Bekann­te Erkran­kun­gen sind kein Rei­se­rück­tritts­grund

Die sta­tio­nä­re Auf­nah­me in einem Kran­ken­haus zum Zwe­cke der Durch­füh­rung einer Dia­gno­se von vor­ge­tra­ge­nen Beschwer­den ist als sol­che kein Rei­se­rück­tritts­grund.

Bekann­te Erkran­kun­gen sind kein Rei­se­rück­tritts­grund

In einem jetzt vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen fall buch­te der spä­te­re Klä­ger am 22. Janu­ar 2007 für sich und sei­ne Ehe­frau eine Urlaubs­rei­se nach Nor­we­gen zum Gesamt­rei­se­preis von 3230 Euro. Die 14-tägi­ge Rei­se soll­te am 28.3.07 ange­tre­ten wer­den. Die Ehe­frau des Klä­gers litt seit 1996 an Ohn­machts­an­fäl­len auf Grund einer Herz­er­kran­kung. Sie erhielt des­halb im Jah­re 2002 einen Herz­schritt­ma­cher. Im Okto­ber 2006 kam es immer wie­der zu Schwin­del­an­fäl­len. Des­halb begab sie sich am 5.1.07 in ärzt­li­che Behand­lung. Am 9.3.07 ging sie zu einer Rou­ti­ne­über­prü­fung des Herz­schritt­ma­chers in eine Uni­ver­si­täts­kli­nik und wur­de dort zur Abklä­rung der Ursa­che der Schwin­del­an­fäl­le sta­tio­när auf­ge­nom­men. Am glei­chen Tage stor­nier­te ihr Ehe­mann die Rei­se und ver­lang­te vom Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rer die Rei­se­kos­ten erstat­tet. Die­ser wei­ger­te sich zu zah­len, da die Krank­heit der Ehe­frau schon eine Wei­le bestand. Der Ehe­mann erhob dar­auf hin Kla­ge vor dem AG Mün­chen. Der zustän­di­ge Rich­ter wies die Kla­ge jedoch ab:

Die Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung müs­se nur zah­len, wenn der Rei­se­an­tritt infol­ge einer uner­war­te­ten schwe­ren Erkran­kung unzu­mut­bar sei. Hier sei die Stor­nie­rung aber erfolgt, weil die Ehe­frau zur wei­te­ren Dia­gno­se sta­tio­när auf­ge­nom­men wor­den sei. Eine Stor­nie­rung infol­ge einer durch­zu­füh­ren­den Dia­gno­se fal­le aber nicht unter das ver­si­cher­te Risi­ko. Man wis­se, gera­de weil die Dia­gno­se erst noch durch­ge­führt wer­den müs­se, noch gar nicht, ob über­haupt eine Erkran­kung vor­lie­ge. Im Übri­gen wäre auch die Erkran­kung, soll­te man sie anneh­men, jeden­falls nicht uner­war­tet. Die Ehe­frau habe schließ­lich seit Okto­ber 2006 an den Ohn­machts­an­fäl­len gelit­ten und sich am 5.1.07, also auch noch vor der Buchung in ärzt­li­che Behand­lung bege­ben.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 9. Mai 2008 – 154 C 35611/​07 (rechts­kräf­tig)