Die wider­ru­fe­ne Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung – und der Wert­er­satz­an­spruch des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters

Mit dem wirk­sa­men Zustan­de­kom­men des ver­mit­tel­ten Ver­si­che­rungs­ver­trags als Vor­aus­set­zung für den Wert­er­satz­an­spruch des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters, wenn der Kun­de die mit ihm geschlos­se­ne Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung wider­ru­fen hat 1, hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Die wider­ru­fe­ne Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung – und der Wert­er­satz­an­spruch des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters

Wie der Bun­des­ge­richts­hof inzwi­schen mehr­fach aus­ge­spro­chen hat 2, kann ein Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter eben­so wie ein Ver­si­che­rungs­mak­ler mit sei­nem Kun­den wirk­sam ver­ein­ba­ren, dass für die Ver­mitt­lung eines Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trags mit Net­to­po­li­ce (raten­wei­se) eine Ver­gü­tung zu zah­len ist und der Kun­de auch bei einer Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags zur Fort­zah­lung der ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung ver­pflich­tet bleibt. Einer sol­chen Ver­ein­ba­rung ste­hen weder zwin­gen­de Vor­schrif­ten des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes noch § 305c Abs. 1, § 307 BGB ent­ge­gen 3. Die­ser Recht­spre­chung ist der IV. Zivil­se­nat nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten 4.

Auch wenn der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter anders als der Ver­si­che­rungs­mak­ler typi­scher­wei­se im Lager des Ver­si­che­rers steht, des­sen Inter­es­sen er bei sei­ner Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit im Auge zu behal­ten hat (vgl. § 86 Abs. 1 Halb­satz 2 i.V.m. § 92 Abs. 2 HGB), ist zu berück­sich­ti­gen, dass durch das – vor­lie­gend anwend­ba­re – Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler­rechts vom 19.12 2006 5 dem Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler all­ge­mein (also sowohl dem Ver­si­che­rungs­mak­ler als auch dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter, vgl. § 42a Abs. 1 VVG aF; jetzt § 59 Abs. 1 VVG) umfas­sen­de Bera­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten gegen­über dem Ver­si­che­rungs­neh­mer auf­er­legt wor­den sind (§§ 42c, 42d VVG aF; jetzt §§ 61, 62 VVG). Die­se Pflich­ten (auch) des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters sind der­art zen­tral, dass er bei Ver­let­zung die­ser Pflich­ten dem Ver­si­che­rungs­neh­mer gegen­über per­sön­lich zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist (§ 42e VVG aF; jetzt § 63 VVG). Ange­sichts die­ser Nor­men­la­ge wäre es wenig ver­ständ­lich, wenn man es dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter ver­weh­ren woll­te, Bera­tungs­tä­tig­kei­ten – die in erheb­li­chem Umfang schon gesetz­lich vor­ge­ge­ben sind – zum Gegen­stand ver­trag­li­cher Ent­gelt­ver­ein­ba­run­gen mit dem Ver­si­che­rungs­neh­mer zu machen. Denn die ver­trag­lich noch­mals bekräf­tig­ten Bera­tungs­pflich­ten des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters unter­schei­den sich – soweit sie die Fra­ge betref­fen, ob die (wahr­heits­ge­mäß dar­ge­stell­ten) Eigen­schaf­ten des ange­bo­te­nen Pro­dukts den Bedürf­nis­sen und Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers ent­spre­chen – in ihrem Umfang und in ihrer Inten­si­tät nicht von den Pflich­ten des Ver­si­che­rungs­mak­lers 6.

Die streit­ge­gen­ständ­li­che Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung steht nicht in Wider­spruch zu einem gesetz­li­chen Leit­bild. Die Vor­schrif­ten des § 87a Abs. 2 und des § 92 Abs. 4 HGB haben ledig­lich den Risi­ko­aus­gleich zwi­schen dem Han­dels- bezie­hungs­wei­se Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter und dem Unter­neh­mer im Auge und betref­fen nicht das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Ver­si­che­rungs­neh­mer und dem Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler 7.

