Die Win­ter­rei­fen in der Sam­mel­ga­ra­ge

Eine Haus­rat­ver­si­che­rung kann durch eine Klau­sel in ihren All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen wirk­sam aus­schlie­ßen, dass Haus­rat in Sam­mel­ga­ra­gen ver­si­chert ist.

Die Win­ter­rei­fen in der Sam­mel­ga­ra­ge

So hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers ent­schie­den, dem Rei­fen aus sei­nem Gara­gen­stell­platz gestoh­len wor­den waren. Er hat einen Tief­ga­ra­gen­stell­platz in der Han­se­mann­stra­ße in Mün­chen ange­mie­tet. Die Tief­ga­ra­ge ist eine Sam­mel­tief­ga­ra­ge mit rund 100 Plät­zen, wobei der Stell­platz des Klä­gers zusam­men mit dem Nach­bar-Stell­platz als Dop­pel-Stell­platz mit Git­ter­stä­ben umzäunt und mit einem Dop­pel­tor ver­se­hen ist. Am 29.10.2013 stell­te der Klä­ger fest, dass sei­ne in der Gara­ge gela­ger­ten vier Win­ter­rei­fen mit Alu­fel­gen fehl­ten. Der Mie­ter der Nach­bar­ga­ra­ge hat­te bereits am 24.10.2013 das Feh­len auch sei­ner Win­ter­rei­fen bemerkt. Der Klä­ger ver­langt den Wert der ent­wen­de­ten Rei­fen von sei­ner Haus­rat­ver­si­che­rung ersetzt. Er macht einen Scha­den von 1.333,00 Euro gel­tend. Die Haus­rats­ver­si­che­rung wei­gert sich zu zah­len. Sie ist der Mei­nung, dass sie auf­grund der Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht leis­tungs­pflich­tig sei. Denn in § 10 Num­mer 2 der Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen heißt es:

"2. Ver­si­che­rungs­ort ist die im Ver­si­che­rungs­ver­trag bezeich­ne­te Woh­nung des Ver­si­che­rungs­neh­mers. Zur Woh­nung gehö­ren auch die Räu­me in Neben­ge­bäu­den auf dem­sel­ben Grund­stück.
Ver­si­che­rungs­schutz besteht auch in Gara­gen in der Nähe des Ver­si­che­rungs­or­tes, soweit sie aus­schließ­lich vom Ver­si­che­rungs­neh­mer oder einer mit ihm in häus­li­cher Gemein­schaft leben­den Per­son zu pri­va­ten Zwe­cken genutzt wer­den …"

Dage­gen hat der Klä­ger vor dem Amts­ge­richt Mün­chen geklagt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass kein Ver­si­che­rungs­schutz für Gara­gen­stell­plät­ze besteht, die nicht durch ent­spre­chen­de Vor­rich­tun­gen, son­dern nur durch eine Mar­kie­rung abge­trennt sind. Da der zwei­te Stell­platz, der neben dem Stell­platz des Klä­gers liegt, nicht von die­sem allein oder einer mit ihm in häus­li­cher Gemein­schaft leben­den Per­son zu pri­va­ten Zwe­cken genutzt wird, gewährt die Ver­si­che­rung kei­nen Schutz. Viel­mehr haben durch den zwei­ten Mie­ter wei­te­re, dem Klä­ger nicht bekann­te Per­so­nen Zugang zu sei­nem Gara­gen­platz. Die­ser ver­liert damit die auf den Klä­ger zuge­schnit­te­ne Pri­vat­at­mo­sphä­re. Die in die Gara­ge des Klä­gers ein­ge­brach­ten Din­ge unter­lie­gen durch die Dop­pel­ga­ra­ge nicht mehr allein dem Zugriff und Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Klä­gers. Die ent­spre­chen­de Ver­si­che­rungs­klau­sel ist nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen wirk­sam und nicht über­ra­schend. Ein Schutz durch den Eigen­tü­mer ist nicht mehr gege­ben bei Gegen­stän­den, die in einer Sam­mel­ga­ra­ge wie bei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern üblich lie­gen. Denn dann hat eine nicht über­schau­ba­re Anzahl an Per­so­nen Zugang zu den Gegen­stän­den. Im Übri­gen ist es nicht vor­ran­gi­ge Auf­ga­be der Sam­mel­ga­ra­gen, Autos gegen Dieb­stahl zu schüt­zen, son­dern vor den Wit­te­rungs­ein­flüs­sen und ein geord­ne­tes, platz­spa­ren­des Ver­wah­ren der Fahr­zeu­ge zu bie­ten. Inso­fern ist die ent­spre­chen­de Ver­si­che­rungs­klau­sel der Beklag­ten nicht über­ra­schend.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 20. Dezem­ber 2016 – 275 C 17874/​1