Eizell­spen­de aus Tsche­chi­en – und die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung

Für eine im Aus­land vor­ge­nom­me­ne künst­li­che Befruch­tung mit­tels Eizell­spen­de besteht kein Ver­si­che­rungschutz in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung.

Eizell­spen­de aus Tsche­chi­en – und die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­ne Fall hat­te sich eine kin­der­lo­se Frau im Jahr 2012 in die Tsche­chi­sche Repu­blik zu einem Zen­trum für Invi­tro-Fer­ti­li­sa­ti­on (IVF) bege­ben. Dort wur­den meh­re­re Ver­su­che einer Eizell­spen­de mit IVF-Behand­lung sowie ver­län­ger­ter Embryo­kul­ti­vie­rung (Blas­to­zys­ten­trans­fer) durch­ge­führt. Den Spen­de­rin­nen wur­den jeweils Eizel­len ent­nom­men, von denen jeweils eini­ge befruch­tet wur­den. Der letz­te Ver­such war erfolg­reich, führ­te zu einer Schwan­ger­schaft der Frau und schließ­lich zur Ent­bin­dung, die dar­auf­hin eine Erstat­tung der Kos­ten die­ser Behand­lung in Höhe von rund 11.000 € von dem beklag­ten pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer begehr­te.

Ihre Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt Mün­chen – I 1 und dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen 2 kei­nen Erfolg. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te nun die Mün­che­ner Urtei­le und wies auch die Revi­si­on der Frau zurück:

Dem Ver­si­che­rungs­ver­trag lagen die Mus­ter­be­din­gun­gen 2009 des Ver­ban­des der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung (MB/​KK 2009) zugrun­de, nach denen sich der Umfang des Ver­si­che­rungs­schut­zes u.a. aus den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten ergibt. Fer­ner ist vor­ge­se­hen, dass das Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis deut­schem Recht unter­liegt. Die­se Bestim­mun­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof in Über­ein­stim­mung mit dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen dahin­ge­hend aus­ge­legt, dass der Ver­si­che­rer ledig­lich Auf­wen­dun­gen für sol­che Heil­be­hand­lun­gen zu erset­zen hat, die nach deut­schem Recht in Deutsch­land erlaubt sind. Zwar erstreckt sich der Ver­si­che­rungs­schutz nach den Mus­ter­be­din­gun­gen auch auf Heil­be­hand­lun­gen in Euro­pa. Aus der maß­geb­li­chen Sicht eines durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mers ist dies aber als Rege­lung des räum­li­chen Gel­tungs­be­reichs des Ver­si­che­rungs­schut­zes zu ver­ste­hen und bedeu­tet nicht, dass der Ver­si­che­rer Auf­wen­dun­gen für sol­che Behand­lun­gen zu erset­zen hat, die in Deutsch­land ver­bo­ten, in ande­ren euro­päi­schen Staa­ten aber erlaubt sind.

Der Frau steht danach kein Anspruch gegen den beklag­ten Kran­ken­ver­si­che­rer zu. Da die künst­li­che Befruch­tung mit­tels Eizell­spen­de nach deut­schem Recht ver­bo­ten ist (§ 1 Abs. 1 Nr. 2 Embryo­nen­schutz­ge­setz), bestand für die Behand­lung in der Tsche­chi­schen Repu­blik kein Ver­si­che­rungs­schutz, obwohl die Eizell­spen­de dort erlaubt ist.

Einen Ver­stoß der so ver­stan­de­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen gegen euro­päi­sches Gemein­schafts­recht hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint und eine etwai­ge Beschrän­kung der Dienst­leis­tungs­frei­heit im Streit­fall jeden­falls für gerecht­fer­tigt gehal­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Juni 2017 – IV ZR 141/​16

  1. LG Mün­chen I, Urteil vom 24.11.2015 – 23 O 14874/​14[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 13.05.2016 – 25 U 4688/​1[]