Die Kol­li­si­on des PKW mit sei­nem Wohn­an­hän­ger

Schä­den, die durch die Kol­li­si­on eines PKW mit dem von ihm gezo­ge­nen Wohn­an­hän­ger ent­ste­hen, kön­nen in der Kfz-Kas­ko­ver­si­che­rung ver­si­chert sein.

Die Kol­li­si­on des PKW mit sei­nem Wohn­an­hän­ger

All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs so aus­zu­le­gen, wie ein durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung, auf­merk­sa­mer Durch­sicht und Berück­sich­ti­gung des erkenn­ba­ren Sinn­zu­sam­men­hangs ver­ste­hen muss. Dabei kommt es auf die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten eines Ver­si­che­rungs­neh­mers ohne ver­si­che­rungs­recht­li­che Spe­zi­al­kennt­nis­se und damit auch auf sei­ne Inter­es­sen an [1].

Unter Anle­gung die­ses Maß­stabs hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem Urteil vom 6. März 1996 [2] ent­schie­den, der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer kön­ne dem Wort­laut des § 12 Abs. 1 II e AKB a.F. der § 12 Abs. 6 a) Satz 1 AKB 2005 ent­spricht nicht ent­neh­men, dass Schä­den durch einen Auf­prall des Anhän­gers auf den ihn zie­hen­den Pkw, die also Schä­den durch ein plötz­lich von außen ein­wir­ken­des Ereig­nis sei­en, als nicht ver­si­cher­te Betriebs­schä­den ange­se­hen wer­den soll­ten. Betriebs­schä­den sind sol­che, die durch nor­ma­le Abnut­zung, durch Mate­ri­al- oder Bedie­nungs­feh­ler an dem Fahr­zeug oder sei­nen Tei­len ent­ste­hen, fer­ner Schä­den, die zwar auf einer Ein­wir­kung mecha­ni­scher Gewalt beru­hen, aber zum nor­ma­len Betrieb des Kraft­fahr­zeugs gehö­ren [3]. Einen sol­chen Betriebs­scha­den hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem 1996 ent­schie­de­nen Fall, in dem ein Cam­ping­An­hän­ger durch die Sog­wir­kung eines vor­bei­fah­ren­den Lkw insta­bil wur­de und gegen die hin­te­re rech­te Sei­te des zie­hen­den Pkws prall­te, ver­neint. Der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer sehe trotz der Ver­bin­dung von Pkw und Cam­ping­An­hän­ger in die­sen zwei Fahr­zeu­ge, von denen eines auf das ande­re mit mecha­ni­scher Gewalt von außen ein­ge­wirkt habe. Die star­re Ver­bin­dung die­ser bei­den Fahr­zeu­ge füh­re im Ver­ständ­nis des durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mers noch nicht dazu, Pkw und Anhän­ger als eine Betriebs­ein­heit im tech­ni­schen Sin­ne zu sehen; dies umso weni­ger, als der Pkw auch allein zum Betrieb geeig­net und bestimmt sei [4].

Die­se Beur­tei­lung ver­än­dert sich durch den in § 12 Abs. 6 a) AKB 2005 hin­zu­ge­füg­ten Satz 2 nur inso­weit, als gegen­sei­ti­ge Schä­den zwi­schen zie­hen­dem und gezo­ge­nem Fahr­zeug ohne Ein­wir­kung von außen als Betriebs­schä­den anzu­se­hen und daher vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­schlos­sen sind. Nach dem Wort­laut, von dem der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer aus­geht, kommt es aller­dings bei sol­chen Schä­den eben­so wie bei ande­ren Betriebs­schä­den der in § 12 Abs. 6 a) Satz 1 Halb­satz 2 AKB 2005 beschrie­be­nen Art dar­auf an, ob sie „ohne Ein­wir­kung von außen“ ver­ur­sacht wor­den sind. Dies wird er etwa bei Mate­ri­al- oder Bedie­nungs­feh­lern anneh­men, die sich auf eines der zu dem Gespann gehö­ren­den Fahr­zeu­ge bezie­hen. Als Ein­wir­kung von außen wird er hin­ge­gen Ursa­chen anse­hen, die weder von dem zie­hen­den noch von dem gezo­ge­nen Fahr­zeug aus­ge­hen. Sol­che Ursa­chen kön­nen auch in der Fahr­bahn­be­schaf­fen­heit oder den Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen lie­gen [5].

Aus­ge­hend davon ist nach dem unstrei­ti­gen Sach­ver­halt eine Ein­wir­kung von außen in den uner­war­tet star­ken Spur­ril­len zu sehen, durch die der Wohn­an­hän­ger ins Schleu­dern geriet. Spur­ril­len sind Uneben­hei­ten in der Fahr­bahn, die die Rich­tungs­sta­bi­li­tät eines Fahr­zeugs nach­tei­lig beein­flus­sen und somit eine äuße­re, mecha­ni­sche Ein­wir­kung auf das Fahr­zeug dar­stel­len. Da der Anhän­ger infol­ge der Spur­ril­len ins Schleu­dern geriet und dann gegen den Pkw prall­te, wur­de die­ser durch eine von außen kom­men­de Ein­wir­kung beschä­digt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2012 – IV ZR 21/​11

  1. BGH, Urtei­le vom 11.12.2002 IV ZR 226/​01, BGHZ 153, 182, 185 f.; vom 23.06.1993 IV ZR 135/​92, BGHZ 123, 83, 85; jeweils m.w.N.[]
  2. BGH, Urteil vom 06.03.1996 – IV ZR 275/​95, VersR 1996, 622 unter 3 b[]
  3. BGH, Urteil vom 23.10.1968 IV ZR 515/​68, VersR 1969, 32, 33[]
  4. BGH, Urteil vom 06.03.1996 aaO; anders noch BGH, Urteil vom 02.07.1969 – IV ZR 625/​68, VersR 1969, 940[]
  5. vgl. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, VersR 1995, 1346; a.A. OLG Stutt­gart VersR 2005, 643 f.[]