Schutz­wür­di­ge Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers, die so gewich­tig wären, dass selb­stän­di­gen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen mit dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter die Wirk­sam­keit ver­sagt wer­den müss­te, sind nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re gleicht sich unter wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se der Umstand, dass sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer einem Pro­vi­si­ons­an­spruch des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters aus­ge­setzt sieht, bei regu­lä­rem Ver­si­che­rungs­ver­lauf dadurch aus, dass die ver­mit­tel­te "pro­vi­si­ons­be­rei­nig­te" Net­to­po­li­ce-Lebens­ver­si­che­rung als sol­che preis­güns­ti­ger ist als eine her­kömm­li­che Brut­to­po­li­ce-Lebens­ver­si­che­rung. Da der Ver­mitt­ler bei der vor­ge­nom­me­nen Tren­nung zwi­schen Ver­mitt­lungs- und Ver­si­che­rungs­ge­schäft nach ord­nungs­ge­mä­ßer Bera­tung bereits mit Zustan­de­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­trags sei­ne Pflich­ten voll­stän­dig erfüllt hat, ist es nur fol­ge­rich­tig, dass eine spä­te­re Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags auf die Höhe sei­ner Ver­gü­tung kei­nen Ein­fluss hat. Ande­rer­seits ist nicht zu ver­ken­nen, dass sich der Kun­de im Fal­le einer vor­zei­ti­gen Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags bei einer Net­to­po­li­ce deut­lich schlech­ter stel­len kann als bei einer (dem Schick­sals­tei­lungs­grund­satz unter­lie­gen­den) Brut­to­po­li­ce. Auf den Umstand, dass der Kun­de bei der Net­to­po­li­ce auch dann zur Zah­lung der (vol­len) Ver­gü­tung ver­pflich­tet bleibt, wenn der ver­mit­tel­te Ver­si­che­rungs­ver­trag nach kur­zer Zeit been­det wird, muss der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter im Rah­men sei­ner Bera­tung des­halb deut­lich hin­wei­sen. Denn er kann bei sei­nen Kun­den nicht als all­ge­mein bekannt vor­aus­set­zen, dass die bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se schein­bar "auf­kom­mens­neu­tra­le" – weil auf den ers­ten Blick ledig­lich die Art und Wei­se des Auf­brin­gens der Kos­ten des Ver­triebs der Ver­si­che­rungs­pro­duk­te modi­fi­zie­ren­de – geson­der­te Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung sich im Fal­le einer vor­zei­ti­gen Kün­di­gung der­art nach­tei­lig aus­wir­ken kann 8.

Der Wirk­sam­keit einer die Pro­vi­si­ons­pflicht des Ver­si­che­rungs­neh­mers gegen­über einem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter begrün­den­den Ver­ein­ba­rung ste­hen auch kei­ne zwin­gen­den, zur Nich­tig­keit nach § 134 BGB füh­ren­den Vor­schrif­ten des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes ent­ge­gen 9.

Trotz (anfäng­li­cher) Wirk­sam­keit der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen kann die Mak­le­rin von der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung als sol­che jedoch nicht bean­spru­chen, weil die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin ihre auf den Abschluss der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung wirk­sam wider­ru­fen hat.

Auf das streit­ge­gen­ständ­li­che Schuld­ver­hält­nis sind gemäß Art. 229 § 22 Abs. 2 EGBGB das Bür­ger­li­che Gesetz­buch und die BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung in der bis zum 11.06.2010 gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den, weil der frag­li­che Ver­trag im Jahr 2007 geschlos­sen wor­den ist und es sich nicht um ein unbe­fris­te­tes Schuld­ver­hält­nis im Sin­ne des Art. 229 § 22 Abs. 3 EGBGB han­delt.

