Wider­spruchs­frist bei Lebens­ver­si­che­run­gen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob Art. 15 Abs. 1 Satz 1 der Zwei­ten Lebens­ver­si­che­rungs-Richt­li­nie 1 unter Berück­sich­ti­gung des Art. 31 Abs. 1 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs-Richt­li­nie 2 dahin aus­zu­le­gen ist, dass er einer Rege­lung wie in § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. ent­ge­gen­steht, nach der ein Rück­tritts- oder Wider­spruchs­recht spä­tes­tens ein Jahr nach Zah­lung der ers­ten Ver­si­che­rungs­prä­mie erlischt, selbst wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht über das Recht zum Rück­tritt oder Wider­spruch belehrt wor­den ist.

Wider­spruchs­frist bei Lebens­ver­si­che­run­gen

Der kla­gen­de Ver­si­che­rungs­neh­mer begehrt Rück­zah­lung geleis­te­ter Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge aus einer Ren­ten­ver­si­che­rung nach einem Wider­spruch gemäß § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. Die All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und die Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on erhielt der Klä­ger mit Über­sen­dung des Ver­si­che­rungs­scheins. Dabei wur­de er nicht in druck­tech­nisch her­vor­ge­ho­be­ner Form über sein Wider­spruchs­recht belehrt. Den Wider­spruch erklär­te der Klä­ger erst nach Ablauf der in § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. fest­ge­leg­ten Jah­res­frist.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Rück­zah­lungs­kla­ge befass­te Land­ge­richt Stutt­gart wie auch auf die Beru­fung des Klä­gers das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart haben die Kla­ge abge­wie­sen, weil der Wider­spruch gegen das Zustan­de­kom­men des Ver­tra­ges gemäß § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. ver­fris­tet war.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wird nun zu prü­fen haben, ob die­se deut­schen Fris­ten­re­ge­lung nicht die Bestim­mun­gen der Art. 15 der Zwei­ten Lebens­ver­si­che­rungs-Richt­li­nie bzw. Art. 31 der Drit­ten Lebens­ver­si­che­rungs-Richt­li­nie ent­ge­gen ste­hen. Wei­te­re ver­gleich­ba­re und eben­falls beim Bun­des­ge­richts­hof anhän­gi­ge Ver­fah­ren wur­den vom BGH im Hin­blick auf die Vor­la­ge ana­log § 148 ZPO aus­ge­setzt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. März 2012 – IV ZR 76/​11

  1. Zwei­te Richt­li­nie 90/​619/​EWG des Rates vom 8. Novem­ber 1990 zur Koor­di­nie­rung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für die Direkt­ver­si­che­rung (Lebens­ver­si­che­rung) und zur Erleich­te­rung der tat­säch­li­chen Aus­übung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs sowie zur Ände­rung der Richt­li­nie 79/​267/​EWG
    Arti­kel 15: (1) Jeder Mit­glied­staat schreibt vor, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer eines indi­vi­du­el­len Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trags, der in einem der in Titel III genann­ten Fäl­le geschlos­sen wird, von dem Zeit­punkt an, zu dem der Ver­si­che­rungs­neh­mer davon in Kennt­nis gesetzt wird, dass der Ver­trag geschlos­sen ist, über eine Frist ver­fügt, die zwi­schen 14 und 30 Tagen betra­gen kann, um von dem Ver­trag zurück­zu­tre­ten.[]
  2. Richt­li­nie 92/​96/​EWG des Rates vom 10. Novem­ber 1992 zur Koor­di­nie­rung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für die Direkt­ver­si­che­rung (Lebens­ver­si­che­rung) sowie zur Ände­rung der Richt­li­ni­en 79/​267/​EWG und 90/​619/​EWG (Drit­te Richt­li­nie Lebens­ver­si­che­rung)
    Arti­kel 31: (1) Vor Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­trags sind dem Ver­si­che­rungs­neh­mer min­des­tens die in Anhang II Buch­sta­be A auf­ge­führ­ten Anga­ben mit­zu­tei­len.[]