Der im Poli­cen­mo­dell abge­schlos­se­ne Lebens­ver­si­che­rung – und die Treu­wid­rig­keit der Prä­mi­en­rück­for­de­rung

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer eines nach dem Poli­cen­mo­dell geschlos­se­nen Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ist es auch im Fal­le einer unter­stell­ten Gemein­schafts­rechts­wid­rig­keit des Poli­cen­mo­dells nach Treu und Glau­ben wegen wider­sprüch­li­cher Rechts­aus­übung ver­wehrt, sich nach jah­re­lan­ger Durch­füh­rung des Ver­tra­ges auf des­sen angeb­li­che Unwirk­sam­keit zu beru­fen und dar­aus Berei­che­rungs­an­sprü­che her­zu­lei­ten.

Der im Poli­cen­mo­dell abge­schlos­se­ne Lebens­ver­si­che­rung – und die Treu­wid­rig­keit der Prä­mi­en­rück­for­de­rung

Die Treu­wid­rig­keit liegt dar­in, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer nach ord­nungs­ge­mä­ßer Beleh­rung über die Mög­lich­keit, den Ver­trag ohne Nach­tei­le nicht zustan­de kom­men zu las­sen, die­sen jah­re­lang unter regel­mä­ßi­ger Prä­mi­en­zah­lung durch­führ­te und erst dann von dem Ver­si­che­rer, der auf den Bestand des Ver­tra­ges ver­trau­en durf­te, unter Beru­fung auf die behaup­te­te Unwirk­sam­keit des Ver­tra­ges Rück­zah­lung aller Prä­mi­en ver­lang­te 1.

So ver­hielt sich auch der Ver­si­che­rungs­neh­mer in dem hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs objek­tiv wider­sprüch­lich. Die zumin­dest ver­trag­lich ein­ge­räum­te und bekannt gemach­te Wider­spruchs­frist ließ er bei Ver­trags­schluss 1997 unge­nutzt ver­strei­chen. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer zahl­te über Jah­re die Ver­si­che­rungs­prä­mi­en, erklär­te dann im Jahr 2007 die Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges und erst im Jahr 2011 den Wider­spruch. Die jah­re­lan­gen Prä­mi­en­zah­lun­gen des bereits 1997 über die Mög­lich­keit, den Ver­trag nicht zustan­de kom­men zu las­sen, belehr­ten Ver­si­che­rungs­neh­mers haben nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs bei dem Ver­si­che­rer ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in den Bestand des Ver­tra­ges begrün­det. Die­se ver­trau­ens­be­grün­den­de Wir­kung war für den Ver­si­che­rungs­neh­mer auch erkenn­bar.

Die Fra­ge einer mög­li­chen Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in einem Fall, in dem kein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers fest­ge­stellt wer­den kann, stellt sich im Streit­fall nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2016 – IV ZR 107/​16

  1. vgl. im Ein­zel­nen zu den Maß­stä­ben BGH, Urteil vom 16.07.2014 aaO Rn. 3242; BVerfG aaO Rn. 42 ff.[]