Der bei der Haft­pflicht­ver­si­che­rung ange­stell­te Sach­ver­stän­di­ge – und des­sen delik­ti­sche Haf­tung

Schal­tet sich ein bei dem Ver­si­che­rer des Schä­di­gers ange­stell­ter KfZ-Sach­ver­stän­di­ger unter Inan­spruch­nah­me sei­ner Sach­kun­de zum Nach­teil des Geschä­dig­ten in die Repa­ra­tur­leis­tung der von die­sem mit der Scha­dens­be­he­bung beauf­trag­ten Werk­statt ein, kann dies sei­ne delik­ti­sche (Mit-)Haf­tung für einen auf der man­gel­haf­ten Repa­ra­tur beru­hen­den wei­te­ren Scha­den begrün­den.

Der bei der Haft­pflicht­ver­si­che­rung ange­stell­te Sach­ver­stän­di­ge – und des­sen delik­ti­sche Haf­tung

Der Aus­gangs­sach­ver­halt

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Eigen­tü­me­rin eines PKW geklagt, die an einer Tank­stel­le einen „Tank­wart­check“ durch­füh­ren ließ. Der Mit­ar­bei­ter der Tank­stel­le schraub­te den Deckel des Kühl­was­ser­aus­gleich­be­häl­ters nicht wie­der auf. Hier­durch ent­stand bei einer Fahrt fünft Tage spä­ter ein Scha­den am Zylin­der­kopf des Motors, der von der Betriebs­haft­pflicht­ver­si­che­rung der Tank­stel­le, der Z‑Versicherung, abge­deckt war. Der Pkw wur­de zwecks Prü­fung und Durch­füh­rung der Besei­ti­gung des Motor­scha­dens zu einer Werk­statt geschleppt.

Die Z‑Versicherung zog den einen bei ihr ange­stell­ten Kfz-Sach­ver­stän­di­gen, hin­zu. Der Werk­un­ter­neh­mer ver­ein­bar­te mit dem Sach­ver­stän­di­gen, dass zunächst der Zylin­der­kopf ent­fernt wer­den sol­le, um das Aus­maß des Scha­dens fest­stel­len zu kön­nen. Der Sach­ver­stän­di­ge stell­te fest, dass neben den Arbei­ten am Zylin­der­kopf auch der Zahn­rie­men zu wech­seln sei. Wäh­rend der Begut­ach­tung wies der Werk­un­ter­neh­mer den Sach­ver­stän­di­gen dar­auf hin, dass nicht nur der Zahn­rie­men gewech­selt wer­den müs­se, son­dern auch die Zusatz­rie­men, die die Neben­ag­gre­ga­te antrei­ben. Der Sach­ver­stän­di­ge erklär­te, dies sei unnö­tig und wür­de ledig­lich die Kos­ten in die Höhe trei­ben. Nach Beauf­tra­gung durch die Kfz-Eigen­tü­me­rin führ­te der Werk­un­ter­neh­mer die Repa­ra­tur des Pkw nach den Vor­ga­ben des Sach­ver­stän­di­gen wider bes­se­res Wis­sen durch. Bei einer Fahrt mit dem Pkw ent­stand an die­sem ein wirt­schaft­li­cher Total­scha­den. Der Scha­den beruh­te dar­auf, dass der Werk­un­ter­neh­mer zwar Zylin­der­kopf und Zahn­rie­men repa­riert, nicht jedoch auch die Zusatz­an­triebs­rie­men aus­ge­tauscht hat­te.