Der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin stand das aus­ge­üb­te Wider­rufs­recht nach § 355 Abs. 1 BGB aF zu. Da die Ver­gü­tung für die Ver­mitt­lung der frag­li­chen Ver­si­che­rung in Teil­zah­lun­gen zu erbrin­gen war, han­del­te es sich um ein Teil­zah­lungs­ge­schäft im Sin­ne von § 499 Abs. 2 BGB aF. Gemäß § 501 Satz 1 i.V.m. § 495 Abs. 1 und § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB aF konn­te die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin ihre auf Abschluss der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung des­halb inner­halb von zwei Wochen wider­ru­fen. Die­se Frist war zum Zeit­punkt ihrer Wider­rufs­er­klä­rung nicht abge­lau­fen. Denn der in dem ver­wen­de­ten For­mu­lar ent­hal­te­ne Hin­weis, die Frist für den Wider­ruf begin­ne "frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung", genüg­te nicht den Anfor­de­run­gen nach § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB aF und dar­über hin­aus ent­sprach das ver­wen­de­te For­mu­lar nicht in jeder Hin­sicht dem Mus­ter der Anla­ge 2 zu § 14 Abs. 1 und 3 BGB-InfoV, so dass die Wider­rufs­frist nicht in Gang gesetzt wor­den war 10.

Zwar kommt statt des ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­an­spruchs ein Wert­er­satz­an­spruch der Mak­le­rin nach § 357 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 346 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB in einer die von ihr bis­her ver­ein­nahm­ten Beträ­ge über­stei­gen­den Höhe in Betracht. Jedoch kann die Mak­le­rin Wert­er­satz nur dann ver­lan­gen, wenn durch ihre Ver­mitt­lung der in Aus­sicht genom­me­ne Ver­si­che­rungs­ver­trag zustan­de gekom­men ist 11.

Nach dem für den hier maß­geb­li­chen Zeit­raum anwend­ba­ren § 5a VVG in der Fas­sung des Geset­zes vom 02.12 2004 kam ein Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trag in dem Fall, dass der Ver­si­che­rer dem Ver­si­che­rungs­neh­mer bei Antrag­stel­lung die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht über­ge­ben oder eine Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on nach § 10a VAG aF unter­las­sen hat, erst dann wirk­sam zustan­de, wenn dem Ver­si­che­rungs­neh­mer die Ver­si­che­rungs­po­li­ce, die All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und die Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on nach § 10a VAG aF zuge­gan­gen waren und der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht bin­nen einer nach­fol­gen­den Frist von 30 Tagen wider­sprach 12.

Dem­zu­fol­ge wäre der von der Mak­le­rin ver­mit­tel­te Ver­si­che­rungs­ver­trag mit der A. Lebens­ver­si­che­rung S.A. nicht wirk­sam geschlos­sen wor­den, wenn die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin die Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen nicht erhal­ten hät­te. Die Wider­spruchs­frist wäre dann nicht in Gang gesetzt wor­den. Zwar bestimm­te § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG aF, dass das Wider­spruchs­recht des Ver­si­che­rungs­neh­mers ein Jahr nach Zah­lung der ers­ten Prä­mie erlosch. Die­se Rege­lung war auf Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge jedoch nicht anwend­bar 13. Dar­über hin­aus kommt § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG aF hier auch des­halb nicht zum Zuge, weil der Ver­si­che­rungs­ver­trag bereits im Mai 2008 durch den Ver­si­che­rer "stor­niert" wur­de, bei Ablauf der Jah­res­frist somit nicht mehr (auch nicht schwe­bend unwirk­sam) bestand und daher auch nicht durch das Unter­blei­ben eines Wider­spruchs wirk­sam wer­den konn­te.

Dem­ge­gen­über kann sich die Mak­le­rin nicht mit Erfolg auf die Rege­lung in Num­mer 4 der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung beru­fen. Hier­nach kommt der Ver­si­che­rungs­ver­trag zustan­de, "wenn die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft die Annah­me des Ver­si­che­rungs­an­trags durch schrift­li­che Annah­me­er­klä­rung oder Zusen­dung des Ver­si­che­rungs­schei­nes oder durch Ent­ge­gen­nah­me des ers­ten Ver­si­che­rungs­bei­tra­ges (sie­he § 3 All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen …) erklärt oder der ers­te Bei­trag auf Ver­an­las­sung der A. Lebens­ver­si­che­rung S.A. ein­ge­zo­gen wur­de und der Kun­de sein gesetz­li­ches Recht auf Rück­tritt von der Fonds­ge­bun­de­nen Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rung inner­halb von 30 Tagen nach Annah­me des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges durch die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, wie im Antrags­for­mu­lar unter ‘Beleh­rung über das Recht zum Rück­tritt‘ ange­ge­ben, nicht wahr­nimmt".

