Darm­spie­ge­lung, Darm­krebs, Rei­sestor­no

Wird bei einer Darm­spie­ge­lung im Rah­men einer Rou­ti­ne­un­ter­su­chung ein Polyp fest­ge­stellt, der sich spä­ter als Krebs­ge­schwür erweist, muss der­je­ni­ge, der eine Rei­se geplant hat, nicht schon sofort bei Ent­nah­me des Poly­pen die­se stor­nie­ren. Er muss nicht sofort auf eine Krebs­er­kran­kung schlie­ßen. Die Stor­nie­rung bei Mit­tei­lung der end­gül­ti­gen Dia­gno­se ist recht­zei­tig und unver­züg­lich.

Darm­spie­ge­lung, Darm­krebs, Rei­sestor­no

In einem jetzt vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Rechts­streit schloss der spä­te­re Klä­ger im August 2007 für sich und sei­ne Frau bei einem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung für eine Rei­se nach Thai­land ab. Rei­se­be­ginn wäre Mit­te Novem­ber 2007 gewe­sen.

Mit­te Okto­ber 2007 wur­de im Rah­men einer Rou­ti­ne­un­ter­su­chung beim spä­te­ren Klä­ger eine Darm­spie­ge­lung vor­ge­nom­men, in deren Ver­lauf auch ein Polyp ent­fernt und zur his­to­lo­gi­schen Unter­su­chung an ein Labor gesandt wur­de. Der Befund ging Ende Okto­ber 2007 beim Haus­arzt des Klä­gers ein, er selbst erfuhr aber erst 14 Tage spä­ter davon. Nach wei­te­ren Unter­su­chun­gen und Bera­tun­gen mit Spe­zia­lis­ten wur­de schließ­lich beim spä­te­ren Klä­ger Darm­krebs dia­gnos­ti­ziert. Er muss­te ope­riert wer­den. Am Tag der end­gül­ti­gen Dia­gno­se stor­nier­te der Ver­si­che­rungs­neh­mer die Rei­se. Auf Grund der Stor­nie­rung fie­len Stor­no­kos­ten in Höhe von 5800 € an. Hier­von bezahl­te die Ver­si­che­rung 3283 €. Sie leg­te bei der Berech­nung den Tag des Ein­gan­ges des Befun­des beim Haus­arzt zugrun­de. Dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer sich erst 14 Tage spä­ter davon Kennt­nis ver­schaff­te, sei eine gro­be Nach­läs­sig­keit, die zu sei­nen Las­ten gehe. Es sei­en daher nur die Kos­ten zu beglei­chen, die bei recht­zei­ti­ger Anzei­ge Ende Okto­ber ange­fal­len wären.

Damit woll­te sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht zur­frie­den geben und klag­te die rest­li­chen Stor­no­kos­ten beim Amts­ge­richt Mün­chen ein. Und der zustän­di­ge Rich­ter gab ihm Recht:

Beim Klä­ger habe durch die Darm­krebs­er­kran­kung eine schwe­re Erkran­kung vor­ge­le­gen. Die Anzei­ge des Ver­si­che­rungs­fal­les sei auch unver­züg­lich erfolgt. Unver­züg­lich bedeu­te, dass sie ohne schuld­haf­tes Zögern abge­ge­ben sein müs­se. Dies sei hier der Fall. Bei der durch­ge­führ­ten Darm­spie­ge­lung han­del­te es sich unstrei­tig um eine Rou­ti­ne­un­ter­su­chung. Dass hier­bei auch ein Polyp ent­fernt und zur his­to­lo­gi­schen Unter­su­chung an ein Labor gesandt wur­de, ände­re nichts dar­an, dass der Klä­ger die Unter­su­chung nicht auf Grund von aku­ten Beschwer­den, die mög­li­cher­wei­se ein Hin­weis auf eine schwe­re Erkran­kung hät­ten sein kön­nen, vor­neh­men ließ. Nie­mand hät­te dem Klä­ger gesagt, wie lan­ge eine his­to­lo­gi­sche Unter­su­chung dau­ern wür­de. Dass dem behan­deln­den Haus­arzt die Ergeb­nis­se schon 14 Tage lang vor­la­gen und er sie nicht unmit­tel­bar an den Klä­ger wei­ter­ge­lei­tet habe, sei dem Klä­ger nicht zuzu­rech­nen. Der Haus­arzt sei inso­weit nicht Erfül­lungs­ge­hil­fe des Klä­gers. Es bestün­de auch kei­ne Pflicht des Klä­gers, sich in kür­ze­ren Zeit­ab­stän­den danach zu erkun­di­gen, ob die Ergeb­nis­se der Labor­un­ter­su­chung bereits vor­lä­gen. Dies möge dann der Fall sein, wenn eine aku­te Erkran­kung vor­lie­ge. Bei einer Rou­ti­ne­un­ter­su­chung ohne kon­kre­ten Anlass müs­se der Ver­si­cher­te nicht mit einer Dia­gno­se rech­nen, die einen Rei­se­an­tritt unmög­lich mache. Ihm in die­ser Kon­stel­la­ti­on die Ver­pflich­tung auf­zu­bür­den, sich kurz­fris­tig und mehr­mals dar­über zu infor­mie­ren, ob die Labor­un­ter­su­chun­gen bereits abge­schlos­sen sei­en, wür­de die Anfor­de­run­gen an den Klä­ger über­span­nen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil Mün­chen vom 15. April 2009 – 142 C 31476/​08 (rechts­kräf­tig)