Die zu lan­ge Wider­spruchs­frist in der Widerspruchsbelehrung

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, ist es für den Ver­si­che­rungs­neh­mer unschäd­lich und damit uner­heb­lich, dass in einer Wider­spruchs­be­leh­rung eine Wider­spruchs­frist von einem Monat genannt wur­de, wäh­rend die Frist gemäß § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. vor dem 8.12.2014 nur 14 Tage betrug1.

Die zu lan­ge Wider­spruchs­frist in der Widerspruchsbelehrung

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer kann auf die ihm mit­ge­teil­te Frist ver­trau­en. Der Ver­si­che­rer ver­hiel­te sich jeden­falls treu­wid­rig, wenn er sich auf die kür­ze­re gesetz­li­che Wider­spruchs­frist beriefe.

Auch im Übri­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof in einer Abwei­chung einer Wider­spruchs­be­leh­rung vom Geset­zes­wort­laut, die für den Ver­si­che­rungs­neh­mer vor­teil­haft ist, kei­nen Beleh­rungs­feh­ler gese­hen, der zu einem fort­be­stehen­den Lösungs­recht füh­ren könn­te2.

Einer Abgren­zung zu Fäl­len, in denen sich eine Abwei­chung der Wider­spruchs­be­leh­rung von den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen zu Unguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers aus­wir­ken kann – wie beim Feh­len eines Hin­wei­ses auf das gesetz­li­che Form­erfor­der­nis der Wider­spruchs­er­klä­rung3 – und damit ein Fort­be­stehen des Wider­spruchs­rechts begrün­det, bedarf es nicht. Bei einer sol­chen für ihn ungüns­ti­gen Abwei­chung bleibt der Ver­si­che­rungs­neh­mer im Unkla­ren dar­über, in wel­cher Form er die Wider­spruchs­be­leh­rung abzu­ge­ben hat. Um den vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he4 ange­spro­che­nen Fall eines hin­aus­ge­scho­be­nen Beginns der Frist für die Aus­übung eines Lösungs­rechts, wie des Wider­rufs­rechts für in einer Haus­tür­si­tua­ti­on abge­schlos­se­ne Rechts­ge­schäf­te5, geht es bei der hier in Rede ste­hen­den Kon­stel­la­ti­on nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Novem­ber 2020 – IV ZR 318/​18

  1. BGH, Urteil vom 29.07.2015 – IV ZR 415/​13 11[]
  2. BGH, Urteil vom 14.10.2015 – IV ZR 155/​14, r+s 2015, 594 Rn. 12 zur Nen­nung wei­te­rer für den Beginn der Wider­spruchs­frist erfor­der­li­cher Unter­la­gen[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 21.12.2016 – IV ZR 339/​15, r+s 2017, 130 Rn. 11[]
  4. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 23.11.2018 – 9 U 138/​16[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 13.01.2009 – XI ZR 508/​07 15[]