Die Auf­fas­sung des Land­ge­richts Düs­sel­dorf

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Kla­ge auf Ersatz des Wie­der­be­schaf­fungs­auf­wands sowie auf Nut­zungs­aus­fall gegen die als Gesamt­schuld­ner in Anspruch genom­me­nen damals zwei Beklag­ten – hin­sicht­lich des Werk­un­ter­neh­mers rechts­kräf­tig – statt­ge­ge­ben [1]. Die Beru­fung des eben­falls beklag­ten Sach­ver­stän­di­gen hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf nach zwi­schen­zeit­li­cher Erfül­lung der Kla­ge­for­de­rung durch den Werk­un­ter­neh­mer mit der Maß­ga­be zurück­ge­wie­sen, dass der Rechts­streit in der Haupt­sa­che erle­digt sei [2]. Mit der vom Land­ge­richt im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt der Sach­ver­stän­di­ge das Ziel der Kla­ge­ab­wei­sung wei­ter.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Düs­sel­dorf war die Kla­ge auch gegen­über dem beklag­ten Sach­ver­stän­di­gen ursprüng­lich begrün­det und ist erst nach­träg­lich durch die Erfül­lungs­leis­tung des Werk­un­ter­neh­mers unbe­grün­det gewor­den, wes­halb auf die ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung der Kfz-Eigen­tü­me­rin die Erle­di­gung des Rechts­streits in der Haupt­sa­che fest­zu­stel­len gewe­sen sei.

Der Anspruch gegen den Sach­ver­stän­di­gen erge­be sich aus § 823 Abs. 1 BGB. Der Sach­ver­stän­di­ge habe durch sein Han­deln, näm­lich sei­ne Erklä­rung gegen­über dem Werk­un­ter­neh­mer, die Erneue­rung der Zusatz­an­triebs­rie­men sei über­flüs­sig, das Unter­blei­ben die­ser Maß­nah­me ver­an­lasst, was zu dem Ein­tritt des Motor­scha­dens geführt habe. Die dar­in lie­gen­de Ver­let­zung des Eigen­tums der PKW-Eigen­tü­me­rin habe der Sach­ver­stän­di­ge auf die­se Wei­se mit­tel­bar ver­ur­sacht. Zwar gel­te in der­ar­ti­gen Fäl­len mit­tel­ba­rer Schä­di­gung die Leh­re vom Erfolgs­un­recht nur ein­ge­schränkt, so dass den Schä­di­ger gegen­über dem mit­tel­bar Geschä­dig­ten eine Rechts­pflicht zum (feh­ler­frei­en) Han­deln getrof­fen haben müs­se. Eine sol­che Rechts­pflicht sei im Streit­fall aber zu beja­hen. Zwar habe der Sach­ver­stän­di­ge in kei­nem ver­trag­li­chen Ver­hält­nis zur Kfz-Eigen­tü­me­rin gestan­den, die­se sei aber als Eigen­tü­me­rin des Pkw, des­sen geplan­te Repa­ra­tur er zu begut­ach­ten gehabt habe, mit dem Ergeb­nis sei­ner Über­prü­fung bestim­mungs­ge­mäß in Berüh­rung gekom­men. In die­sem Zusam­men­hang kom­me es nicht dar­auf an, dass die Kfz-Eigen­tü­me­rin und die Z‑Versicherung als Arbeit­ge­ber des Sach­ver­stän­di­ge unter­schied­li­che Inter­es­sen ver­folgt hät­ten.

Die Rechts­gut­ver­let­zung sei dem Sach­ver­stän­di­gen auch zuzu­rech­nen. Der Zurech­nungs­zu­sam­men­hang sei nicht durch das Dazwi­schen­tre­ten des Werk­un­ter­neh­mers unter­bro­chen wor­den, da der Sach­ver­stän­di­ge als Kfz-Sach­ver­stän­di­ger, dem beson­de­res Exper­ten­wis­sen zuge­mes­sen wer­de, die man­gel­haf­te Repa­ra­tur durch den Werk­un­ter­neh­mer her­aus­ge­for­dert habe. Schließ­lich habe der Sach­ver­stän­di­ge auch schuld­haft, näm­lich sorg­falts­wid­rig gehan­delt.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs

Die­se Erwä­gun­gen hiel­ten der revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung durch den Bun­des­ge­richts­hof stand. Die Kla­ge war ursprüng­lich begrün­det, weil der Sach­ver­stän­di­ge der Kfz-Eigen­tü­me­rin bis zur Erfül­lung der Kla­ge­for­de­rung durch den Werk­un­ter­neh­mer (§ 422 Abs. 1 Satz 1 BGB) mit die­sem als Gesamt­schuld­ner zum Ersatz des gel­tend gemach­ten Scha­dens aus uner­laub­ter Hand­lung ver­pflich­tet war (§ 823 Abs. 1, § 840 Abs. 1 BGB).