Zwei­fel­haft ist bereits, ob die­se Bestim­mung über den Ver­gü­tungs­an­spruch als sol­chen hin­aus auch für den Wert­er­satz­an­spruch nach § 357 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 346 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB Gel­tung bean­spru­chen kann. Die­se Fra­ge bedarf hier indes kei­ner abschlie­ßen­den Klä­rung. Denn mit dem Hin­weis auf das "gesetz­li­che Recht zum Rück­tritt" wird der Sache nach auf die dama­li­ge Vor­schrift des § 5a VVG aF Bezug genom­men. Auf die­se Wei­se wird gegen­über dem Ver­si­che­rungs­neh­mer (Kun­den) zum Aus­druck gebracht, dass der Ver­gü­tungs­an­spruch vom recht­lich wirk­sa­men Zustan­de­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­trags abhän­gig gemacht und dies­be­züg­lich kei­ne abwei­chen­de Rege­lung getrof­fen wer­den soll. Dem­entspre­chend bestimmt Num­mer 5 der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung, dass die Ver­gü­tung bei "Auf­he­bung des Ver­si­che­rungs­ver­trags infol­ge eines berech­tig­ten Rück­tritts oder einer berech­tig­ten Aus­übung des Wider­rufs­rechts nicht geschul­det" ist. Auf die Rege­lung im Ver­si­che­rungs­an­trag in Ver­bin­dung mit § 3 AVB, wonach die Ent­ge­gen­nah­me des ers­ten Ver­si­che­rungs­bei­trags für den Beginn der 30tägigen Wider­rufs­frist genü­gen soll, kann in die­sem Zusam­men­hang nicht zurück­ge­grif­fen wer­den. Gemäß § 15a VVG aF darf sich der Ver­si­che­rer näm­lich auf eine von § 5a VVG aF abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung nicht zum Nach­teil des Ver­si­che­rungs­neh­mers beru­fen. Erweist sich die ver­ein­bar­te Rege­lung dem­nach aber als unwirk­sam, so konn­te sie auch nicht im Ver­wei­sungs­we­ge zum gül­ti­gen Bestand­teil der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en gemacht wer­den; die Ver­wei­sung ging inso­weit gleich­sam "ins Lee­re".

Einem Ver­ständ­nis die­ser Klau­sel dahin, dass das "Zustan­de­kom­men" des Ver­si­che­rungs­ver­trags in der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung für die Fra­ge, wann die ver­ein­bar­te Pro­vi­si­on ver­dient ist, kon­sti­tu­tiv unter Abwei­chung von für den Ver­si­che­rungs­ver­trag selbst gel­ten­den zwin­gen­den Vor­schrif­ten des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes defi­niert wird, steht schon die Unklar­hei­ten­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB ent­ge­gen. Eine Klau­sel sol­chen Inhalts wäre dar­über hin­aus wohl auch über­ra­schend im Sin­ne des § 305c Abs. 1 BGB; sie dürf­te zudem (jeden­falls) eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Kun­den im Sin­ne des § 307 BGB dar­stel­len.

Nach alle­dem besteht ein Wert­er­satz­an­spruch der Mak­le­rin nur dann, wenn der ver­mit­tel­te Ver­si­che­rungs­ver­trag unter Berück­sich­ti­gung von § 5a VVG aF wirk­sam zustan­de gekom­men ist. Die dafür zu beach­ten­den tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen hat die Mak­le­rin dar­zu­le­gen und im Bestrei­tens­fal­le nach­zu­wei­sen 14. Die hier­zu erfor­der­li­chen – der­zeit noch feh­len­den – Fest­stel­lun­gen wird das Beru­fungs­ge­richt nach­zu­ho­len haben.

