Die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen in Ries­ter-Ren­ten­ver­trä­gen

Machen die Klau­sel­wer­ke in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen so genann­ter Ries­ter-Ren­ten­ver­trä­ge bezüg­lich der Fra­ge der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung nicht aus­rei­chend deut­lich, dass bestimm­te Ver­trags­ka­te­go­rien von der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung ganz aus­ge­schlos­sen sind, ist deren Ver­wen­dung zu unter­las­sen.

Die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen in Ries­ter-Ren­ten­ver­trä­gen

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Streit über Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen von Ries­ter-Ren­ten­ver­trä­gen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Beru­fung der Beklag­ten gegen die zur Unter­las­sung ver­ur­tei­len­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts Stutt­gart [1] zurück­ge­wie­sen und das Ver­bot einer Ver­wen­dung der Klau­seln bestä­tigt.

Die Klä­ger haben von der Beklag­ten die Unter­las­sung der Ver­wen­dung von Klau­seln zu die­ser The­ma­tik ver­langt. In den All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen der Beklag­ten wird aus­ge­führt, dass die Ver­si­che­rungs­neh­mer an den Kos­ten­über­schüs­sen zu betei­li­gen sind. Aus wei­te­ren Klau­sel­wer­ken und Bedin­gun­gen ergibt sich, dass eine Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung tat­säch­lich erst bei einem Garan­tie­ka­pi­tal oder Min­dest­wert von 40.000,00 € aus­be­zahlt wird. Die Klä­ger sind der Auf­fas­sung, dass die erst über meh­re­re Sta­tio­nen im Sin­ne eines „Hür­den­laufs“ oder einer „Schnit­zel­jagd“ erfass­ba­ren Rege­lun­gen nicht trans­pa­rent sind, die Beklag­te stellt dar­auf ab, dass die Kom­ple­xi­tät der Erläu­te­run­gen an der schwie­ri­gen Mate­rie lie­ge.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart sind die ver­wen­de­ten Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht aus­rei­chend trans­pa­rent. Mit den All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen wird bei einem durch­schnitt­lich ver­stän­di­gen Ver­si­che­rungs­neh­mer der Ein­druck erweckt, er wer­de an den Kos­ten­über­schüs­sen betei­ligt. Die Klau­sel­wer­ke machen aber nicht aus­rei­chend deut­lich, dass bestimm­te Ver­trags­ka­te­go­rien von der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung ganz aus­ge­schlos­sen sind. Da für das Kol­lek­tiv der Ver­si­che­rungs­neh­mer ein stän­di­ger Auf­bau von Über­schüs­sen skiz­ziert und eine Min­dest­teil­ha­be dar­an ver­spro­chen wer­de, sehe sich der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer als Teil­ha­ber an dem Wirt­schafts­er­geb­nis der Ver­si­che­rung. Eine sol­che Erwar­tung bestehe schon all­ge­mein, da ansons­ten ein Spar­ver­trag mit fes­ten Zin­sen gewählt wer­den könn­te. Die Betei­li­gung (auch) an den Kos­ten­über­schüs­sen einer Ver­si­che­rung stel­le gera­de das ver­lo­cken­de, das – jeden­falls jahr­zehn­te­lang – Vor­teil­haf­te die­ser Anla­ge- und Anspar­form dar. Das dem­ge­gen­über bestimm­te Ver­trags­ka­te­go­rien an dem bewor­be­nen Vor­teil der Anla­ge­form über­haupt nicht teil­ha­ben, wird nach Auf­fas­sung des Urteils nir­gends ersicht­lich, obwohl die Beklag­te ein­fach sinn­ge­mäß anfü­gen und erläu­tern könn­te, dass Klein­spa­rer von der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung aus­ge­schlos­sen sein kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 23. Janu­ar 2014 – 2 U 57/​13

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 25.04.2013 – 11 O 231/​12[]