Kein Ver­trag mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter

Die Haf­tung des Sach­ver­stän­di­gen ergab sich nicht bereits nach den Grund­sät­zen eines Ver­tra­ges mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter. Der Sach­ver­stän­di­ge hat sei­ne Tätig­keit nicht als von der Z‑Versicherung hin­zu­ge­zo­ge­ner frei­er Sach­ver­stän­di­ger [3], son­dern als Ange­stell­ter der ZVer­si­che­rung erbracht. Die­ses Ange­stell­ten­ver­hält­nis ist nicht geeig­net, Schutz­wir­kung zuguns­ten der Kfz-Eigen­tü­me­rin zu ent­fal­ten.

Kein still­schwei­gend geschlos­se­ner Aus­kunfts­ver­trag

Eine ver­trag­li­che Haf­tung ergibt sich auch nicht auf der Grund­la­ge eines zwi­schen dem Werk­un­ter­neh­mer und dem Sach­ver­stän­di­gen still­schwei­gend geschlos­se­nen Aus­kunfts­ver­trags [4], in des­sen Schutz­wir­kung die Kfz-Eigen­tü­me­rin ein­be­zo­gen wor­den wäre. Die tat­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen geben eine auch nur kon­klu­den­te Bit­te des Werk­un­ter­neh­mers an den Sach­ver­stän­di­gen um sach­ver­stän­di­ge Aus­kunft, auf die sich der Sach­ver­stän­di­ge ein­ge­las­sen hät­te, nicht her. Nach den Fest­stel­lun­gen wuss­te der Werk­un­ter­neh­mer schon vor Ein­schal­tung des Sach­ver­stän­di­gen, dass die Neben­an­triebs­rie­men aus­zu­tau­schen gewe­sen wären, und han­del­te anschlie­ßend wider bes­se­res Wis­sen.

Delik­ti­scher Anspruch

Frei von Rechts­feh­lern hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf einen Anspruch der Kfz-Eigen­tü­me­rin gegen den Sach­ver­stän­di­gen aus § 823 Abs. 1 BGB bejaht.

Hin­sicht­lich der schä­di­gen­den Hand­lung hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf zutref­fend auf die Aus­sa­ge des Sach­ver­stän­di­gen gegen­über dem Werk­un­ter­neh­mer abge­stellt, die Erneue­rung der Zusatz­an­triebs­rie­men sei über­flüs­sig und trei­be unnö­tig die Kos­ten in die Höhe. Mit die­ser Erklä­rung hat der Sach­ver­stän­di­ge das Unter­blei­ben einer ord­nungs­ge­mä­ßen Repa­ra­tur ver­an­lasst, weil der Werk­un­ter­neh­mer die Repa­ra­tur nach den Vor­ga­ben des Sach­ver­stän­di­gen durch­ge­führt hat. Dies hat in der Fol­ge zu dem Ein­tritt des der Kla­ge­for­de­rung zugrun­de­lie­gen­den (zwei­ten) Motor­scha­dens an dem Pkw und damit äqui­va­lent und ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on auch adäquat kau­sal zu einer Ver­let­zung des Eigen­tums der Kfz-Eigen­tü­me­rin geführt.