Maß­geb­lich für die Bemes­sung des Wert­er­sat­zes, den der Ver­brau­cher nach dem (wirk­sa­men) Wider­ruf eines Teil­zah­lungs­ge­schäfts für bis dahin erbrach­te Leis­tun­gen des Unter­neh­mers gewäh­ren muss, ist der objek­ti­ve Wert der Leis­tun­gen, sofern die­ser das ver­trag­li­che Ent­gelt nicht über­steigt. Hier­bei ist im Aus­gangs­punkt, wie bei Dienst­leis­tun­gen all­ge­mein, auf die übli­che oder (bei Feh­len einer sol­chen) auf die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung abzu­stel­len, die für eine sol­che Leis­tung zu bezah­len ist, nicht dage­gen auf den kon­kre­t­in­di­vi­du­el­len Wert des Erlang­ten für den Schuld­ner. Eine Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags hat dabei für sich genom­men auf die Höhe des Wert­er­satz­an­spruchs kei­ne Aus­wir­kun­gen 15.

Die Fra­ge, ob die Leis­tung der Mak­le­rin man­gels erfolg­ter Bera­tungs­tä­tig­keit nichts oder deut­lich weni­ger wert gewe­sen sei, betrifft nicht den objek­ti­ven Wert der Ver­mitt­lungs­leis­tung, son­dern den Ein­wand der Schlech­ter­fül­lung. Eben­so wie beim Dienst­ver­trag 16 wird auch beim Schuld­ver­hält­nis zwi­schen Ver­si­che­rungs­neh­mer und Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter die geschul­de­te Ver­gü­tung durch eine Schlecht­leis­tung des Ver­mitt­lers nicht gekürzt. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer ist viel­mehr dar­auf ver­wie­sen, dem Ver­gü­tungs­an­spruch einen Scha­dens­er­satz­an­spruch ent­ge­gen­zu­hal­ten (§§ 242, 387 ff BGB), wie dies die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin hier auch getan hat. Dies gilt in glei­cher Wei­se für den Wert­er­satz­an­spruch.

Des­sen unge­ach­tet ent­spricht es der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass bei der gebo­te­nen typi­sier­ten und objek­ti­vier­ten Betrach­tungs­wei­se der Wert der von einem blo­ßen Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter ver­spro­che­nen bezie­hungs­wei­se zu erbrin­gen­den Bera­tungs- und Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen deut­lich unter dem Wert einer Ver­si­che­rungs­mak­ler­leis­tung liegt 17.

Der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter muss, wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, sei­nen Kun­den im Rah­men der gemäß § 42c VVG aF (jetzt: § 61 VVG) geschul­de­ten Bera­tung auf die Aus­wir­kun­gen des Abschlus­ses einer Net­to­po­li­ce und hier­bei ins­be­son­de­re deut­lich auf den Umstand hin­wei­sen, dass der Kun­de bei der Net­to­po­li­ce auch dann zur Zah­lung der (vol­len) Ver­gü­tung ver­pflich­tet bleibt, wenn der ver­mit­tel­te Ver­si­che­rungs­ver­trag nach kur­zer Zeit been­det wird 18. Wie die­se Auf­klä­rung im Ein­zel­nen zu gesche­hen hat, hängt von dem erkenn­ba­ren Auf­klä­rungs­be­dürf­nis des Kun­den und den sons­ti­gen Umstän­den des Ein­zel­falls ab 19.

Im Ansatz ist davon aus­zu­ge­hen, dass grund­sätz­lich der den Scha­dens­er­satz begeh­ren­de Kun­de (Ver­si­che­rungs­neh­mer) dar­le­gen und bewei­sen muss, dass der Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler sei­ne Bera­tungs­pflicht ver­letzt hat, wobei den Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler aller­dings eine sekun­dä­re Dar­le­gungs­last trifft 20. Dar­über hin­aus kön­nen sich aus der Nicht­be­ach­tung der Doku­men­ta­ti­ons­pflicht des Ver­si­che­rungs­ver­mitt­lers nach § 42c Abs. 1 Satz 2, § 42d VVG aF (jetzt: § 61 Abs. 2 Satz 2, § 62 VVG) Beweis­erleich­te­run­gen zuguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers bis hin zu einer Beweis­last­um­kehr erge­ben 21.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2014 – III ZR 440/​13

