen­den Bevöl­ke­rung erwünsch­te Kon­ti­nui­tät an sol­chen Notar­stel­len sicher, deren Inha­ber häu­fig wech­seln. Die abga­ben­fi­nan­zier­te Zuwei­sung ermög­licht auch den Nota­ren, die umsatz­schwa­che Stel­len inne­ha­ben, die Dienst­leis­tung durch hoch­qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter 19. Dass die Nota­re sich auf­grund der Staf­fel­ab­ga­be ent­spre­chend ihres wirt­schaft­li­chen Erfol­ges unter­schied­lich an den Kos­ten der Notar­kas­se betei­li­gen müs­sen, ist – wie bereits aus­ge­führt – ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich und beruht auf § 113 BNo­tO i.V.m. den Sat­zun­gen der Notar­kas­se. Dass die Erstat­tung der Regel­bei­trä­ge für nicht besetz­te Regel­stel­len nicht auf einer Sat­zung son­dern auf Ver­wal­tungs­übung beruht, recht­fer­tigt nicht die Anfech­tung der Staf­fel­ab­ga­be. Bei den Erstat­tungs­re­ge­lun­gen han­delt es sich grund­sätz­lich um für die Nota­re güns­ti­ge Rege­lun­gen. Dass die Nota­re mit nicht besetz­ten Regel­stel­len die Regel­bei­trä­ge nicht in vol­lem Umfang erstat­tet erhal­ten, stößt eben­falls nicht auf Beden­ken, da es auf der Hand liegt, dass neben den zu zah­len­den Gehäl­tern wei­te­re Ver­wal­tungs­kos­ten anfal­len, die unab­hän­gig von der Zuwei­sung im Ein­zel­fall sind. Es ist des­halb gerecht­fer­tigt, dass unab­hän­gig von der Zuwei­sung eines fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ters eine gerin­ge Kos­ten­be­tei­li­gung vor­ge­se­hen ist.

Soweit die Nota­re gel­tend machen, dass eini­ge Nota­re zwei Stel­len hät­ten und inso­weit einen beson­de­ren Vor­teil gegen­über den ande­ren Nota­ren erhiel­ten, greift auch dies nicht durch. Die Ein­rich­tung der zwei­ten Stel­le rich­tet sich nach der Zahl der Urkun­den. Soweit ein höhe­res Urkun­den­auf­kom­men vor­liegt, wird damit regel­mä­ßig ein höhe­res Gebüh­ren­auf­kom­men ver­bun­den sein. Selbst wenn dies nicht regel­mä­ßig und zwin­gend so sein muss, so bleibt es jedoch im Rah­men der dem Sat­zungs­ge­ber ein­ge­räum­ten Ein­schät­zungs­be­fug­nis, in typi­sie­ren­der Betrach­tungs­wei­se eine höhe­re wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit eines Notars anzu­neh­men, der sich im Rah­men der Staf­fel­ab­ga­be in grö­ße­rem Umfang an den Kos­ten zu betei­li­gen hat.

Ohne Erfolg bleibt auch der Ver­such der Nota­re, aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 20 zu Kin­der­gar­ten­ge­büh­ren die Rechts­wid­rig­keit der Staf­fel­ab­ga­be abzu­lei­ten. Soweit die Ein­nah­men aus der Staf­fel­ab­ga­be dazu ver­wandt wer­den, die durch die Beschäf­ti­gung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter ent­ste­hen­den Kos­ten zu decken, han­delt es sich der Sache nach um eine Son­der­ab­ga­be, die kei­nem ande­ren Abga­be­ty­pus zuge­ord­net wer­den kann 21. Die Abga­be ist ins­be­son­de­re kei­ne Gebühr, da sie – anders als der Besol­dungs­bei­trag – unab­hän­gig von einer indi­vi­du­ell zure­chen­ba­ren öffent­li­chen Leis­tung erho­ben wird. Aber auch nach dem Gebüh­ren­recht gibt es kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot, dass die erho­be­nen Gebüh­ren immer kos­ten­de­ckend sein müs­sen 22.

Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Nota­re liegt auch kein Ver­stoß gegen Art. 49 AEUV oder die Richt­li­nie 2008/​104/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 19.11.2008 vor. Wie bereits aus­ge­führt, ist durch die Zuwei­sung der fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von EU-Aus­län­dern gege­ben. Im Übri­gen wür­de im vor­lie­gen­den Fall die Anfech­tung des Abga­ben­be­scheids aus­ge­hend von der Argu­men­ta­ti­on der Nota­re die Dis­kri­mi­nie­rung ver­schär­fen, da sie ihre Bei­trags­last ver­rin­gern und damit den nach ihrer Ansicht rechts­wid­ri­gen Vor­teil gegen­über EU-Aus­län­dern ver­grö­ßern wür­de. Aus­ge­hend vom Stand­punkt der Nota­re müss­te viel­mehr der Bei­trag für die fach­kun­di­gen Mit­ar­bei­ter höher sein, als er jetzt ist. Im Übri­gen beru­fen sich die Nota­re inso­weit auf die zum Schutz ande­rer EU-Aus­län­der geschaf­fe­nen euro­pa­recht­li­chen Nor­men. Die­se schüt­zen jedoch nicht sie als begüns­tig­te einer sol­chen behaup­te­ten Dis­kri­mi­nie­rung. Sie wer­den inso­weit in ihren Rech­ten nicht berührt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juli 2014 – NotZ(Brfg) 15/​13

  1. Amt­li­ches Mit­tei­lungs­blatt der Lan­des­no­tar­kam­mer Bay­ern und der Notar­kas­se 2006, S. 6[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 05.06.2013 – VA-Not 5/​12[]
  3. zuletzt BGH, Beschluss vom 25.11.2013 – NotZ(Brfg) 13/​13 8 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 27.06.1966 – NotZ 1/​66, Umdruck S. 22 n.v. zu § 113 BNo­tO[]
  5. Bra­cker in Schippel/​Bracker, BNo­tO, 9. Aufl., § 113 Rn. 33 und 35[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 27.06.1966 – NotZ 1/​66, Umdruck S. 23 f., 25 n.v.[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 15.07.1969 – NotZ 8/​68, Umdruck S. 12 ff., 17 n.v.; Art. 49 Abs. 1 VwVfG; Art. 49 Abs. 1 BayV­wVfG[]
  8. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.07.1969 aaO S. 17; und vom 27.06.1966 aaO S. 21 f., 28 f.[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 27.06.1966 aaO S. 21[]
  10. vgl. EuGH, DSt­RE 2007, 1099, 1101 zu Art. 39 EG; Cal­lies­s/­Ruf­fert-Brech­mann, EUV/​AEUV, 4. Aufl., AEUV Art. 45 Rn. 47[]
  11. vgl. Cal­lies­s/­Ruf­fert-Römer, UV/​AEUV, 4. Aufl., Art. 49 AEUV Rn. 6 mwN[]
  12. vgl. Cal­lies­s/­Ruf­fert-Römer, aaO, Art. 49 AEUV Rn.20 mwN; vgl. auch EUGH, Deut­sches Steu­er­recht 1991, 454 zu Art. 48 Abs. 2 EWG-Ver­trag[]
  13. ABl.EU L 327/​9 vom 05.12 2008[]
  14. vgl. BAG ZIP 2014, 437, 441[]
  15. vgl. Bra­cker in Schippel/​Bracker, BNo­tO, 9. Aufl., § 113 Rn. 33[]
  16. BVerfGE 111, 191, 213 f.[]
  17. vgl. BVerfGE 111, 191, 224; BGH, Beschluss vom 25.04.1994 – NotZ 8/​93, BGHZ 126, 16, 31[]
  18. vgl. BGH, Beschluss vom 27.06.1966 – NotZ 17/​66, S. 22 f.[]
  19. Bra­cker aaO § 113 Rn. 33 f.[]
  20. BVerfGE 97, 332[]
  21. vgl. BGH, Beschluss vom 25.04.1994 – NotZ 8/​93, BGHZ 126, 16, 28; Sand­küh­ler in Arndt/​Lerch/​Sandkühler, BNo­tO, 7. Aufl., § 113 Rn. 63[]
  22. BVerfGE 97, 332, 345[]