Der not­wen­di­ge haf­tungs­recht­li­che Zurech­nungs­zu­sam­men­hang wur­de nicht durch ein vor­sätz­li­ches Dazwi­schen­tre­ten des Werk­un­ter­neh­mers unter­bro­chen. Aller­dings kann, wenn ein Scha­den zwar bei rein natur­wis­sen­schaft­li­cher Betrach­tung mit der Hand­lung des Schä­di­gers in einem kau­sa­len Zusam­men­hang steht, die­ser Scha­den jedoch ent­schei­dend durch ein völ­lig unge­wöhn­li­ches und unsach­ge­mä­ßes Ver­hal­ten einer ande­ren Per­son aus­ge­löst wor­den ist, die Gren­ze über­schrit­ten sein, bis zu der dem Erst­schä­di­ger der Zweit­ein­griff und des­sen Aus­wir­kun­gen als Fol­ge­scha­den sei­nes Ver­hal­tens zuge­rech­net wer­den kön­nen. Inso­weit ist eine wer­ten­de Betrach­tung des Ein­zel­falls gebo­ten. Hat sich aus die­ser Sicht im Zweit­ein­griff nicht mehr das Scha­dens­ri­si­ko des Erst­ein­griffs ver­wirk­licht, war die­ses Risi­ko viel­mehr schon gänz­lich abge­klun­gen und besteht des­halb zwi­schen bei­den Ein­grif­fen bei wer­ten­der Betrach­tung nur ein „äußer­li­cher“, gleich­sam „zufäl­li­ger“ Zusam­men­hang, dann kann vom Erst­schä­di­ger bil­li­ger­wei­se nicht ver­langt wer­den, dem Geschä­dig­ten auch für die Fol­gen des Zweit­ein­griffs ein­ste­hen zu müs­sen [5]. So liegt der Fall hier indes nicht. Der Sach­ver­stän­di­ge hat die Ent­schei­dung des Werk­un­ter­neh­mers, auf den Aus­tausch auch der Zusatz­an­triebs­rie­men zu ver­zich­ten, mit sei­ner Erklä­rung gera­de inten­diert; damit hat sich die beson­de­re Gefahr ver­wirk­licht, die er durch die von ihm gesetz­te ers­te Ursa­che geschaf­fen hat. Dabei kam es nicht dar­auf an, ob sich der Werk­un­ter­neh­mer, wie vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf ange­nom­men, durch die Erklä­rung des Sach­ver­stän­di­gen zu sei­ner Ent­schei­dung her­aus­ge­for­dert füh­len durf­te [6].

Die Eigen­tums­ver­let­zung erfolg­te auch wider­recht­lich. Aller­dings ist die Rechts­wid­rig­keit bei einer – wie hier ver­mit­tels des Werk­un­ter­neh­mers – ledig­lich mit­tel­bar her­bei­ge­führ­ten Rechts­guts­ver­let­zung nicht schon durch die kau­sa­le Her­bei­füh­rung des Ver­let­zungs­er­fol­ges indi­ziert. Der Schä­di­ger hat viel­mehr nur dann für die Schä­di­gung ein­zu­ste­hen, wenn er gegen eine ihm zumin­dest auch gegen­über dem Geschä­dig­ten bestehen­de Rechts- oder Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­sto­ßen und damit pflicht­wid­rig gehan­delt hat, als er die Erst­ur­sa­che setz­te [7]. Dies ist vor­lie­gend bei gebo­te­ner wer­ten­der Betrach­tung der Fall.

