Der Unfalls bei der Flug­schau in Eisen­ach 2008 – und die Haft­pflicht­ver­si­che­rung

Der Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­schutz für die Fol­gen des Unfalls bei der Flug­schau in Eisen­ach muss neu geprüft wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass die Fra­ge, ob der beklag­te Haft­pflicht­ver­si­che­rer der Hal­te­rin und dem Pilo­ten des am 26.04.2008 bei einer Flug­schau in Eisen­ach ver­un­glück­ten Flug­zeugs wegen der von bei dem Unfall geschä­dig­ten Drit­ten erho­be­nen Ansprü­che Ver­si­che­rungs­schutz gewäh­ren muss; vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg neu geprüft wer­den muss.

Der Unfalls bei der Flug­schau in Eisen­ach 2008 – und die Haft­pflicht­ver­si­che­rung

Geplant war am Unfall­ta­ge eine Vor­füh­rung, bei der aus dem Agrar­flug­zeug, das einen ca. 680 l fas­sen­den Che­mi­ka­li­en­be­häl­ter besaß, Was­ser aus nied­ri­ger Höhe abge­wor­fen wer­den soll­te (so genann­te Feu­er­lö­sch­übung). Beim Start­vor­gang brach das Flug­zeug nach rechts aus, kam von der Start- und Lan­de­bahn ab und ras­te in einen Ver­kaufs­stand und eine Grup­pe von Zuschau­ern. Dabei wur­den zwei Per­so­nen getö­tet und meh­re­re, teils schwer, ver­letzt.

In dem Rechts­streit begeh­ren die Hal­te­rin und ihr Geschäfts­füh­rer, der das Flug­zeug am frag­li­chen Tage führ­te, die Fest­stel­lung, dass die beklag­te Ver­si­che­rung ihnen Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­schutz zu gewäh­ren habe. Die­se hat eine Regu­lie­rung der Schä­den u.a. mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass der Geschäfts­füh­rer als Luft­fahr­zeug­füh­rer nicht über die für die­sen Flug erfor­der­li­chen Erlaub­nis­se, Berech­ti­gun­gen und Befä­hi­gungs­nach­wei­se ver­fügt habe, weil sei­ne Klas­sen­be­rech­ti­gung für das Luft­fahr­zeug abge­lau­fen gewe­sen sei und er auch kei­ne soge­nann­te Streu- und Sprüh­be­rech­ti­gung gehabt habe. Dies schlie­ße nach den ver­ein­bar­ten Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen eine Ein­tritts­pflicht des Ver­si­che­rers aus. Die Klä­ger haben dem­ge­gen­über gel­tend gemacht, dass die Klas­sen­be­rech­ti­gung des Pilo­ten wirk­sam ver­län­gert wor­den sei; allen­falls habe eine for­mel­le Vor­aus­set­zung gefehlt, was der Pilot nicht habe erken­nen kön­nen. Es feh­le des­halb an einem Ver­schul­den. Einer Streu- und Sprüh­be­rech­ti­gung habe es nicht bedurft.

Sowohl das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ham­burg 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg haben die Deckungs­kla­ge abge­wie­sen. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt ist dabei von einer feh­len­den Klas­sen­be­rech­ti­gung aus­ge­gan­gen. Die Klau­sel in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen über feh­len­de Erlaub­nis­se und Berech­ti­gun­gen des Luft­fahr­zeug­füh­rers sei als Risi­ko­aus­schluss zu ver­ste­hen, der die vom Ver­si­che­rer über­nom­me­ne Gefahr objek­tiv begren­ze, so dass es auf ein Ver­schul­den nicht ankom­me.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied dem­ge­gen­über, dass die frag­li­che Ver­si­che­rungs­be­din­gung über das Vor­lie­gen der erfor­der­li­chen Erlaub­nis­se und Berech­ti­gun­gen als soge­nann­te ver­hüll­te Oblie­gen­heit anzu­se­hen ist. Dies hat zur Fol­ge, dass sich die beklag­te Ver­si­che­rung gegen­über ihrer Ver­si­che­rungs­neh­me­rin und dem mit­ver­si­cher­ten Pilo­ten trotz Feh­lens der Klas­sen­be­rech­ti­gung im Unfall­zeit­punkt man­gels deren recht­zei­ti­ger Ver­län­ge­rung – in die­sem Punkt hat der Bun­des­ge­richts­hof das Ham­bur­ger Urteil bestä­tigt – nur unter wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen auf Leis­tungs­frei­heit beru­fen kann; ins­be­son­de­re müss­te der Hal­te­rin und dem Pilo­ten ein Ver­schul­den vor­zu­wer­fen sein.

Das das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt hier­zu sowie zu den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen der Leis­tungs­frei­heit wie auch zu ande­ren Ein­wän­den der beklag­ten Ver­si­che­rung kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, hat der Bun­des­ge­richts­hof den Rechts­streit an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Für geschä­dig­te Drit­te, die Per­so­nen- oder Sach­schä­den erlit­ten haben, hat die jetzt ver­kün­de­te Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hof die posi­ti­ve Kon­se­quenz, dass die beklag­te Ver­si­che­rung ihnen gegen­über nach Maß­ga­be des § 158c VVG a.F. leis­tungs­pflich­tig blie­be, wenn sie gegen­über der Hal­te­rin und dem Pilo­ten nur wegen einer schuld­haft began­ge­nen Oblie­gen­heits­ver­let­zung leis­tungs­frei sein soll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2014 – IV ZR 288/​12

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 30.04.2010 – 332 O 56/​09[]