Ewald und die Außen­mar­ki­se

Bei einem Sturm mit Wind­stär­ke 8 muss eigent­lich jedem klar sein, dass es zu Wind­stö­ßen kom­men kann, die eine Außen­mar­ki­se zer­stö­ren kön­nen. Fährt man die­se dann nicht ein, ver­liert man wegen gro­ber Fahr­läs­sig­keit den Ver­si­che­rungs­schutz. Man­che Per­so­nen benö­ti­gen zu die­ser Erkennt­nis frei­lich eine kos­ten­pflich­ti­ge Erklä­rung per gericht­li­chem Urteil.

Ewald und die Außen­mar­ki­se

In einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall unter­hielt ein 89 Jah­re alter Mann bei einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft eine Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung. Als Anfang Mai 2007 der Sturm "Ewald" mit Wind­stär­ke 8 tob­te, wur­den das Mar­ki­sen­tuch ud der Gelenk­arm einer Mar­ki­se des Ver­si­che­rungs­neh­mers stark beschä­digt. Er ließ die Schä­den für 1.785 € repa­rie­ren. Die­se Repa­ra­tur­kos­ten woll­te er von sei­ner Ver­si­che­rung erstat­tet erhal­ten. Sein von ihm ein­ge­schal­te­ter Ver­si­che­rungs­mak­ler zeig­te zu die­sem Zwe­cke Mit­te Okto­ber 2007 den Scha­den an.

Die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung zahl­te jedoch nicht: Zum Einen sei die Anzei­ge nicht unver­züg­lich erfolgt, dadurch habe man auch die Mar­ki­se nicht mehr begut­ach­ten kön­nen. Zum Ande­ren habe der Ver­si­che­rungs­neh­mer grob fahr­läs­sig gehan­delt, als er trotz Sturms die Mar­ki­se aus­ge­fah­ren ließ.
So sei es nicht, ent­geg­ne­te der Kun­de. Er habe früh­zei­tig den Scha­den sei­nem Mak­ler
gemel­det. Die Ver­si­che­rung hät­te sich nur die Licht­bil­der vom Scha­den anse­hen müs­sen. Ein direk­ter Augen­schein sei nicht erfor­der­lich gewe­sen. Er sei nicht fahr­läs­sig gewe­sen, son­dern habe auf die Wet­ter­fes­tig­keit der moder­nen Mar­ki­se ver­traut.

Bei der zustän­di­gen Rich­te­rin beim Amts­ge­richt Mün­chen, vor der der Rechts­streit schließ­lich lan­de­te, fand der Rent­ner kein Recht: Es müs­se, so die Amts­rich­te­rin, jeder­mann klar sein, gera­de auch einem Mann mit lang­jäh­ri­ger Lebens­er­fah­rung, dass es bei Wind­stär­ke 8 zu Wind­stös­sen kom­men kön­ne, die auch eine moder­ne Mar­ki­se zer­stö­ren kön­nen. Bei einem sol­chen Sturm sei die Mar­ki­se ein­zu­fah­ren. Da dies der Klä­ger grob fahr­läs­sig unter­las­sen habe, bestehe kein Ver­si­che­rungs­schutz mehr.

Außer­dem sei die Anzei­ge des Scha­dens nicht unver­züg­lich erfolgt. Dass dies auf Grund eines Feh­lers des Mak­lers geschah, kön­ne den Klä­ger nicht ent­las­ten. Der Mak­ler ste­he in sei­nem Lager und er müs­se sich des­sen Fehl­ver­hal­ten zurech­nen las­sen. Auf Grund der spä­ten Anzei­ge sei es der Ver­si­che­rung nicht mög­lich gewe­sen, eine Unter­su­chung über Ursa­che und Höhe des Scha­dens vor Ort durch­zu­füh­ren. Etwai­ge Licht­bil­der sei­en dafür kein Ersatz.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 14. Janu­ar 2009 – 112 C 31663/​08 (rechts­kräf­tig)