Eine Rechts­pflicht des Sach­ver­stän­di­gen gegen­über der Kfz-Eigen­tü­me­rin ergibt sich im Streit­fall aller­dings nicht bereits dar­aus, dass die Z‑Versicherung für die bei ihr ver­si­cher­te Tank­stel­le gemäß § 249 Abs. 1 BGB die Wie­der­her­stel­lung des Pkw nach dem ers­ten Scha­den über­nom­men hät­te. Denn nach den tat­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen hat die Kfz-Eigen­tü­me­rin selbst den Werk­ver­trag mit dem Werk­un­ter­neh­mer geschlos­sen und damit von ihrer Erset­zungs­be­fug­nis gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB Gebrauch gemacht. Der Sach­ver­stän­di­ge befin­det sich auch nicht allein des­halb in einer haf­tungs­be­grün­den­den Pflich­ten­stel­lung gegen­über der Kfz-Eigen­tü­me­rin, weil er für sei­nen Arbeit­ge­ber, die Z‑Versicherung, eine Scha­dens­kal­ku­la­ti­on erstellt hat, in der er zu dem Ergeb­nis gekom­men ist, es sei allein der Zahn­rie­men, nicht aber die Zusatz­an­triebs­rie­men aus­zu­tau­schen. Die­se für sich genom­men inter­ne Tätig­keit für die Z‑Versicherung war nicht geeig­net, eine Rechts­pflicht des Sach­ver­stän­di­gen gegen­über der Kfz-Eigen­tü­me­rin zu begrün­den. Die Tätig­keit des Sach­ver­stän­di­gen unter­schei­det sich inso­weit von der eines frei­be­ruf­li­chen unab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen. Auch ist allein in dem Bestrei­ten der Berech­ti­gung einer Scha­dens­po­si­ti­on durch die Gegen­sei­te grund­sätz­lich kei­ne uner­laub­te Ein­wir­kung auf ein Rechts­gut der Kfz-Eigen­tü­me­rin zu sehen.

Eine haf­tungs­be­grün­den­de Rechts­pflicht des Sach­ver­stän­di­gen gegen­über der Kfz-Eigen­tü­me­rin ergibt sich nach den kon­kre­ten Umstän­den des Streit­falls aber dar­aus, dass er sich als Kfz-Sach­ver­stän­di­ger bei Inan­spruch­nah­me der ent­spre­chen­den Sach­kun­de und zugleich als Ver­tre­ter der für den Aus­gleich der Repa­ra­tur­kos­ten letzt­lich ver­ant­wort­li­chen Z‑Versicherung ohne Rück­spra­che mit der Kfz-Eigen­tü­me­rin in die von die­ser beauf­trag­te und ersicht­lich der Wie­der­her­stel­lung ihres Eigen­tums die­nen­de Repa­ra­tur­leis­tung des Werk­un­ter­neh­mers ein­ge­schal­tet und maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die von die­sem gegen­über der Kfz-Eigen­tü­me­rin zu erbrin­gen­de Werk­leis­tung genom­men hat. Wirk­te er aber in die­ser Wei­se auf den Umfang der vom Werk­un­ter­neh­mer zu erbrin­gen­den Repa­ra­tur­leis­tung ein, war er ver­pflich­tet, die Inter­es­sen der Kfz-Eigen­tü­me­rin nicht zu gefähr­den [8]. Gegen die­se Pflicht hat er dadurch ver­sto­ßen, dass er dem Werk­un­ter­neh­mer erklärt hat, der Aus­tausch der Zusatz­an­triebs­rie­men sei unnö­tig und wür­de ledig­lich die Repa­ra­tur­kos­ten in die Höhe trei­ben. Der Sach­ver­stän­di­ge hat mit die­ser Erklä­rung den Werk­un­ter­neh­mer sowohl durch Inan­spruch­nah­me sei­ner fach­li­chen Exper­ti­se („unnö­tig“) als auch durch den unter­schwel­li­gen Rekurs auf die mög­li­cher­wei­se man­geln­de Regu­lie­rungs­be­reit­schaft der Z‑Versicherung („ledig­lich Repa­ra­tur­kos­ten in die Höhe trei­ben“), für die er erkenn­bar auf­ge­tre­ten ist, von der Erbrin­gung einer objek­tiv not­wen­di­gen und der Kfz-Eigen­tü­me­rin geschul­de­ten Leis­tung abge­hal­ten.