  1. Bestä­ti­gung und Fort­füh­rung von BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 – III ZR 124/​13, BGHZ 199, 216; und vom 05.06.2014 – III ZR 557/​13, VersR 2014, 877[]
  2. BGH, Urtei­le vom 06.11.2013 – I ZR 104/​12, VersR 2014, 64; vom 12.12 2013 – III ZR 124/​13, BGHZ 199, 216; und vom 05.06.2014 – III ZR 557/​13, VersR 2014, 877[]
  3. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 219 ff Rn. 9 ff mwN; und vom 05.06.2014 aaO S. 878 Rn. 11 ff[]
  4. Urteil vom 12.03.2014 – IV ZR 295/​13, VersR 2014, 567, 570 Rn. 33; s. inso­weit auch Reiff, VersR 2014, 571, 574[]
  5. BGBl. I S. 3232[]
  6. BGH, Urteil vom 06.11.2013 aaO S. 66 Rn. 21; BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 221 Rn. 14; und vom 05.06.2014 aaO Rn. 12[]
  7. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 222 Rn. 15; und vom 05.06.2014 aaO Rn. 13[]
  8. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 222 f Rn. 16; und vom 05.06.2014 aaO Rn. 14[]
  9. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 223 f Rn. 17; und vom 05.06.2014 aaO Rn. 15 f[]
  10. vgl. dazu im Ein­zel­nen die wort­glei­che Wider­rufs­be­leh­run­gen betref­fen­den BGH, Urtei­le vom 01.03.2012 – III ZR 83/​11, NZG 2012, 427, 428 f Rn. 14 ff; vom 19.07.2012 – III ZR 252/​11, BGHZ 194, 150, 154 ff Rn. 12 ff; vom 18.10.2012 – III ZR 106/​11, NJW 2012, 3718, 3719 Rn. 22; vom 17.01.2013 – III ZR 145/​12, NJW-RR 2013, 885, 886 Rn. 9 ff; vom 12.12 2013 aaO S. 224 f Rn.19 f; und vom 05.06.2014 aaO S. 878 f Rn.19[]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 12.12 2013 aaO S. 225 f Rn. 23 f[]
  12. vgl. BGH, Urtei­le vom 07.05.2014 – IV ZR 76/​11, VersR 2014, 817, 818 Rn. 15; und vom 16.07.2014 – IV ZR 73/​13, WM 2014, 1575, 1576 Rn. 14, jeweils mwN[]
  13. BGH, Urteil vom 07.05.2014 aaO S. 820 Rn. 27[]
  14. vgl. Prölss in Prölss/​Martin, VVG, 27. Aufl., § 5a Rn. 54b[]
  15. s. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 225 f Rn. 22 ff mwN; und vom 05.06.2014 aaO S. 879 Rn. 21[]
  16. s. dazu BGH, Urteil vom 15.07.2004 – IX ZR 256/​03, NJW 2004, 2817 mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 12.05.2011 – III ZR 107/​10, NJW-RR 2011, 1426, 1428 Rn. 28[]
  17. s. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 226 f Rn. 29; und vom 05.06.2014 aaO S. 879 Rn. 26[]
  18. BGH, Urtei­le vom 12.12 2013 aaO S. 223 Rn. 16 und S. 226 Rn. 27 sowie vom 05.06.2014 aaO S. 878 Rn. 14 und S. 879 Rn. 24; vgl. auch LG Saar­brü­cken, VersR 2013, 759, 760 f[]
  19. BGH, Urteil vom 05.06.2014 aaO S. 879 Rn. 24[]
  20. s. etwa OLG Saar­brü­cken, VersR 2011, 1441, 1442 und VersR 2010, 1181, 1182; LG Saar­brü­cken, VersR 2013, 759, 761[]
  21. vgl. OLG Mün­chen, VersR 2012, 1292, 1293; OLG Saar­brü­cken, VersR 2011, 1441, 1443 und VersR 2010, 1181, 1182; LG Saar­brü­cken aaO; s. auch Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung für ein Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler­rechts, BT-Drs. 16/​1935, S. 26[]