Ein­bruch­dieb­stahl – und die Beweis­erleich­te­rung für den Ver­si­che­rungs­neh­mer

Das vom Ver­si­che­rungs­neh­mer zu bewei­sen­de äuße­re Bild eines Ein­bruch­dieb­stahls setzt nicht vor­aus, dass vor­ge­fun­de­ne Spu­ren "stim­mig" in dem Sin­ne sind, dass sie zwei­fels­frei auf einen Ein­bruch schlie­ßen las­sen. Ins­be­son­de­re müs­sen nicht sämt­li­che, typi­scher­wei­se auf­tre­ten­den Spu­ren vor­han­den sein.

Ein­bruch­dieb­stahl – und die Beweis­erleich­te­rung für den Ver­si­che­rungs­neh­mer

Dem Ver­si­che­rungs­neh­mer einer Sach­ver­si­che­rung wer­den von der Recht­spre­chung aus dem Leis­tungs­ver­spre­chen des Ver­si­che­rers abge­lei­te­te Erleich­te­run­gen für den Beweis eines bedin­gungs­ge­mä­ßen Dieb­stahls ver­si­cher­ter Sachen zuge­bil­ligt, von denen auch das Beru­fungs­ge­richt im Ansatz zutref­fend aus­geht. Sie beru­hen auf der Über­le­gung, dass es wegen des für eine Ent­wen­dung typi­schen Bemü­hens des Täters, sei­ne Tat unbe­ob­ach­tet und unter Zurück­las­sung mög­lichst weni­ger Tat­spu­ren zu bege­hen, oft nicht mög­lich ist, im Nach­hin­ein den Tat­ver­lauf kon­kret fest­zu­stel­len. Da sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer gera­de auch für sol­che Fäl­le man­geln­der Auf­klä­rung schüt­zen will, kann nicht ange­nom­men wer­den, der Ver­si­che­rungs­schutz sol­le schon dann nicht ein­tre­ten, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht in der Lage ist, den Ablauf der Ent­wen­dung in Ein­zel­hei­ten dar­zu­le­gen und zu bewei­sen. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer genügt des­halb sei­ner Beweis­last bereits dann, wenn er das äuße­re Bild einer bedin­gungs­ge­mä­ßen Ent­wen­dung beweist, also ein Min­dest­maß an Tat­sa­chen, die nach der Lebens­er­fah­rung mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit den Schluss auf die Ent­wen­dung zulas­sen. Zu dem Mini­mum an Tat­sa­chen, die das äuße­re Bild eines Ein­bruch­dieb­stahls aus­ma­chen, gehört neben der Unauf­find­bar­keit der zuvor am Tat­ort vor­han­de­nen, als gestoh­len gemel­de­ten Sachen, dass abge­se­hen von Fäl­len des Nach­schlüs­sel­dieb­stahls – Ein­bruch­spu­ren vor­han­den sind 1.

Ist dem Ver­si­che­rungs­neh­mer die­ser Beweis gelun­gen, so ist es Sache des Ver­si­che­rers, sei­ner­seits zu bewei­sen, dass der Ver­si­che­rungs­fall nur vor­ge­täuscht war. Dabei kom­men aller­dings auch dem Ver­si­che­rer Beweis­erleich­te­run­gen zu. Für die­sen Gegen­be­weis erfor­der­lich ist ledig­lich der Nach­weis kon­kre­ter Tat­sa­chen, die aller­dings nicht nur mit hin­rei­chen­der, son­dern mit höhe­rer, näm­lich erheb­li­cher Wahr­schein­lich­keit dar­auf schlie­ßen las­sen, dass der Dieb­stahl nur vor­ge­täuscht ist 2.

Der Nach­weis des äuße­ren Bil­des setzt nicht vor­aus, dass die vor­ge­fun­de­nen Spu­ren "stim­mig" in dem Sin­ne sind, dass sie zwei­fels­frei auf einen Ein­bruch schlie­ßen las­sen. Ins­be­son­de­re müs­sen nicht sämt­li­che, typi­scher­wei­se auf­tre­ten­den Spu­ren vor­han­den sein, da der Sinn der Beweis­erleich­te­rung gera­de dar­in liegt, dem Ver­si­che­rungs­neh­mer, der in aller Regel kei­ne Zeu­gen oder sons­ti­gen Beweis­mit­tel für den Dieb­stahl bei­brin­gen kann, die Ver­si­che­rungs­leis­tung auch dann zuzu­er­ken­nen, wenn sich nach den fest­ge­stell­ten Umstän­den nur das äuße­re Bild eines Dieb­stahls dar­bie­tet, auch wenn von einem typi­schen Gesche­hens­ab­lauf nicht gespro­chen wer­den kann 3. Nur wenn ein Ein­bruch auf dem Wege, wie er nach dem äuße­ren Spu­ren­bild vor­zu­lie­gen scheint, aus ande­ren Grün­den völ­lig aus­zu­schlie­ßen ist, kann es trotz Vor­han­den­seins an sich genü­gen­der Spu­ren am Nach­weis der erfor­der­li­chen Min­dest­tat­sa­chen feh­len 4.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Köln in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen für das Vor­lie­gen des äuße­ren Bil­des eines Ein­bruchs ein "stim­mi­ges Spu­ren­bild" gefor­dert und des­sen Ver­nei­nung jeweils damit begrün­det hat, dass neben vor­ge­fun­de­nen Spu­ren wei­te­re beim Ein­drin­gen eines Die­bes zu erwar­ten­de Spu­ren nicht vor­han­den gewe­sen sei­en 5, wider­spricht dies, wie die vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen zei­gen, der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs.

Der Umstand, dass das Feh­len wei­te­rer Spu­ren an der Tür bei einem erfolg­ten Ein­bruch unwahr­schein­lich sein mag, kann aller­dings – für sich allein oder im Zusam­men­hang mit ande­ren Indi­zi­en, für die inso­weit die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig wäre 6 – für die Fra­ge der Vor­täu­schung des Ver­si­che­rungs­fal­les bedeut­sam wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. April 2015 – IV ZR 171/​13

  1. vgl. zu all­dem BGH, Urteil vom 20.12 2006 – IV ZR 233/​05, VersR 2007, 241 Rn. 9 f. m.w.N.; st. Rspr.[]
  2. BGH, Urteil vom 14.02.1996 – IV ZR 334/​94, NJW-RR 1996, 981 unter 1 a m.w.N.; st. Rspr.[]
  3. BGH, Beschluss vom 05.11.1986 – IVa ZR 57/​86, VersR 1987, 146; vgl. fer­ner BGH, Urteil vom 18.10.1989 – IVa ZR 341/​88, VersR 1990, 45[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.12 2006 – IV ZR 233/​05, VersR 2007, 241 Rn. 13; und vom 18.10.2006 – IV ZR 130/​05, VersR 2007, 102 Rn. 16[]
  5. OLG Köln VersR 1999, 309; NVer­sZ 2001, 33; NJW-RR 2005, 1554[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 20.12 2006 – IV ZR 233/​05, VersR 2007, 241 Rn. 14[]