Frei von Rechts­feh­lern hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf schließ­lich ange­nom­men, der Sach­ver­stän­di­ge habe das Eigen­tum der Kfz-Eigen­tü­me­rin fahr­läs­sig und damit schuld­haft ver­letzt, weil er bei sorg­falts­ge­mä­ßem Han­deln erkannt hät­te, dass sei­ne tech­ni­sche Exper­ti­se falsch war und der Ver­zicht auf den Aus­tausch auch der Neben­an­triebs­rie­men weit­rei­chen­de Fol­gen für den zu repa­rie­ren­den Motor haben konn­te. Anders als die Revi­si­on meint hat sich das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hier­bei kei­ne Sach­kun­de ange­maßt, ohne die Her­kunft die­ser Sach­kun­de aus­zu­wei­sen. Denn für die Erkenn­bar­keit der Unrich­tig­keit der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen kam es nicht dar­auf an, ob die­ser die ent­spre­chen­den Her­stel­ler­an­ga­ben hät­te ken­nen müs­sen. Die Unrich­tig­keit sei­ner Ein­schät­zung war für den Sach­ver­stän­di­gen viel­mehr schon des­halb erkenn­bar, weil er von dem Werk­un­ter­neh­mer wäh­rend der Begut­ach­tung aus­drück­lich auf die Not­wen­dig­keit, die Zusatz­an­triebs­rie­men aus­zu­tau­schen, hin­ge­wie­sen wor­den war. Nach­dem er sich über die­sen Hin­weis hin­weg­ge­setzt und auf die Ent­schei­dungs­fin­dung des Werk­statt­un­ter­neh­mers ein­ge­wirkt hat­te, muss­te er auch damit rech­nen, dass die­ser sich sei­ner Auf­fas­sung anschlie­ßen könn­te; dies war letzt­lich der Zweck sei­ner Inter­ven­ti­on.

Inso­weit bedarf es auch nicht der Fest­stel­lung eines beding­ten Vor­sat­zes des Sach­ver­stän­di­gen hin­sicht­lich der Unrich­tig­keit sei­ner Erklä­rung. Die Fest­stel­lung eines vor­sätz­li­chen Han­delns wäre in die­sem Zusam­men­hang erst bei der Prü­fung einer Haf­tung des Sach­ver­stän­di­gen als Anstif­ter (§ 823 Abs. 1, § 830 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB) des Werk­un­ter­neh­mers erfor­der­lich, auf die es nach all dem jedoch nicht mehr ankommt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Juli 2020 – VI ZR 308/​19

  1. AG Düs­sel­dorf, Urteil vom 31.08.2018 – 25 C 379/​17[]
  2. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 24.06.2019 – 22 S 281/​18[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 14.11.2000 – X ZR 203/​98, NJW 2001, 514 33; OLG Mün­chen, NZV 1991, 26; OLG Köln, NZV 2005, 44; Stef­fen, DAR 1997, 297[]
  4. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 05.12.2000 – XI ZR 340/​99, NJW-RR 2001, 768, 769 23 ff.[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.03.2019 – VI ZR 236/​18, NJW 2019, 2227 Rn. 12; vom 17.12.2013 – VI ZR 211/​12, BGHZ 199, 237, 265 f. Rn. 55; jeweils mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 03.10.1978 – VI ZR 253/​77, NJW 1979, 712, 713 9 f.; BGH, Urteil vom 10.05.1990 – IX ZR 113/​89, NJW 1990, 2882, 2884 22[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2007 – VI ZR 274/​05, NJW 2007, 1683, 1684 Rn. 12; aus der Lite­ra­tur, ohne dass es hier im Ergeb­nis auf die dog­ma­ti­schen Unter­schie­de ankä­me, etwa Soergel/​Spickhoff, BGB, 13. Aufl., vor § 823 Rn. 17, § 823 Rn. 4 ff.; MünchKomm/​Wagner, BGB, 7. Aufl., § 823 Rn. 4 ff.; Staudinger/​Hager, BGB, Neubearb.2017, § 823 Rn. A 9; BeckOGK/​Spindler, BGB, Stand 1.02.2020, § 823 Rn. 77 ff.; Palandt/​Sprau, BGB, 79. Aufl., § 823 Rn. 24 ff.; Schmidt in Geigel, Der Haft­pflicht­pro­zess, 28. Aufl., 1. Kap. Rn. 53[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 15.12.1992 – VI ZR 115/​92, NJW 1993, 655, 656 16 ff. zur delik­ti­schen Haf­tung des Werk­statt­in­ha­bers[]