Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung – und die Ver­wei­sung auf eine ande­re Tätig­keit

Eine Ver­wei­sung des Ver­si­cher­ten auf eine ande­re Tätig­keit kommt nach § 2 Abs. 1 der Bedin­gun­gen der Beklag­ten nur dann in Betracht, wenn die ande­re Tätig­keit sei­ner bis­he­ri­gen Lebens­stel­lung ent­spricht.

Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung – und die Ver­wei­sung auf eine ande­re Tätig­keit

Die bis­he­ri­ge Lebens­stel­lung wird vor allem durch die zuletzt aus­ge­üb­te Tätig­keit geprägt. Ihre Berück­sich­ti­gung son­dert Tätig­kei­ten aus, deren Aus­übung deut­lich gerin­ge­re Fähig­kei­ten und Erfah­rung erfor­dert als der bis­he­ri­ge Beruf 1. Die Lebens­stel­lung des Ver­si­cher­ten wird also von der Qua­li­fi­ka­ti­on sei­ner Erwerbs­tä­tig­keit bestimmt, die sich wie­der­um dar­an ori­en­tiert, wel­che Kennt­nis­se und Erfah­run­gen die ord­nungs­ge­mä­ße und sach­ge­rech­te Aus­übung der Tätig­keit vor­aus­setzt.

Eine Ver­gleich­s­tä­tig­keit ist dann gefun­den, wenn die neue Erwerbs­tä­tig­keit kei­ne deut­lich gerin­ge­ren Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten erfor­dert und in ihrer Ver­gü­tung sowie in ihrer sozia­len Wert­schät­zung nicht spür­bar unter das Niveau des bis­lang aus­ge­üb­ten Berufs absinkt (BGH, aaO).

Der Umstand, dass das Ein­kom­men der ver­si­cher­ten Per­son in sei­nem ursprüng­li­chen Beruf nicht zur Deckung des Lebens­un­ter­halts aus­reich­te und sein Berufs­wech­sel zu einer erheb­li­chen Ein­kom­mens­stei­ge­rung geführt hat, ändert nichts dar­an, dass die für die zuletzt aus­ge­üb­te Tätig­keit erfor­der­li­chen Kennt­nis­se und die hier­für not­wen­di­ge Erfah­rung sei­ne beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, die durch die neue Tätig­keit nicht deut­lich unter­schrit­ten wer­den darf, bestim­men. Der Ver­si­cher­te darf in dem von ihm aus­ge­üb­ten Ver­wei­sungs­be­ruf unab­hän­gig von einem unter Umstän­den auch höhe­ren Ein­kom­men nicht "unter­wer­tig", also sei­ne frü­he­re Qua­li­fi­ka­ti­on und sei­nen beruf­li­chen oder sozia­len Sta­tus unter­schrei­tend, beschäf­tigt sein 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Dezem­ber 2017 – IV ZR 11/​16

  1. BGH, Urtei­le vom 21.04.2010 – IV ZR 8/​08, VersR 2010, 1023 Rn. 11; vom 11.12 2002 – IV ZR 302/​01, NJW-RR 2003, 383 unter – II 1 13]; vom 11.12 1996 – IV ZR 238/​95, VersR 1997, 436 unter – II 3 b 29][]
  2. Rix­e­cker in Langheid/​Rixecker, VVG 5. Aufl. § 172 Rn. 46[]